08/05/2025
Warum gibt es in unterschiedliche Gedenk- und Feiertage zum Ende des 2. Weltkriegs?
Einfache Antwort: Weil es nicht DIE eine Kapitulation gab.
- In Italien kapitulieren die deutschen Verbände am 29. April. Die Kapitulation trat am 2. Mai in Kraft.
- Die Niederländer feiern bspw. am 5. Mai den „Bevrijdingsdag“, denn nach Verhandlungen am 4. Mai in der Nähe von Lüneburg gab es für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande eine Teilkapitulation, die am 5. Mai in Kraft trat.
- Bei München kapitulierte die Führung der Wehrmachtsverbände im Südraum am 5. Mai mit der Wirkung zum 6. Mai.
- Am 6. Mai trafen eine deutsche Delegation im französischen Reims ein, um über eine weitere Teilkapitulation zu verhandeln. Eisenhower bestand auf eine Gesamtkapitulation. Am 7. Mai wurde die Kapitulation in einer französischen Schule um 02:41 Uhr unterzeichnet. Die Kämpfe sollten am 8. Mai um 23:01 Uhr enden. Auf Alliierter Seite unterzeichneten amerikanische, britische, französische und sowjetische Vertreter die Kapitulationsurkunde.
Aber damit war der Spuk noch nicht vorbei. Warum?
Während der 3. Moskau-Konferenz in 1943 hatten sich die Alliierten geeinigt, einen gemeinsamen Entwurf für die bedingungslose deutsche Kapitulation zu entwerfen, was die European Advisory Commission unter anderem dann auch in 1944 tat. Sie regelte nicht nur die militärische Kapitulation, sondern auch die die Übergabe der deutschen Hoheitsrechte an die vier Hauptsiegermächte – und genau dieser zweite Teil war nicht Gegenstand der Kapitulation in Reims, die sich inhaltlich an der Teilkapitulation in Italien orientierte.
Stalin war sauer, weil
1. der Text unvollständig war,
2. die Befürchtung im Raum stand, dass die deutschen Verbände an der Ostfront weiterkämpften,
3. nicht Vertreter aller deutschen Waffengattungen kapituliert hatten und
4. die Kapitulation quasi auf west-alliiertem Territorium stattfand. Die Folge: Stalin verweigerte die Unterschriftsbestätigung.
Und so kam es dann in Berlin-Karlshorst zu einer weiteren, formal bedeutungslosen Kapitulation am 9. Mai um kurz nach Mitternacht, die rückwirkend für den 8. Mai ab 23:01 Uhr galt. Die deutschen Truppen mussten ergänzend zur Kapitulation nun auch ihre Waffen abgeben, der Kapitulationsentwurf von 1944 wurde weiterhin nicht verwendet.
Interessant ist nun, wer wann gedenkt:
Im Westen – mit Ausnahmen wie in den Niederlanden (5. Mai) – firmiert der 8. Mai als „Tag der Befreiung“ oder als „VE-Day“ (Victory in Europe Day). Im Osten bzw. präziser in den ehemaligen Ländern der Sowjetunion (ohne die baltischen Länder) wird der 9. Mai als „Tag des Sieges“ gefeiert – Ausnahme: Die Ukraine. Sie gedenkt am 8. Mai der Kriegsopfer.
Das Lycée Franklin Roosevelt ist eine öffentliche Sekundarschule in der französischen Großstadt Reims mit etwa 2100 Schülern, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach dem kurz zuvor verstorbenen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt benannt wurde. In dem heutigen Schulkomplex, in dem seit...