02/10/2026
Die Zukunft der Ungleichheit: Auswege aus der Klassengesellschaft?
Mit Hanno Sauer, Professor für Ethik an der Universität Utrecht, sind wir in unser Programm 2026/27 gestartet – mit einer ernüchternden These: Wir leben in einer Klassengesellschaft und werden dies voraussichtlich auch weiterhin tun.
Denn soziale Ungleichheit ist mehr als eine Frage von Einkommen und Vermögen. Auch Herkunft, Bildung, Sprache, Konsum und Verhalten beeinflussen, welchen gesellschaftlichen Status wir haben. Geld allein schafft also noch kein Prestige. Das zeigt sich zum Beispiel am Unterschied zwischen „Old Money“ und „New Money“: Entscheidend ist nicht nur, wie viel jemand besitzt, sondern auch, woher das Vermögen kommt und wie es gesellschaftlich wahrgenommen wird.
Ein zentraler Gedanke des Abends war Klasse als „sozial konstruierte Knappheit“. Während materieller Mangel durch mehr Wohlstand verringert werden kann, gilt das für Status nicht. Denn Status entsteht immer im Vergleich mit anderen: Nicht alle können gleichzeitig zu den oberen zehn Prozent gehören.
Auch deshalb verschwinden Klassenunterschiede nicht automatisch, wenn eine Gesellschaft insgesamt wohlhabender wird. Aus Sauers Sicht gibt es keine politisch, moralisch und sozial akzeptablen Mittel, mit denen sich soziale Ungleichheit und vor allem Statusunterschiede vollständig beseitigen lassen.
Umso wichtiger sind gute öffentliche Angebote und Räume – von Bildung über Infrastruktur bis hin zu Parks und anderen Orten der Begegnung. Sie können gesellschaftliche Teilhabe stärken und Räume schaffen, in denen Statusunterschiede weniger wichtig sind.
Der Abend hat damit eine zentrale Frage aufgeworfen: Wie können wir mit Ungleichheit umgehen und gleichzeitig Chancengerechtigkeit, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken?
Vielen Dank an Hanno Sauer für die Denkanstöße, an Rosemarie Tuchelt für die Moderation und an unser Publikum für die engagierte Diskussion!
Und wer wissen möchte, wie selbstverständlich wir Menschen anhand von Sprache einer sozialen Klasse zuordnen, kann sich einmal die „Herr der Ringe“-Filme in der englischen Originalfassung anschauen. Warum? Das erkl