25/08/2026
Kommentar: Christian Heckens
Die IPA lebt von ihrer Geschichte. Und ich glaube, wir dürfen auf diese Geschichte auch mit Recht stolz sein.
Viele Freundschaften, internationale Kontakte und Veranstaltungen gäbe es heute nicht, wenn nicht über Jahrzehnte Menschen ihre Freizeit, ihre Erfahrung und oft unglaublich viel Herzblut in unsere IPA gesteckt hätten. Das sollte man nicht vergessen, wenn man über Veränderung spricht.
Trotzdem beschäftigt mich schon länger eine Frage: Wie schaffen wir es, dass diese Geschichte auch weitergeschrieben wird?
Mein persönlicher Eindruck ist, dass der Altersdurchschnitt in vielen Bereichen unserer IPA recht hoch ist. Viele Funktionen werden von Kollegen getragen, die bereits pensioniert sind oder kurz vor dem Ruhestand stehen. Gleichzeitig würde ich mir wünschen, viel häufiger jüngere Kolleginnen und Kollegen und insbesondere auch mehr Frauen zu sehen, die sich aktiv einbringen und Verantwortung übernehmen.
Das funktioniert aber nicht allein dadurch, dass wir sagen, wir brauchen Nachwuchs.
Wir müssen Menschen auch erreichen.
Wenn junge Polizeibeschäftigte auf ihrer eigenen Dienststelle kaum wissen, wer Ansprechpartner der IPA ist oder was unser Netzwerk überhaupt bietet, können wir ihnen keinen Vorwurf machen, wenn sie sich nicht für eine Mitgliedschaft interessieren.
Ein Flyer im Schaukasten kann dabei helfen. Aber er wird nicht reichen.
Ich glaube, IPA wird dort interessant, wo Menschen von ihr erzählen. Wenn ein Kollege berichtet, dass er über die IPA Freunde im Ausland gefunden hat. Wenn jemand von einer Begegnung erzählt, die ohne dieses Netzwerk niemals entstanden wäre. Oder wenn eine junge Kollegin merkt, dass ihre Ideen nicht nur gern gehört werden, sondern sie diese auch umsetzen darf.
Genau diese Geschichten müssen wieder stärker auf die Dienststellen.
Natürlich gehört heute auch eine vernünftige Präsenz in den sozialen Medien dazu. Dort erreichen wir Menschen, die wir mit klassischen Vereinswegen möglicherweise gar nicht mehr erreichen. Aber auch Social Media ist kein Wundermittel.
Denn hinter jedem neuen Mitglied steht anschließend ganz normale Vereinsarbeit.
Anfragen müssen beantwortet werden. Veranstaltungen wollen vorbereitet sein. Mitglieder möchten Ansprechpartner haben und natürlich muss auch die Verwaltung funktionieren.
Das ist Arbeit. Und genau deshalb sollten wir nicht darüber diskutieren, ob wir die erfahrenen oder die jungen Mitglieder brauchen.
Wir brauchen einander.
Langjährige IPA Freunde kennen Strukturen, haben Kontakte aufgebaut und wissen aus Erfahrung, warum manche Dinge funktionieren und andere eben nicht. Dieses Wissen ist wertvoll und sollte weitergegeben werden.
Genauso wertvoll ist aber der Blick derjenigen, die neu hinzukommen.
Sie kommunizieren anders, haben vielleicht andere Vorstellungen von Veranstaltungen und bringen Ideen mit, auf die jemand nach dreißig Jahren Vereinsarbeit möglicherweise gar nicht mehr kommt.
Das sollte niemandem Angst machen.
Im Gegenteil.
Für mich wäre es ein gutes Zeichen, wenn ein langjähriges Mitglied irgendwann sagen kann: „Probier es aus. Ich helfe dir, wenn du mich brauchst.“
Und genauso wünsche ich mir von jüngeren Mitgliedern den Respekt zu sagen: „Zeig mir, was ihr aufgebaut habt. Vielleicht können wir daraus gemeinsam etwas Neues entwickeln.“
So stelle ich mir Vereinsleben vor.
Nicht Alt gegen Jung.
Nicht früher gegen heute.
Sondern Menschen, die etwas weitergeben, und andere, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Natürlich wird dabei nicht jede Idee funktionieren. Manches Neue wird scheitern und manches Alte wird sich am Ende als erstaunlich sinnvoll herausstellen. Das gehört dazu.
Schwieriger wird es nur, wenn wir engagierte Menschen suchen, ihnen dann aber keinen wirklichen Gestaltungsspielraum geben.
Wer Nachwuchs möchte, muss Nachwuchs ansprechen. Und wer engagierte Menschen gefunden hat, muss ihnen irgendwann auch vertrauen.
Vielleicht bedeutet das auch, Verantwortung früher abzugeben, als man selbst ursprünglich geplant hatte. Nicht weil die eigene Erfahrung plötzlich weniger wert wäre, sondern weil genau diese Erfahrung dann besonders wertvoll wird, wenn sie weitergegeben wird.
Für mich liegt darin eine große Chance für unsere IPA.
Wir müssen unsere Vergangenheit nicht hinter uns lassen, um moderner zu werden. Wir können auf ihr aufbauen.
Wenn es uns gelingt, die Erfahrung langjähriger IPA Freunde mit dem Engagement einer neuen Generation zu verbinden, müssen wir uns um die Zukunft unseres Netzwerks deutlich weniger Sorgen machen.
Wie schaffen wir es, Erfahrung zu bewahren und gleichzeitig einer neuen Generation echten Gestaltungsspielraum zu geben?
Ich würde mich freuen, dazu auch andere Meinungen und Erfahrungen aus der IPA zu lesen.
Servo per Amikeco
Dienen durch Freundschaft.
Bildhinweis: KI generiertes Symbolbild, erstellt mit ChatGPT von OpenAI nach inhaltlichen Vorgaben von Christian Heckens.