25/10/2026
Was sind die sogenannten Süßwasser- und Salzwasserökonomen und was hat das mit Keynes zu tun?
Im Renate-von-Metzler Saal der Goethe-Universität Frankfurt durften wir knapp 60 Gäste zu einem ebenso spannenden wie kurzweiligen Vortrag begrüßen. Als Referenten konnten wir Prof. Dr. Hagen Krämer gewinnen, den Vorsitzenden der Keynes Gesellschaft e.V..
In seiner Begrüßung ordnete der fwwg-Vorstand Olaf Börner den Vortragsabend in den Kontext des lebendigen Austauschs zwischen Wirtschaftswissenschaft, Geschichte und aktueller wirtschaftspolitischer Debatte ein. Bereits am Vortag war die fwwg bei einer Veranstaltung zu Ludwig Erhard vertreten, einem bedeutenden Alumnus der Goethe-Universität und einer der prägenden Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft.
Das Publikum spiegelte unser lebendiges Netzwerk wider: Neben Junioren und jungen Alumni war die Professorendichte an diesem Abend außergewöhnlich hoch. Mit der Anwesenheit von gleich vier Professoren unseres Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften Uni-Frankfurt - Prof. Rainer Klump, Prof. Bertram Schefold, Prof. Volker Caspari und Prof. Wolfgang König - freuten wir uns besonders darüber, auch zwei Ehrenmitglieder und zwei Beiräte unserer Gesellschaft unter den Gästen zu wissen.
Prof. Dr. Krämer nahm das Publikum mit auf eine faszinierende Reise durch die Biografie des weltberühmten Ökonomen und zeigte auf, wie facettenreich dessen Leben abseits des akademischen Elfenbeinturms war. Seine Rollen waren erstaunlich vielfältig: Er agierte als Journalist, passionierter Kunstsammler, erfolgreicher Unternehmer sowie spekulativer Investor und zeigte sich zugleich als großzügiger Mäzen des Theaterballetts. Die Zuhörer erfuhren unter anderem, dass Keynes im Laufe seines Lebens zweimal kurz vor dem Bankrott stand.
Neben seinen zahlreichen offiziellen Positionen prägte er maßgeblich die berühmte intellektuelle Bloomsbury Group. Kritisch beleuchtete Prof. Krämer jedoch auch eine Leerstelle in Keynes' Werk, die Berücksichtigung von technologischem Fortschritt und langfristigen Perspektiven.
Zudem schlug der Vortrag eine Brücke direkt in die Gegenwart und beleuchtete die bis heute nachwirkende Debatte zwischen den großen Denkschulen der US-Makroökonomik: den marktfreundlichen Süßwasser-Ökonomen rund um die Großen Seen wie der University of Chicago, die Keynes’ Ansätzen kritisch gegenüberstehen, und den an den Küsten beheimateten Salzwasser-Ökonomen von Institutionen wie Harvard, Yale oder Berkeley, die in der keynesianischen Tradition stehen. Weitere Informationen zu Keynes sind unter https://keynes-gesellschaft.de/ und bei Interesse unter [email protected] erhältlich.
Nach dem offiziellen Teil bot sich den Teilnehmern beim Get-Together bei Wein und Brezeln die perfekte Gelegenheit, die angeregten Gespräche fortzuführen und neue Kontakte zu knüpfen. Ein herzlicher Dank gilt natürlich unserem Referenten sowie dem Alumniverein Historiae Faveo für die Bereitstellung des anschließenden Imbisses. Ebenso danken wir unseren beiden engagierten fwwg-Mitgliedern Sylvia Ungeheuer und Wilhelm Ungeheuer: Sie gaben mit ihrer Initiative und Anregung auch den Impuls für diese Veranstaltung, die sie tatkräftig unterstützten.