Adipositas SHG Forchheim-Bamberg

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Adipositas SHG Forchheim-Bamberg - Informationen zu Adipositas und Adipositas-Chirurgie
- Allgemeiner Info- und Erfahrungsaustausch u Die Teilnahme ist natürlich unverbindlich und kostenlos.

Herzlich willkommen,

schön, dass Sie unsere Seite besuchen! Wir sind eine offene (Selbsthilfe-)Gruppe von Betroffenen für Betroffene und deren Begleitung und am Thema Interessierte, die sich mit dem Krankheitsbild der "Adipositas" und dem Thema der "Adipositas-Chirurgie" beschäftigt. Um mit der Krankheit besser umgehen zu können und Wege in ein gesünderes und leichteres Leben zu finden, unterstützen und motivieren wir uns gegenseitig im lockeren Austausch, mit Gesprächen, Informationsveranstaltungen und gemeinsamen Unternehmungen...

Wir verfolgen dabei keinerlei kommerzielle Ziele! Unsere regelmäßigen Treffen finden jeden dritten Donnerstag im Monat um 19:30 Uhr im Klinikum Forchheim, Konferenzraum U101 statt. Der Zugang zum Veranstaltungsraum ist barrierefrei, kostenpflichtige Parkplätze sind auf dem Klinikgelände ausreichend vorhanden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Jede und jeder Interessierte sowie dessen Begleitung oder Angehörige ist uns herzlich willkommen! Weitere Informationen rund um das Thema, finden Sie auf unserer umfangreichen Homepage
www.adipositas-shg-forchheim.de.

https://www.facebook.com/share/1DmpQEkWSZ/
15/09/2026

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𝗪𝗲𝗻𝗻 𝗘𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗲𝗶𝗻𝘇𝗶𝗴𝗲 𝗭ä𝗿𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵𝗸𝗲𝗶𝘁 𝘄𝗮𝗿, 𝗱𝗶𝗲 𝗱𝘂 𝗯𝗲𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗵𝗮𝘀𝘁

Manche Menschen essen nicht, weil sie Hunger haben.

Sie essen, weil irgendwann einmal ein Stück Schokolade das Einzige war, was sich nach Liebe angefühlt hat.

Vielleicht begann es ganz harmlos.

Du warst ein Kind und hast etwas gut gemacht.
Dafür gab es Süßigkeiten.

Du warst traurig.
Dafür gab es Süßigkeiten.

Du solltest ruhig sein.
Dafür gab es Süßigkeiten.

Eltern gaben sie dir.
Großeltern gaben sie dir.

Und manchmal gaben sogar diejenigen sie dir, die dir gleichzeitig Dinge antaten, die kein Kind erleben sollte.

Eine Süßigkeit nach dem Schmerz.
Eine Belohnung fürs Bravsein.
Etwas Leckeres fürs Schweigen.

Und ein Kindergehirn macht daraus keine Ernährungswissenschaft.

Es lernt etwas vollkommen anderes:

𝗘𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗯𝗲𝗱𝗲𝘂𝘁𝗲𝘁 𝗧𝗿𝗼𝘀𝘁.
𝗘𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗯𝗲𝗱𝗲𝘂𝘁𝗲𝘁 𝗕𝗲𝗹𝗼𝗵𝗻𝘂𝗻𝗴.

𝗘𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗯𝗲𝗱𝗲𝘂𝘁𝗲𝘁 𝗳ü𝗿 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗸𝘂𝗿𝘇𝗲𝗻 𝗠𝗼𝗺𝗲𝗻𝘁: 𝗝𝗲𝘁𝘇𝘁 𝗶𝘀𝘁 𝗲𝘁𝘄𝗮𝘀 𝗴𝘂𝘁.

Und dann wird dieses Kind älter.

Vielleicht nimmt es zu.
Vielleicht sehr viel.

Und irgendwann geschieht etwas Merkwürdiges.

Die Blicke verändern sich.
Die Aufmerksamkeit verändert sich.
Der Körper verändert sich.

Das Kind wird erwachsen und für manche Täter verliert es damit genau jene körperlichen Merkmale, auf die sich ihr Interesse gerichtet hatte.

Vielleicht wurde auch das zunehmende Gewicht unbewusst mit einer Erfahrung verbunden:

So bin ich sicherer.
So werde ich weniger angesehen.
So werde ich weniger begehrt.
So verschwinde ich.

Und was andere später nur als Übergewicht betrachten, kann für einen Menschen deshalb eine vollkommen andere Bedeutung bekommen.

𝗘𝗶𝗻 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿 𝗸𝗮𝗻𝗻 𝘇𝘂 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗥ü𝘀𝘁𝘂𝗻𝗴 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲𝗻, 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗱𝗲𝗿 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵 𝗷𝗲𝗺𝗮𝗹𝘀 𝗯𝗲𝘄𝘂𝘀𝘀𝘁 𝗯𝗲𝘀𝗰𝗵𝗹𝗼𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗵𝗮𝘁, 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝘇𝘂 𝘁𝗿𝗮𝗴𝗲𝗻.

Natürlich hat starkes Übergewicht viele mögliche Ursachen. Nicht jeder dicke Mensch hat ein Trauma erlebt und nicht jedes Trauma führt zu Übergewicht.

Aber manche Menschen tragen eine Geschichte in ihrem Körper, über die niemand spricht.

Und diese Geschichte verschwindet nicht automatisch, nur weil irgendwann jemand sagt:

"Nehmen Sie ab."

Als wäre das die Information, die gefehlt hätte.
Als hätte dieser Mensch noch niemals versucht abzunehmen.

Als hätte er nicht gezählt, gewogen, verzichtet, gehungert, neu angefangen und wieder aufgegeben.

Als hätte er nicht schon hundertmal gedacht:

Dieses Mal schaffe ich es.

Manche schaffen es sogar.
Sie verlieren zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Kilo.

Und dann stehen sie vor einem Spiegel und erkennen sich nicht wieder.

Andere sehen einen Erfolg.
Sie selbst sehen einen fremden Menschen.

Plötzlich kommen Komplimente.

Vielleicht auch von Männern.
"Du siehst toll aus."
"Was für eine Veränderung."
"Jetzt hast du eine richtig schöne Figur."

Was für andere Anerkennung wäre, kann in einem Menschen, dessen Körper einmal Schutz bedeutete, etwas völlig anderes auslösen.

Angst.
Unruhe.
Panik.

Denn plötzlich wirst du wieder gesehen.

Und dein Kopf weiß vielleicht:
Ich bin heute erwachsen.

Aber dein Nervensystem erinnert sich an eine Zeit, in der Gesehenwerden nichts Gutes bedeutete.

Also kämpfst du nicht nur gegen Hunger oder Gewohnheiten.

Du kämpfst möglicherweise gegen etwas in dir, das Sicherheit will.

Und manchmal gewinnt dieses Etwas.
Du isst.

Nicht unbedingt, weil dein Magen Nahrung verlangt.
Sondern weil dein Kopf endlich still werden soll.

Weil du schlafen möchtest.
Weil du für ein paar Minuten nichts fühlen willst.

Weil Essen seit deiner Kindheit eine Sprache spricht, die dein Körper versteht.

Trost.
Beruhigung.
Belohnung.
Betäubung.

Danach kommt die Schuld.

Warum habe ich das wieder gemacht?
Warum bekomme ich das nicht hin?
Warum kann ich nicht einfach weniger essen?

Und niemand sieht diesen Kampf.

Sie sehen nur deinen Körper.

