30/05/2026
Wie entsteht deine Kunst, Laura? Wir begegneten uns im Rahmen
unserer Zusammenarbeit bei GEDOK FrankfurtRheinMain und entdeckten Parallelen: ähnliche Kindheiten im postsowjetischen Raum, große Familien, kleine Wohnungen - und heute ein Leben in Deutschland. Marina: Wir sind beide in sehr begrenzten Räumen aufgewachsen.
Hatte Musik für dich damals etwas wie einen eigenen Raum? Etwas, das nur
dir gehört? entsteht etwas, das es vorher so nicht
gab. Marina: Und würdest du sagen, dass du dabei etwas Persönliches ausdrückst - oder eher einen Raum schaffst, in dem etwas passieren
kann? Laura: Beides. Wenn Musik beginnt, passiert etwas im Menschen. Man
kann es nicht komplett kontrollieren. Es hängt davon ab, wie man sich fühlt,
wer zuhört, was gerade da ist. Ich sehe Musik wie einen Spiegel. Sie zeigt etwas - aber jeder sieht etwas
anderes. Marina: Du hast angefangen zu impro-
visieren. Warum? Laura: Weil ich gemerkt habe, dass etwas in mir keinen Platz mehr findet in den bestehenden Stücken. Die
Struktur ist da - und sie ist wichtig.
Aber irgendwann wollte ich wissen: Was kommt aus mir selbst? Genau darin liegt die Freiheit. Improvisation ist naturgemäß auch ein Risiko. Ich
weiss nicht, was genau passieren wird. Es kann auch scheitern. Ich sehe das wie eine Challenge - es ist die Fähigkeit, Kontakt zum Herzen, zum eigenen
Inneren aufzunehmen. Vor einem halben Jahr habe ich als blutige Anfängerin ohne spezielle Vorkenntnisse mit einer Improvisation erste Erfahrungen gemacht als Solokünstlerin. Es waren etwa 100 Menschen im Publikum, die
das emotional total umgehauen hat. Kurz darauf folgte ein Workshop zum Thema „Improvisieren im Ensemble“, ein spannendes Neuland für mich. Großartig zu sehen, wie man mit
dem Instrument als Medium mit den anderen kommuniziert, reagiert, adaptiert, anregt, abwartet. So bringt man gemeinsam etwas einzigartiges zustande -ohne Worte. Man spricht oft über Musik als die universelle Sprache . Ich beobachte immer wieder, wie Musik wirken kann, wo Worte nichts mehr nutzen. Als nächstes Projekt wird eine interaktive Performance mit dem Publikum im Rahmen des „Always and Forever“-Symposiums unser GEDOK stattfinden.