17/05/2026
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Deutschland nach dem ESC mal wieder in kollektivem Ausnahmezustand.
Irgendwo sitzen jetzt vermutlich bereits Menschen mit Deutschlandfahne und Kräutertee vor Facebook und schreiben Sätze wie: „WIR ZAHLEN NUR NOCH FÜR EUROPA!!!“ während im Hintergrund traurig eine Blockflöte „Ein bisschen Frieden“ spielt.
Und mittendrin steht Sarah Engels. Mit Haltung. Mit Würde. Mit einer positiven Einstellung, von der sich dieses Land ungefähr drei Scheiben abschneiden könnte.
Ganz ehrlich? Ich bin stolz auf sie.
Nicht wegen eines Platzes. Nicht wegen Punkten. Sondern wegen der Art, wie sie mit dieser ganzen Nummer umgeht. Denn während hier schon wieder halb Deutschland so tut, als hätte der ESC persönlich unser Auto zerkratzt, sagt Sarah einfach: "Ich möchte nicht, dass Deutschland traurig ist."
Und genau DAS ist Größe.
Diese Frau steht nach einem 23. Platz da, bekommt null Punkte vom Publikum, wird öffentlich analysiert wie ein Tatort-Gutachten und sagt trotzdem: "Meine Familie wird mich morgen genauso in den Arm nehmen wie gestern."
Entschuldigung, aber wie gesund und reflektiert kann ein Mensch bitte sein?
Während andere nach einem verlorenen Brettspiel drei Wochen passiv aggressiv sind, steht Sarah da wie ein emotional stabiler Leuchtturm mitten im europäischen Musikchaos.
Und dann kommt der Satz von ihr über den Gewinnersong, für den ich sie endgültig feiern musste: "Ich find’ den geil. Ich mag Dara, die ist sexy. Ich mag den Song. Also ich bin sehr stolz auf sie."
STELLT EUCH DAS MAL VOR.
Da verliert jemand und gönnt trotzdem. In Deutschland wirkt so ein Verhalten inzwischen ungefähr so selten wie funktionierende Drucker oder freundliche Kommentare unter Promi-News.
Und vielleicht liegt genau da unser Problem beim ESC.
Andere Länder schicken Emotionen, Lebensfreude, Wahnsinn, Kultur oder völlige Eskalation mit Glitzerkanone. Und wir? Wir schicken vorher schon kollektiv die Botschaft: „Ach bringt eh nix. Wir werden sowieso Letzter.“
Dieses Land hat inzwischen teilweise die Ausstrahlung einer schlecht gelaunten Behörde kurz vor Feierabend. Überall wird gemeckert, gehatet, schlechtgeredet und kaputtanalysiert, noch bevor überhaupt der erste Ton gesungen wurde. Und danach wundern wir uns ernsthaft, warum Europa uns nicht euphorisch auf Platz 1 wählt.
Sarah hingegen hat verstanden, worum es eigentlich geht: Mut haben. Risiko eingehen. Spaß haben. Leichtigkeit zeigen. Und genau dafür bewundere ich sie wirklich.
Sie hat Deutschland würdig vertreten. Mit Klasse, Energie und einer positiven Haltung, die deutlich größer war als jede Punktetafel.
Und wisst ihr was? Menschen wie Sarah verlieren vielleicht Punkte bei einem ESC. Aber sie gewinnen Charakter. Und das ist am Ende sowieso deutlich mehr wert als zwölf Punkte.
Text: © Keke van Steyn 2026 – Geklaut wird hier gar nichts (Teilen vom Originalbeitrag erlaubt)