Sie sehen vielleicht einen Menschen, der weit mehr Gewicht mit sich trägt, als medizinisch als gesund betrachtet wird.

Aber sie fühlen nicht, was dieser Körper jeden Tag leisten muss.

Versuch einmal, viele zusätzliche Kilos dauerhaft mit dir herumzutragen.

Nicht fünf Minuten.
Nicht für ein Experiment.

Morgens beim Aufstehen.
Beim Treppensteigen.
Beim Einkaufen.
Beim Duschen.
Beim Anziehen.
Beim Schlafen.

Jeden einzelnen Tag.

Dann wird aus einer kleinen Strecke eine Herausforderung.

Duschen kann den Puls in die Höhe treiben.

Stehen kann schmerzen.
Gehen kann schmerzen.
Sitzen kann schmerzen.

Und irgendwann kann sogar Liegen schmerzen.

Du möchtest medizinische Hilfe.

Und dann sitzt du vor einem Arzt und hörst:
"Nehmen Sie erst einmal ab."

Dann sehen wir weiter.

Vielleicht bist du wegen deines Rückens dort.
Wegen deiner Haut.
Wegen Schmerzen.

Wegen etwas, das mit deinem Gewicht überhaupt nicht unmittelbar zusammenhängen muss.

Und trotzdem sitzt dein Gewicht mit im Behandlungszimmer.

Immer.

Manchmal scheint es sogar vor dir dort zu sein.

Du bemerkst den Blick auf den Untersuchungsstuhl.
Du fragst dich selbst längst, ob er dich aushält.
Du bemerkst Blicke, wenn du dich ausziehen musst.

Und irgendwann möchtest du gar nichts mehr erzählen.

Denn über deinen Körper sprechen längst andere genug.

"Selbst schuld."

"Wie kann man es nur so weit kommen lassen?"

"Friss halt weniger."

Als hätte Scham jemals einen Menschen gesund gemacht.
Als wäre Verachtung eine Therapie.
Als wäre Demütigung eine Ernährungsberatung.

𝗨𝗻𝗱 𝗱𝗮𝘀 𝗦𝗰𝗵𝗹𝗶𝗺𝗺𝘀𝘁𝗲 𝗶𝘀𝘁: 𝗜𝗿𝗴𝗲𝗻𝗱𝘄𝗮𝗻𝗻 𝗯𝗿𝗮𝘂𝗰𝗵𝘀𝘁 𝗱𝘂 𝗱𝗶𝗲 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲𝗻 𝗴𝗮𝗿 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗺𝗲𝗵𝗿, 𝘂𝗺 𝗱𝗶𝗰𝗵 𝘇𝘂 𝗯𝗲𝘀𝗰𝗵ä𝗺𝗲𝗻.

𝗗𝘂 𝗵𝗮𝘀𝘁 𝗶𝗵𝗿𝗲 𝗦𝘁𝗶𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗹ä𝗻𝗴𝘀𝘁 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗞𝗼𝗽𝗳 ü𝗯𝗲𝗿𝗻𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻.

Niemand weiß, wie lange du morgens im Badezimmer stehst.

Wie sorgfältig du deinen Körper pflegst, weil du auf keinen Fall auch noch das Klischee vom ungepflegten dicken Menschen erfüllen willst.

Niemand weiß, dass Hautfalten wund werden können.

Dass Reibung schmerzen kann.

Dass du dich mehrfach kontrollierst, weil du Angst hast, jemand könnte behaupten, du würdest riechen.

Niemand weiß, wie schwierig es sein kann, Kleidung zu finden, die passt, die angenehm sitzt und in der du dich überhaupt vor die Tür traust.

Du verhüllst deinen Körper vielleicht nicht, weil du ihn selbst nicht sehen möchtest.
Du verhüllst ihn, weil du die Blicke der anderen kennst.

Und irgendwann lernst du zu lachen.

Du lernst Schlagfertigkeit.

Du lernst zu sagen:
"Ist mir doch egal."

An manchen Tagen stimmt das sogar.

An anderen Tagen gehst du nach Hause und möchtest nur noch weinen.
Aber du weinst nicht.

Denn wenn du jedes Mal weinen würdest, wenn jemand deinen Körper bewertet, wäre vielleicht kaum noch Zeit für etwas anderes.

Also funktionierst du.

Und abends sitzt du vor dem Fernseher.

Endlich Ruhe.
Endlich verlangt niemand etwas.

Das Kopfkarussell beginnt trotzdem.

Also greifst du nach etwas zu essen.

Vielleicht nach genau dem Geschmack, der schon vor Jahrzehnten bedeutete:

Jetzt wird alles für einen Moment gut.

Du isst.

Der Kopf wird ruhiger.
Der Körper entspannt sich vielleicht für einen Augenblick.

Und danach schämst du dich.

Wieder.

Dabei begann diese Geschichte vielleicht lange bevor du überhaupt entscheiden konntest, was du essen möchtest.

𝗩𝗶𝗲𝗹𝗹𝗲𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗶𝘀𝘁 𝗱𝗶𝗲 𝗙𝗿𝗮𝗴𝗲 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗶𝗺𝗺𝗲𝗿:
"𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗶𝘀𝘀𝘁 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗿 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵 𝘀𝗼 𝘃𝗶𝗲𝗹?"

𝗩𝗶𝗲𝗹𝗹𝗲𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗺ü𝘀𝘀𝘁𝗲 𝗺𝗮𝗻 𝗺𝗮𝗻𝗰𝗵𝗺𝗮𝗹 𝗳𝗿𝗮𝗴𝗲𝗻:
"𝗪𝗮𝘀 𝗵𝗮𝘁 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗿 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵 𝗲𝗿𝗹𝗲𝗯𝘁, 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗘𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗳ü𝗿 𝗶𝗵𝗻 𝘀𝗼 𝘃𝗶𝗲𝗹 𝗺𝗲𝗵𝗿 𝘄𝘂𝗿𝗱𝗲 𝗮𝗹𝘀 𝗡𝗮𝗵𝗿𝘂𝗻𝗴?"

Vielleicht war Essen einmal Liebe.

Vielleicht Trost.
Vielleicht Belohnung.
Vielleicht Betäubung.

Vielleicht bedeutete ein größerer Körper irgendwann Schutz.

Und vielleicht versucht ein erwachsener Mensch seit Jahrzehnten, etwas loszuwerden, von dem ein viel jüngerer Teil in ihm noch immer glaubt, dass es ihn am Leben hält.

Das bedeutet nicht, dass Übergewicht nicht gesundheitlich belastend sein kann.

Natürlich kann es das.

Gerade deshalb brauchen Betroffene medizinische Hilfe.

Aber Hilfe beginnt nicht dort, wo man einem Menschen etwas sagt, das er jeden Morgen im Spiegel sieht.

Hilfe beginnt dort, wo jemand bereit ist, die ganze Geschichte zu sehen.

Den Körper.
Die Schmerzen.
Das Essverhalten.
Die Psyche.
Das Nervensystem.

Die Lebensgeschichte.
Und den Menschen darin.

Denn hinter einem Körper, über den sich andere ungefragt ein Urteil erlauben, kann noch immer das Kind stehen, das verletzt wurde.

Das geschlagen wurde.
Das bedroht wurde.
Das missbraucht wurde.
Das eingeschüchtert wurde.
Das vernachlässigt wurde.

Und das vielleicht irgendwann etwas Süßes in die Hand gedrückt bekam, damit endlich Ruhe war.

Dieses Kind braucht keine weitere Beschämung.

Es hat genug davon erlebt.

