31/05/2026
++ Wort für die Woche ++
Es ist Dreifaltigkeitssonntag, Echo der Feste die wir im Frühjahr gefeiert haben, Thema in jedem Beginn von Gebet und den Gottesdiensten. „Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes.“ Beinahe unbewusst begleitet uns diese Aussage, die aber zugleich so schwer zu deuten scheint. Gibt es nur einen Gott? Sind es drei Götter? Oder verwandelt er sich?
Der Hl. Augustinus hat, als er Christ wurde, sich auf die Suche in dieses Geheimnis hinein gemacht. Es hat ihn nicht mehr losgelassen. Was ist das für eine Gottesgestalt, wo kann ich sehen und finden? In der Sammlung seiner Gedanken, überliefert in der Schriftensammlung „De Trinitate“, spürt der Leser bis heute sein Ringen.
Jeder neu geweihte Priester feiert eine sogenannte Heimatprimiz. Meine war am Dreifaltigkeitssonntag, der Festprediger mein Doktorvater. Er kündigte an, die Dreifaltigkeit zu deuten. Verstanden hat niemand etwas, auch ich nicht! Nach der Messe gab es einen Empfang. Die Freundinnen meiner Mutter waren aber dennoch begeistert: „Was für ein gutaussehender Mann“. Ich fand das unangemessen und dumm. Damals war ich noch kritisch und streng.
Heute, wenn ich mich erinnere, ist die Wahrnehmung gar nicht so falsch. Sie kommt Augustinus erstaunlich nah, denn der suchte nach sichtbaren Zeichen der Dreifaltigkeit, nach Orten und Beispielen. Und immer ging es um Wahrnehmung. Und die hatten die Damen ja auch! Das heißt, Gott spricht sich in vielen Sprachen, Bildern, Begegnungen aus. Gott ist Bewegung und Wechsel! Das feiern wir Ostern, das feiern wir Himmelfahrt, das feiern wir Pfingsten. Und wir feiern das auch untereinander, wenn wir uns begegnen.
Da kann auch ein gutaussehender Professor nicht schaden.
Pfarrvikar Dr. Wolfgang Fey