Und vielleicht ist genau deshalb ein Satz wie:
"Friss halt weniger"

so unfassbar grausam.

Weil er Jahrzehnte von Schmerz auf einen Teller reduziert.

𝗗𝘂 𝘀𝗶𝗲𝗵𝘀𝘁 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗱𝗶𝗰𝗸𝗲𝗻 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿.

𝗔𝗯𝗲𝗿 𝗱𝘂 𝘄𝗲𝗶ß𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁, 𝘄𝗮𝘀 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗿 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿 𝗳ü𝗿 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗻 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗴𝗲𝘁𝗮𝗻 𝗵𝗮𝘁.

Vielleicht trägt er nicht einfach nur Gewicht.
Vielleicht trägt er eine Geschichte.

Und vielleicht hat er sehr lange versucht, einen Menschen zu beschützen, den damals niemand anderes beschützt hat.

"𝗪𝗲𝗻𝗻 𝗘𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗲𝗶𝗻𝘇𝗶𝗴𝗲 𝗭ä𝗿𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵𝗸𝗲𝗶𝘁 𝘄𝗮𝗿, 𝗱𝗶𝗲 𝗱𝘂 𝗯𝗲𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗵𝗮𝘀𝘁" von Melia Rosta

Übergewicht kann viele körperliche, psychische, soziale und medizinische Ursachen haben. Traumatische Erfahrungen sind nur eine mögliche Komponente. Bei manchen Betroffenen können Essen, Körpergewicht und Körperbild jedoch eng mit Trost, Stressregulation, erlernten Belohnungsmustern oder einem subjektiven Gefühl von Schutz verbunden sein. Deshalb ersetzt der pauschale Rat, einfach weniger zu essen, weder eine sorgfältige medizinische Untersuchung noch eine angemessene Behandlung.

"Vielleicht war Essen
nie nur Essen.

Vielleicht war es Trost,
als niemand dich tröstete.

Belohnung,
als niemand stolz auf dich war.

Beruhigung,
als niemand dich beruhigte.

Und vielleicht wurde dein Körper
irgendwann zu dem Schutz,
den dir als Kind
kein Mensch gegeben hat."

© Melia Rosta

📌𝗔𝗹𝗹𝗲 𝗺𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗧𝗲𝘅𝘁𝗲, 𝗕𝗶𝗹𝗱𝗲𝗿 𝘂𝗻𝗱 𝗩𝗶𝗱𝗲𝗼𝘀 𝘀𝗶𝗻𝗱 𝘂𝗿𝗵𝗲𝗯𝗲𝗿𝗿𝗲𝗰𝗵𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗴𝗲𝘀𝗰𝗵ü𝘁𝘇𝘁. 𝗞𝗼𝗽𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻, 𝘃𝗲𝗿ä𝗻𝗱𝗲𝗿𝗻 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝘄𝗲𝗶𝘁𝗲𝗿𝘃𝗲𝗿𝗯𝗿𝗲𝗶𝘁𝗲𝗻 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝘃𝗼𝗹𝗹𝘀𝘁ä𝗻𝗱𝗶𝗴𝗲 𝗤𝘂𝗲𝗹𝗹𝗲𝗻𝗮𝗻𝗴𝗮𝗯𝗲 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗲𝗿𝗹𝗮𝘂𝗯𝘁. 𝗠𝗲𝗹𝗶𝗮 𝗥𝗼𝘀𝘁𝗮 📌



🖼️ Bild: Erstellt mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI). Idee, Auswahl und künstlerische Gestaltung: © Melia Rosta

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14/09/2026

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𝗪𝗲𝗻𝗻 𝗔𝗯𝗻𝗲𝗵𝗺𝗲𝗻 𝗽𝗹ö𝘁𝘇𝗹𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗰𝗵𝗹𝗲𝗰𝗵𝘁𝗲 𝗟𝗮𝘂𝗻𝗲 𝗺𝗮𝗰𝗵𝘁

Du wolltest doch nur abnehmen.

Warum bist du plötzlich so gereizt?
Warum nervt dich alles?
Warum könntest du wegen einer Kleinigkeit explodieren?
Warum denkst du ständig ans Essen?

Und warum fühlt sich der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel manchmal an, als hätte man dir nicht einfach Schokolade, Chips oder die Pizza genommen, sondern etwas, das du dringend brauchst?

Vielleicht, weil Essen in deinem Leben niemals nur Nahrung war.

Und vielleicht beginnt genau hier einer der Teile des Abnehmens, über den erstaunlich wenig gesprochen wird:

𝗪𝗮𝘀 𝗽𝗮𝘀𝘀𝗶𝗲𝗿𝘁 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗣𝘀𝘆𝗰𝗵𝗲, 𝘄𝗲𝗻𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝗮𝗯𝗻𝗲𝗵𝗺𝗲𝗻?

Denn der Körper verliert möglicherweise Gewicht.

Aber die Psyche verliert unter Umständen etwas ganz anderes.

Eine Belohnung.
Eine Beruhigung.
Ein Ritual.
Eine Pause.

Trost.
Genuss.
Ablenkung.

Oder eine Möglichkeit, Gefühle für einen Moment leiser zu machen.

Das betrifft längst nicht jeden Menschen mit Übergewicht oder Adipositas.

Aber emotionales Essen ist keineswegs eine Erfindung.

Eine aktuelle Metaanalyse fand emotionales Essen bei einem erheblichen Anteil der untersuchten Menschen mit Übergewicht oder Adipositas. Andere Forschungsarbeiten zeigen, dass Essen bei manchen Menschen tatsächlich zur Regulation unangenehmer Gefühle eingesetzt wird. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov][3])

Vielleicht kennst du das.

Der Tag war beschissen.
Du kommst nach Hause.
Endlich Ruhe.
Du setzt dich hin.

Und dann kommt etwas zu essen.

Vielleicht Süßes.
Vielleicht etwas Herzhaftes.

Vielleicht genau das, worauf du dich schon den ganzen Tag gefreut hast.

Und plötzlich passiert etwas.

Für einen Moment ist da Genuss.
Ruhe.
Belohnung.

Vielleicht sogar Geborgenheit.

Das Problem ist nicht, dass du schwach bist.

Unser Gehirn lernt.

Wenn auf ein unangenehmes Gefühl wiederholt Essen folgt und es uns danach zumindest kurzfristig besser geht, kann eine Verbindung entstehen:

Stress → Essen → Erleichterung.
Traurigkeit → Essen → Erleichterung.
Wut → Essen → Erleichterung.
Einsamkeit → Essen → Erleichterung.

Irgendwann reicht möglicherweise schon das Gefühl, damit das Gehirn erwartet, was danach kommen soll.

Essen.

Forschungsarbeiten zum emotionalen Essen beschreiben genau solche Lern- und Belohnungsprozesse: Wenn Essen wiederholt negative Gefühle lindert, kann diese Erleichterung das Verhalten verstärken. Das Gehirn lernt gewissermaßen: Das hat geholfen. Mach das wieder. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov][4])

Und dann beschließt dieser Mensch abzunehmen.

Plötzlich soll das weg.

Nicht die Traurigkeit.
Nicht der Stress.
Nicht die Einsamkeit.
Nicht die Überforderung.
Nicht die Probleme.

Nur das Essen, mit dem er sie bisher reguliert hat.

𝗨𝗻𝗱 𝗱𝗮𝗻𝗻 𝘀𝗶𝘁𝘇𝘁 𝗱𝘂 𝗱𝗮 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗺𝘀𝗲𝗹𝗯𝗲𝗻 𝗟𝗲𝗯𝗲𝗻, 𝗱𝗲𝗻𝘀𝗲𝗹𝗯𝗲𝗻 𝗣𝗿𝗼𝗯𝗹𝗲𝗺𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗲𝗻𝘀𝗲𝗹𝗯𝗲𝗻 𝗚𝗲𝗳ü𝗵𝗹𝗲𝗻.

𝗡𝘂𝗿 𝗱𝗲𝗶𝗻 𝗮𝗹𝘁𝗲𝘀 𝗕𝗲𝗿𝘂𝗵𝗶𝗴𝘂𝗻𝗴𝘀𝗺𝗶𝘁𝘁𝗲𝗹 𝗳𝗲𝗵𝗹𝘁.

Vielleicht erklärt das einen Teil dieser Unruhe.

Aber es gibt noch eine zweite Ebene.

Hunger selbst kann die Stimmung beeinflussen.

Eine Studie begleitete Menschen drei Wochen lang im Alltag und fragte mehrmals täglich unter anderem nach Hunger, Ärger und Gereiztheit.

Das Ergebnis:

Je hungriger die Menschen waren, desto stärker berichteten sie über Ärger und Gereiztheit und desto geringer war ihr Wohlbefinden.

„Hangry“ ist also mehr als ein lustiges Wort aus dem Internet. ([journals.plos.org][5])

Das bedeutet natürlich nicht:

Hunger macht jeden Menschen aggressiv.

Und es entschuldigt auch keine Aggression gegenüber anderen.

Aber es bedeutet, dass Hunger unsere emotionale Lage tatsächlich beeinflussen kann.

Und beim Abnehmen kommt noch etwas hinzu.

Der Körper bleibt nicht einfach passiv, wenn wir ihm Gewicht nehmen.

Mit zunehmender Gewichtsabnahme kann der Appetit steigen. Gleichzeitig gibt es nach Gewichtsverlust biologische Anpassungen, die darauf ausgerichtet sind, den Energieverlust auszugleichen und eine erneute Gewichtszunahme zu begünstigen. ([niddk.nih.gov][2])

Der Mensch denkt:

Ich möchte weniger essen.

Und sein Körper kann gleichzeitig immer deutlicher signalisieren:

Ich möchte mehr.

Jetzt stell dir vor, dieser Mensch versucht den ganzen Tag, diese Signale zu kontrollieren.

Nicht essen.
Noch nicht.

Nein, das passt heute nicht mehr.
Nein, davon nur ein kleines Stück.
Nein, die Kalorien sind schon verbraucht.

Nein.
Nein.
Nein.

Essen steht plötzlich nicht weniger im Mittelpunkt des Lebens.

Es kann gedanklich sogar viel mehr Raum bekommen.

Und irgendwann sagt der Partner einen falschen Satz.

Das Kind nervt.
Jemand drängelt an der Kasse.
Etwas fällt herunter.

Und die Reaktion ist plötzlich viel heftiger, als die Situation eigentlich rechtfertigen würde.

Nicht zwangsläufig, weil dieser Mensch durch das Abnehmen „aggressiv geworden“ ist.

Vielleicht ist seine Belastungsgrenze gerade einfach niedriger.

Er ist hungrig.
Er kontrolliert sich permanent.
Er vermisst Gewohnheiten.
Er vermisst Belohnung.

Und möglicherweise fehlt ihm eine Strategie, mit der er jahrelang Stress reguliert hat.

𝗗𝗮𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝗸𝗲𝗶𝗻 𝗙𝗿𝗲𝗶𝗯𝗿𝗶𝗲𝗳 𝗳ü𝗿 𝗔𝗴𝗴𝗿𝗲𝘀𝘀𝗶𝗼𝗻.

𝗔𝗯𝗲𝗿 𝗲𝘀 𝗸𝗮𝗻𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗘𝗿𝗸𝗹ä𝗿𝘂𝗻𝗴 𝗱𝗮𝗳ü𝗿 𝘀𝗲𝗶𝗻, 𝘄𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗺𝗮𝗻𝗰𝗵𝗲 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝘄ä𝗵𝗿𝗲𝗻𝗱 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸𝗲𝗻 𝗘𝗿𝗻ä𝗵𝗿𝘂𝗻𝗴𝘀𝘂𝗺𝘀𝘁𝗲𝗹𝗹𝘂𝗻𝗴 𝗿𝗲𝗶𝘇𝗯𝗮𝗿𝗲𝗿 𝘀𝗶𝗻𝗱.

Und dann kommt die spannende Frage:

Ist Essen eine Sucht?

Darauf gibt es keine einfache Antwort.

Es gibt Menschen, deren Umgang mit insbesondere hochverarbeiteten, stark belohnenden Lebensmitteln Merkmale zeigt, die an Suchtverhalten erinnern.

Auch über „Food Addiction“ wird wissenschaftlich intensiv diskutiert.

Und es gibt erste Hinweise darauf, dass Menschen beim starken Reduzieren hochverarbeiteter Lebensmittel subjektiv Beschwerden erleben können, die sie als entzugsähnlich beschreiben.

Aber:

Die Forschung beim Menschen reicht derzeit nicht aus, um jede Gereiztheit, jedes Verlangen oder jede schlechte Stimmung beim Abnehmen als körperlichen Entzug zu bezeichnen. Ein großer Teil der bisherigen Erkenntnisse zu echten Entzugsvorgängen bei hochverarbeiteten Lebensmitteln stammt aus Tiermodellen; beim Menschen beruhen viele Daten bislang auf rückblickenden Selbstauskünften. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov][1])

𝗗𝗲𝘀𝗵𝗮𝗹𝗯 𝘄ä𝗿𝗲 𝗲𝘀 𝗳𝗮𝗹𝘀𝗰𝗵 𝘇𝘂 𝘀𝗮𝗴𝗲𝗻:

𝗪𝗲𝗿 𝗯𝗲𝗶𝗺 𝗔𝗯𝗻𝗲𝗵𝗺𝗲𝗻 𝗴𝗲𝗿𝗲𝗶𝘇𝘁 𝗶𝘀𝘁, 𝗵𝗮𝘁 𝗘𝗻𝘁𝘇𝘂𝗴𝘀𝗲𝗿𝘀𝗰𝗵𝗲𝗶𝗻𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻.

Es kann körperlicher Hunger sein.
Es kann psychisches Verlangen sein.
Es kann Gewohnheit sein.
Es kann der Verlust von Belohnung sein.
Es kann emotionales Essen sein.
Es kann Stress sein.

Und häufig dürften mehrere Dinge gleichzeitig zusammenspielen.

Vielleicht ist aber eine andere Frage noch viel wichtiger:

𝗪𝗮𝘀 𝗵𝗮𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗘𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗳ü𝗿 𝗱𝗶𝗰𝗵 𝗴𝗲𝘁𝗮𝗻, 𝗯𝗲𝘃𝗼𝗿 𝗱𝘂 𝗲𝘀 𝗱𝗶𝗿 𝘄𝗲𝗴𝗴𝗲𝗻𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗵𝗮𝘀𝘁?

Hat es dich beruhigt?

Getröstet?
Beschäftigt?
Belohnt?

Hat es einen Feierabend eingeläutet?

War es Gesellschaft, wenn du allein warst?
War es etwas Schönes an einem beschissenen Tag?

Hat es Wut heruntergeschluckt?
Hat es Gefühle gedämpft, für die du nie andere Möglichkeiten kennengelernt hast?

Dann besteht Abnehmen eben nicht nur darin, weniger Kalorien zu essen.

Dann muss die Psyche etwas Neues lernen.

Denn wenn du einem Menschen seine wichtigste Strategie zur Emotionsregulation nimmst, ohne ihm eine andere zu geben, verschwinden die Gefühle nicht.

Sie stehen plötzlich ohne Verpackung vor ihm.

Vielleicht ist da deshalb plötzlich Wut, wo vorher gegessen wurde.

Vielleicht kommt Traurigkeit hoch.
Vielleicht Unruhe.
Vielleicht Leere.

Vielleicht merkt jemand zum ersten Mal:

𝗜𝗰𝗵 𝗵𝗮𝗯𝗲 𝗴𝗮𝗿 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗻𝘂𝗿 𝗴𝗲𝗴𝗲𝘀𝘀𝗲𝗻, 𝘄𝗲𝗶𝗹 𝗶𝗰𝗵 𝗛𝘂𝗻𝗴𝗲𝗿 𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲.

𝗜𝗰𝗵 𝗵𝗮𝗯𝗲 𝗴𝗲𝗴𝗲𝘀𝘀𝗲𝗻, 𝘄𝗲𝗶𝗹 𝗶𝗰𝗵 𝗺𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗮𝗻𝗮𝗰𝗵 𝗳ü𝗿 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗠𝗼𝗺𝗲𝗻𝘁 𝗯𝗲𝘀𝘀𝗲𝗿 𝗴𝗲𝗳ü𝗵𝗹𝘁 𝗵𝗮𝗯𝗲.

Das ist keine Charakterschwäche.

Das ist gelerntes Verhalten.

Und gelerntes Verhalten kann sich verändern.

Aber dafür reicht es möglicherweise nicht, einen Ernährungsplan auszudrucken und Lebensmittel in „erlaubt“ und „verboten“ einzuteilen.

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit 47 Studien zeigt, dass psychologische Interventionen, die emotionales Essen gezielt berücksichtigen, dieses Verhalten reduzieren können. Dabei spielen unter anderem Selbstregulation, Werte und psychologische Flexibilität eine Rolle. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov][6])

Vielleicht müsste erfolgreiche Gewichtsabnahme deshalb viel häufiger zwei Fragen gleichzeitig beantworten:

Was soll ich zukünftig essen?

Und:

𝗪𝗮𝘀 𝘁𝘂𝗲 𝗶𝗰𝗵 𝘇𝘂𝗸ü𝗻𝗳𝘁𝗶𝗴 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗺 𝗚𝗲𝗳ü𝗵𝗹, 𝗱𝗮𝘀 𝗶𝗰𝗵 𝗯𝗶𝘀𝗵𝗲𝗿 𝗴𝗲𝗴𝗲𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗵𝗮𝗯𝗲?

Denn vielleicht fehlt diesem Menschen abends nicht die Schokolade.

Vielleicht fehlt ihm das Gefühl, das nach dem ersten Stück für einen kurzen Moment entstanden ist.

Und solange wir nur die Schokolade bekämpfen, haben wir möglicherweise noch gar nicht verstanden, worum es eigentlich geht.

"𝗪𝗲𝗻𝗻 𝗔𝗯𝗻𝗲𝗵𝗺𝗲𝗻 𝗽𝗹ö𝘁𝘇𝗹𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗰𝗵𝗹𝗲𝗰𝗵𝘁𝗲 𝗟𝗮𝘂𝗻𝗲 𝗺𝗮𝗰𝗵𝘁" von Melia Rosta

Hunger kann nachweislich mit stärkerer Gereiztheit und Ärger einhergehen. Gleichzeitig können beim Abnehmen biologische Gegenregulation, Gewohnheiten, Belohnungsprozesse und bei manchen Menschen der Verlust einer bisher wichtigen Strategie zur Emotionsregulation zusammentreffen. Von „Entzug“ sollte man dennoch nicht pauschal sprechen: Für entzugsähnliche Symptome nach dem Verzicht auf hochverarbeitete Lebensmittel gibt es beim Menschen erste Hinweise, die wissenschaftliche Beweislage ist jedoch noch nicht ausreichend, um sie mit einem klassischen Substanzentzug gleichzusetzen. ([journals.plos.org][5])

"Vielleicht bist du beim Abnehmen
nicht nur hungrig nach Essen.

Vielleicht fehlt dir plötzlich
etwas, das dich jahrelang
getröstet, beruhigt
oder belohnt hat.

Dann braucht nicht nur
dein Körper eine Veränderung.

Auch deine Psyche muss lernen,
wo sie zukünftig findet,
was sie bisher im Essen gesucht hat."

© Melia Rosta

📌𝗔𝗹𝗹𝗲 𝗺𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗧𝗲𝘅𝘁𝗲, 𝗕𝗶𝗹𝗱𝗲𝗿 𝘂𝗻𝗱 𝗩𝗶𝗱𝗲𝗼𝘀 𝘀𝗶𝗻𝗱 𝘂𝗿𝗵𝗲𝗯𝗲𝗿𝗿𝗲𝗰𝗵𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗴𝗲𝘀𝗰𝗵ü𝘁𝘇𝘁. 𝗞𝗼𝗽𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻, 𝘃𝗲𝗿ä𝗻𝗱𝗲𝗿𝗻 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝘄𝗲𝗶𝘁𝗲𝗿𝘃𝗲𝗿𝗯𝗿𝗲𝗶𝘁𝗲𝗻 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝘃𝗼𝗹𝗹𝘀𝘁ä𝗻𝗱𝗶𝗴𝗲 𝗤𝘂𝗲𝗹𝗹𝗲𝗻𝗮𝗻𝗴𝗮𝗯𝗲 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗲𝗿𝗹𝗮𝘂𝗯𝘁. 𝗠𝗲𝗹𝗶𝗮 𝗥𝗼𝘀𝘁𝗮 📌



🖼️ Bild: Erstellt mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI). Idee, Auswahl und künstlerische Gestaltung: © Melia Rosta

Quellen:

Die Untersuchung „Hangry in the field“ ist für deine Frage besonders interessant: 64 Menschen wurden 21 Tage lang fünfmal täglich befragt. Stärkerer Hunger war mit stärkerem Ärger und stärkerer Gereiztheit sowie geringerem Wohlbefinden verbunden. ([journals.plos.org][5])
[PLOS ONE – Hangry in the field](https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0269629&utm_source=chatgpt.com)

Diese aktuelle Übersichtsarbeit beschäftigt sich mit emotionalem Essen, Lernprozessen, Belohnung und Emotionsregulation. Besonders interessant ist die Erklärung, dass Erleichterung nach dem Essen das Verhalten verstärken und so die Erwartung entstehen kann, Essen werde unangenehme Gefühle lindern. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov][4])

Diese systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse untersuchte die Häufigkeit emotionalen Essens bei Menschen mit Übergewicht und Adipositas. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov][3])

Diese wissenschaftliche Übersichtsarbeit untersucht ausdrücklich die Frage, ob beim Reduzieren hochverarbeiteter Lebensmittel Entzugserscheinungen auftreten können. Für Tiere gibt es experimentelle Hinweise; beim Menschen sind die bisherigen Hinweise noch vorläufig und beruhen zu einem erheblichen Teil auf rückblickenden Berichten. Genau deshalb würde ich in deinem Beitrag nicht behaupten, schlechte Laune beim Abnehmen sei grundsätzlich „Entzug“. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov][1])

Das US-amerikanische National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases beschreibt außerdem die biologische Gegenregulation nach Gewichtsverlust: Mit sinkendem Gewicht kann der Appetit deutlich zunehmen, was die Aufrechterhaltung der Gewichtsabnahme erschwert. ([niddk.nih.gov][2])

Und genau diese Kombination finde ich für diesen Beitrag wichtig: Nicht alles psychologisieren und nicht alles zum körperlichen „Entzug“ erklären. Beim Abnehmen können echter Hunger, biologische Gegenregulation, Belohnung, Gewohnheit und psychische Emotionsregulation gleichzeitig aufeinandertreffen.

[1]: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9786266/ "https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9786266/"
[2]:https://www.niddk.nih.gov/-/media/Files/Strategic-Plans/2018FebDocWeb_508.pdf "https://www.niddk.nih.gov/-/media/Files/Strategic-Plans/2018FebDocWeb_508.pdf"
[3]: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11984340/ "https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11984340/"
[4]: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12479663/ "https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12479663/"
[5]: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0269629&utm_source=chatgpt.com "Hangry in the field: An experience sampling study on the impact of hunger on anger, irritability, and affect | PLOS One"
[6]: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11704659/ "https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11704659/"

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10/09/2026

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Schon viele Diäten ausprobiert – aber das Gewicht kommt immer wieder zurück?

Sie sind damit nicht allein!

Adipositas ist keine Frage von Willenskraft, sondern eine anerkannte chronische Ernährungs- und Stoffwechselerkrankung.
In Deutschland ist bereits nahezu jede zweite erwachsene Person übergewichtig, rund jeder vierte Erwachsene ist von Adipositas betroffen – mit weiterhin steigender Tendenz.
Die möglichen Folge- und Begleiterkrankungen können gravierend sein und sowohl die Lebensqualität, als auch die Lebenserwartung deutlich beeinträchtigen.

��Die gute Nachricht:
Es gibt heute moderne, wirksame und individuell angepasste Therapieoptionen – weit über „Diät und Bewegung“ hinaus.

��Kostenfreie Patienten-Infoveranstaltung Adipositas:
��Mittwoch, 16.09.2026
��16:00 Uhr
��Klinikum Forchheim – Konferenzsaal UG

Wir informieren Sie unverbindlich, verständlich und medizinisch fundiert über:
· aktuelle medizinische Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas
· konservative und operative Behandlungswege
· Voraussetzungen, Chancen und Grenzen der einzelnen Therapien
· Unterstützung auf dem Weg zu mehr Gesundheit und Lebensqualität

��Anmeldung:
Klinikum Forchheim – Sekretariat Allgemeinchirurgie/Adipositaszentrum
☎️09191 / 610-201
✉️allgemeinchi­[email protected]

Wir freuen uns auf Ihre interessierte Teilnahme!














Adipositas - sehr gut erklärt! 👌👍https://www.facebook.com/share/p/1By8WBEvs3/
03/09/2026

Adipositas - sehr gut erklärt! 👌👍

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𝗔𝗱𝗶𝗽𝗼𝘀𝗶𝘁𝗮𝘀 – 𝘄𝗲𝗻𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿 𝘀𝗲𝗶𝗻 𝗚𝗲𝘄𝗶𝗰𝗵𝘁 𝘃𝗲𝗿𝘁𝗲𝗶𝗱𝗶𝗴𝘁

„Dann iss doch einfach weniger.“

Kaum ein Satz zeigt deutlicher, wie wenig wir noch immer darüber wissen, was Adipositas eigentlich ist.

Denn Adipositas beginnt nicht auf dem Teller.

Und sie endet auch nicht dort.

Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet Adipositas inzwischen ausdrücklich als chronische, rückfallgefährdete Erkrankung. Sie entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel von genetischen und neurobiologischen Faktoren, Essverhalten, Umwelt, psychosozialen Einflüssen und weiteren möglichen Ursachen. Medikamente, Erkrankungen oder eingeschränkte Beweglichkeit können bei manchen Menschen ebenfalls eine Rolle spielen. ([who.int][1])

Natürlich gilt auch bei einem Menschen mit Adipositas die Physik.

Wer langfristig mehr Energie aufnimmt, als sein Körper verbraucht, speichert Energie.

Aber diese Feststellung erklärt ungefähr so viel über Adipositas wie der Satz:

„Ein Mensch ertrinkt, weil er keine Luft bekommt.“

Er ist richtig.

Aber er erklärt nicht, warum dieser Mensch überhaupt im Wasser liegt.

𝗗𝗶𝗲 𝗲𝗻𝘁𝘀𝗰𝗵𝗲𝗶𝗱𝗲𝗻𝗱𝗲 𝗙𝗿𝗮𝗴𝗲 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗻𝘂𝗿, 𝘄𝗶𝗲 𝘃𝗶𝗲𝗹 𝗲𝗶𝗻 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗰𝗵 𝗶𝘀𝘀𝘁.

𝗗𝗶𝗲 𝗙𝗿𝗮𝗴𝗲 𝗶𝘀𝘁 𝗮𝘂𝗰𝗵, 𝘄𝗮𝗿𝘂𝗺 𝘀𝗲𝗶𝗻 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿 𝗶𝗵𝗺 𝘀𝗮𝗴𝘁, 𝗲𝗿 𝘀𝗼𝗹𝗹 𝗲𝘀𝘀𝗲𝗻.

Unser Gehirn besitzt hochkomplexe Systeme, die Hunger, Sättigung, Belohnung und Energieverbrauch regulieren.

Der Hypothalamus verarbeitet Signale aus dem Körper. Dazu gehören Informationen aus dem Verdauungstrakt, aus dem Fettgewebe und anderen Organen. Gleichzeitig spielen Gehirnregionen eine Rolle, die mit Motivation und Belohnung verbunden sind. Essen ist deshalb nicht einfach eine Entscheidung, die irgendwo zwischen Kühlschrank und Mund getroffen wird. ([pubmed.ncbi.nlm.nih.gov][2])

Leptin beispielsweise wird hauptsächlich vom Fettgewebe gebildet und informiert das Gehirn über vorhandene Energiereserven.

Ghrelin fördert Hunger.

Weitere Hormone beeinflussen Sättigung, Verdauung und Nahrungsaufnahme.

Und dieses System kann sich verändern.

Bei Adipositas können unter anderem Störungen der Leptin- und Insulinsignalwege sowie Veränderungen in den neuronalen Regelkreisen auftreten, die an der Regulation von Nahrungsaufnahme und Energiehaushalt beteiligt sind. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov][3])

Das bedeutet nicht:

„Mein Gehirn zwingt mich, dick zu sein.“

So einfach wäre auch das wieder nicht.

Es bedeutet:

𝗗𝗲𝗿 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿 𝗿𝗲𝗴𝘂𝗹𝗶𝗲𝗿𝘁 𝘀𝗲𝗶𝗻 𝗚𝗲𝘄𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗺𝗶𝘁 𝗪𝗶𝗹𝗹𝗲𝗻𝘀𝗸𝗿𝗮𝗳𝘁.

Er reguliert es biologisch.

Und dann kommt das Nervensystem hinzu.

Stress verändert unseren Körper.

Akuter Stress kann den Appetit sogar unterdrücken. Chronischer Stress dagegen kann bei manchen Menschen das Essverhalten in die andere Richtung verändern. Stresssysteme wie die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, das autonome Nervensystem und das Immunsystem stehen miteinander in Verbindung. Cortisol kann dabei Stoffwechsel, Fettgewebe, Appetit und die Vorliebe für energiereiche Nahrung beeinflussen. Die Zusammenhänge sind allerdings individuell und keineswegs bei jedem Menschen mit Adipositas gleich. ([pubmed.ncbi.nlm.nih.gov][4])

Das ist wichtig.

Denn nicht jeder dicke Mensch hat ein Trauma.

Nicht jeder Mensch mit Adipositas isst aus emotionalen Gründen.
Nicht jeder hat dieselben hormonellen Veränderungen.

Und nicht jeder Körper reagiert auf Stress gleich.

Aber bei manchen Menschen treffen mehrere Faktoren aufeinander.

Genetische Veranlagung.

Kindheit.
Stress.
Schlafmangel.
Medikamente.
Erkrankungen.
Psychische Belastungen.
Schmerzen.

Bewegungseinschränkungen.

Eine Umgebung, in der hochkalorische Nahrung ständig verfügbar ist.

Erlernte Verhaltensweisen.

Belohnung.
Trost.

Und manchmal Erfahrungen, durch die Essen irgendwann viel mehr geworden ist als Nahrung.

Dann entwickelt sich über Jahre etwas, das Außenstehende am Ende nur noch als Körper sehen.

Und anschließend kommt der berühmte Satz:

„Du musst einfach abnehmen.“

Als hätte dieser Mensch daran noch nie gedacht.
Als hätte er es noch nie versucht.

Viele Menschen mit Adipositas können durchaus Gewicht verlieren.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

𝗗𝗮𝘀 𝗴𝗿𝗼ß𝗲 𝗣𝗿𝗼𝗯𝗹𝗲𝗺 𝗶𝘀𝘁 𝗼𝗳𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗔𝗯𝗻𝗲𝗵𝗺𝗲𝗻.

𝗘𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗗𝗮𝘂𝗲𝗿𝗵𝗮𝗳𝘁-𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗻𝗸𝗲𝗿-𝗕𝗹𝗲𝗶𝗯𝗲𝗻.

Und hier wird es besonders interessant.

Denn nach einer Gewichtsabnahme passiert im Körper nicht einfach:

„Prima, jetzt sind wir dünner.“

Der Körper reagiert auf den Verlust.

In einer viel beachteten Studie verloren Menschen mit Übergewicht oder Adipositas durchschnittlich 13,5 Kilogramm. Danach hatten sich zahlreiche Hormone verändert, die Hunger und Sättigung regulieren.

Leptin sank.
Ghrelin stieg.

Der subjektiv empfundene Hunger nahm zu.

Und selbst ein Jahr nach der Gewichtsabnahme waren mehrere dieser Veränderungen noch nachweisbar. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die biologischen Mechanismen, die eine erneute Gewichtszunahme begünstigen, langfristig bestehen können. ([nejm.org][5])

Gleichzeitig kann nach einer Gewichtsabnahme der Energieverbrauch stärker sinken, als allein aufgrund des kleineren Körpers zu erwarten wäre.

Der Körper wird sparsamer.
Der Mensch benötigt weniger Energie.

Während gleichzeitig der Hunger stärker werden kann.

Lies diesen Satz noch einmal:

𝗗𝘂 𝗸𝗮𝗻𝗻𝘀𝘁 𝗻𝗮𝗰𝗵 𝗱𝗲𝗺 𝗔𝗯𝗻𝗲𝗵𝗺𝗲𝗻 𝗵𝘂𝗻𝗴𝗿𝗶𝗴𝗲𝗿 𝘀𝗲𝗶𝗻, 𝘄ä𝗵𝗿𝗲𝗻𝗱 𝗱𝗲𝗶𝗻 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿 𝗴𝗹𝗲𝗶𝗰𝗵𝘇𝗲𝗶𝘁𝗶𝗴 𝘄𝗲𝗻𝗶𝗴𝗲𝗿 𝗘𝗻𝗲𝗿𝗴𝗶𝗲 𝘃𝗲𝗿𝗯𝗿𝗮𝘂𝗰𝗵𝘁. ([nejm.org][5])

Und jetzt stelle dir diesen Kampf nicht für drei Wochen vor.

Nicht für drei Monate.

Sondern möglicherweise über Jahre.

Du hast abgenommen.

Du hast „es geschafft“.

Alle gratulieren.

Aber dein Körper weiß nichts von irgendeinem Vorher-Nachher-Foto.

Er reagiert auf den Verlust seiner Energiereserven.
Er sendet Hunger.
Er verändert Sättigungssignale.
Er reduziert seinen Energieverbrauch.

Und du sollst dagegen jeden einzelnen Tag Entscheidungen treffen.

Beim Frühstück.
Beim Einkaufen.
Beim Kochen.
Beim Fernsehen.
Beim Restaurantbesuch.
Beim Geburtstag.
Beim schlechten Tag.
Beim guten Tag.
Beim Stress.
Beim Schmerz.
Beim Geruch von Essen.

Und abends, wenn niemand zusieht.

Dann nimmt ein Mensch wieder zu.

Und die Gesellschaft sagt:
„Siehst du. Keine Disziplin.“

Nein.

So einfach ist es nicht.

Das bedeutet auch nicht, dass Gewichtsabnahme unmöglich wäre.

Menschen können langfristig Gewicht reduzieren. Moderne Adipositastherapie umfasst deshalb je nach individueller Situation Ernährung, Bewegung, Verhaltensmaßnahmen, psychosoziale Unterstützung sowie gegebenenfalls Medikamente oder bariatrische beziehungsweise metabolische Operationen. Gerade weil Adipositas chronisch und rückfallgefährdet sein kann, wird zunehmend eine langfristige Behandlung statt einer kurzfristigen „Diät“ gefordert. ([who.int][6])

Und genau deshalb sollten wir endlich aufhören, Gewichtszunahme und Gewichtswiederanstieg automatisch als moralisches Versagen zu betrachten.

Denn während wir einem Menschen sagen:

„Iss weniger“,

kämpft dieser Mensch möglicherweise gegen biologische Systeme, deren evolutionäre Aufgabe es seit Jahrtausenden war, eines zu verhindern:

zu verhungern.

Der Körper kennt schließlich kein Schönheitsideal.

Er kennt keine Kleidergröße.
Er kennt keinen Bikini.

Er kennt keine Zahl, die irgendein Arzt irgendwann als Normalgewicht bezeichnet hat.

Er versucht, Energiehaushalt und Überleben zu regulieren.

Und während dieser Kampf im Inneren stattfindet, trägt der Mensch irgendwann auch die körperlichen Folgen.

Adipositas erhöht unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Arthrose, Schlafapnoe und verschiedene Krebserkrankungen. Mit zunehmendem Ausmaß steigt für viele Erkrankungen das Risiko. ([who.int][7])

Und damit beginnt möglicherweise der nächste Kreislauf.

Mehr Gewicht kann Bewegung erschweren.

Gelenke können schmerzen.
Schmerzen können Bewegung reduzieren.
Schlechter Schlaf kann den Alltag zusätzlich belasten.
Krankheiten können entstehen.

Und gleichzeitig begegnet der betroffene Mensch einer Gesellschaft, die aus einer chronischen Erkrankung immer wieder eine Charakterfrage macht.

Faul.
Disziplinlos.
Willensschwach.

Selbst schuld.

Dabei wäre vielleicht eine ganz andere Frage angebracht:

𝗪𝗮𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝗶𝗻 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗺 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿 𝗽𝗮𝘀𝘀𝗶𝗲𝗿𝘁?

Und nicht:

Was stimmt mit diesem Menschen nicht?

Vielleicht erklärt genau das auch, warum so viele Menschen immer wieder abnehmen.

Zehn Kilo.
Zwanzig.
Vierzig.

Manchmal noch viel mehr.

Und irgendwann kommt ein Teil davon zurück.

Manchmal alles.

Das ist nicht zwangsläufig der Beweis dafür, dass die Behandlung „gescheitert“ ist.

Es zeigt vielmehr, warum eine chronische Erkrankung auch eine langfristige Behandlung benötigen kann.

Wir würden einem Menschen mit Bluthochdruck schließlich auch nicht sagen:

„Deine Tabletten haben funktioniert. Dein Blutdruck ist jetzt gut. Also kannst du die Behandlung beenden und musst nur genügend Willenskraft haben.“

Bei Adipositas erwarten wir jedoch noch immer erstaunlich häufig genau dieses Prinzip.

Abnehmen.
Normalgewicht erreichen.
Fertig.

Aber der Körper ist nicht fertig.
Das Gehirn ist nicht fertig.

Die hormonelle Regulation ist nicht zwangsläufig wieder dort, wo sie vorher war.

Das Nervensystem ist nicht automatisch verändert.

Psychische, soziale oder medizinische Ursachen sind nicht automatisch verschwunden.

Und das Leben, in dem diese Erkrankung entstanden ist, ist möglicherweise ebenfalls noch dasselbe.

Deshalb finden viele Menschen nach manifest gewordener Adipositas nicht dauerhaft zu einem sogenannten Normalgewicht zurück.

Nicht, weil Veränderung unmöglich wäre.
Nicht, weil jeder Körper ein bestimmtes Gewicht zwangsläufig „verteidigt“.

Und ganz sicher nicht, weil es ohnehin keinen Sinn hätte, etwas zu versuchen.

Sondern weil wir inzwischen wissen:

𝗔𝗱𝗶𝗽𝗼𝘀𝗶𝘁𝗮𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝘄𝗲𝗶𝘁 𝗺𝗲𝗵𝗿 𝗮𝗹𝘀 𝘇𝘂 𝘃𝗶𝗲𝗹 𝗘𝘀𝘀𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝘇𝘂 𝘄𝗲𝗻𝗶𝗴 𝗕𝗲𝘄𝗲𝗴𝘂𝗻𝗴.

Sie ist eine komplexe chronische Erkrankung, bei der Gehirn, Hormone, Stoffwechsel, Gene, Umwelt, Verhalten und bei manchen Menschen auch Stresssysteme ineinandergreifen. ([who.int][1])

Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, Menschen mit Adipositas ständig zu erklären, wie einfach Abnehmen funktioniert.

Viele von ihnen wissen besser als jeder andere, wie man abnimmt.

Sie haben es schließlich schon oft genug getan.

Was viele nicht schaffen, ist etwas vollkommen anderes:

𝗘𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿, 𝗱𝗲𝗿 𝗺𝗶𝘁 𝗛𝘂𝗻𝗴𝗲𝗿, 𝗛𝗼𝗿𝗺𝗼𝗻𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝘃𝗲𝗿ä𝗻𝗱𝗲𝗿𝘁𝗲𝗺 𝗘𝗻𝗲𝗿𝗴𝗶𝗲𝘃𝗲𝗿𝗯𝗿𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗴𝗲𝗴𝗲𝗻 𝗱𝗲𝗻 𝗚𝗲𝘄𝗶𝗰𝗵𝘁𝘀𝘃𝗲𝗿𝗹𝘂𝘀𝘁 𝗮𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝗲𝘁, 𝗷𝗲𝗱𝗲𝗻 𝗲𝗶𝗻𝘇𝗲𝗹𝗻𝗲𝗻 𝗧𝗮𝗴 𝘇𝘂 ü𝗯𝗲𝗿𝘀𝘁𝗶𝗺𝗺𝗲𝗻.

Und vielleicht wäre es an der Zeit, darin nicht mangelnde Disziplin zu sehen.

Sondern Biologie.

"𝗔𝗱𝗶𝗽𝗼𝘀𝗶𝘁𝗮𝘀 – 𝘄𝗲𝗻𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗞ö𝗿𝗽𝗲𝗿 𝘀𝗲𝗶𝗻 𝗚𝗲𝘄𝗶𝗰𝗵𝘁 𝘃𝗲𝗿𝘁𝗲𝗶𝗱𝗶𝗴𝘁" von Melia Rosta

🎲

Adipositas ist eine chronische, komplexe und rückfallgefährdete Erkrankung. Eine Gewichtsabnahme kann gesundheitlich sehr wertvoll sein, doch der Körper reagiert darauf mit biologischen Anpassungen, die eine langfristige Gewichtsstabilisierung erschweren können. Deshalb gehört Adipositas medizinisch behandelt und nicht moralisch bewertet. ([who.int][1])

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"Vielleicht ist die wichtigste Frage
bei einem Menschen mit Adipositas
nicht:

Warum lässt du dich so gehen?

Sondern:

Was hat dein Körper gelernt,
was dein Überleben
so sehr mit diesem Gewicht
verbunden hat?"

© Melia Rosta

📌𝗔𝗹𝗹𝗲 𝗺𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗧𝗲𝘅𝘁𝗲, 𝗕𝗶𝗹𝗱𝗲𝗿 𝘂𝗻𝗱 𝗩𝗶𝗱𝗲𝗼𝘀 𝘀𝗶𝗻𝗱 𝘂𝗿𝗵𝗲𝗯𝗲𝗿𝗿𝗲𝗰𝗵𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗴𝗲𝘀𝗰𝗵ü𝘁𝘇𝘁. 𝗞𝗼𝗽𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻, 𝘃𝗲𝗿ä𝗻𝗱𝗲𝗿𝗻 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝘄𝗲𝗶𝘁𝗲𝗿𝘃𝗲𝗿𝗯𝗿𝗲𝗶𝘁𝗲𝗻 𝗼𝗵𝗻𝗲 𝘃𝗼𝗹𝗹𝘀𝘁ä𝗻𝗱𝗶𝗴𝗲 𝗤𝘂𝗲𝗹𝗹𝗲𝗻𝗮𝗻𝗴𝗮𝗯𝗲 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗲𝗿𝗹𝗮𝘂𝗯𝘁. 𝗠𝗲𝗹𝗶𝗮 𝗥𝗼𝘀𝘁𝗮 📌



Quellen:

[WHO: Adipositas und Übergewicht – Grundlagen, Ursachen und Folgen](https://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight?utm_source=chatgpt.com)
[PubMed: Langfristige hormonelle Anpassungen nach Gewichtsverlust](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22029981/?utm_source=chatgpt.com)

[PubMed: Stresssystem, Cortisol und Adipositas](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39623561/?utm_source=chatgpt.com)

[1]: https://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight?utm_source=chatgpt.com "Obesity and overweight"
[2]: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19026933/ "https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19026933/"
[3]: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/5483000/ "https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/5483000/"
[4]: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39623561/?utm_source=chatgpt.com "Glucocorticoids and HPA axis regulation in the stress-obesity connection: A comprehensive overview of biological, physiological and behavioural dimensions - PubMed"
[5]: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1105816?utm_source=chatgpt.com "Long-Term Persistence of Hormonal Adaptations to Weight ..."
[6]: https://www.who.int/europe/news/item/01-04-2025-make-obesity-prevention-and-management-a-central-pillar-of-public-health-experts-urge?utm_source=chatgpt.com "Make obesity prevention and management a central pillar of public health, experts urge"
[7]: https://www.who.int/news-room/questions-and-answers/item/obesity-health-consequences-of-being-overweight?utm_source=chatgpt.com "Obesity: Health consequences of being overweight"

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Forchheim
91301

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