12/01/2026
Die „Filderstädter des Jahres – Stille Helden 2026“
Unsere diesjährigen Preisträger sind Klaus Andelfinger, Anika Föhl und Gerd Zimmermann.
Wir konnten unsere Preisträger am Sonntag, 11. Januar 2026 im Rahmen des Neujahrsempfangs der Stadt Filderstadt in der Filharmonie Filderstadt ehren und der Öffentlichkeit vorstellen. Die Bürgerstiftung gratuliert sehr herzlich für das herausragende, ehrenamtliche Engagement in Filderstadt!
Aus der Laudatio:
𝗞𝗹𝗮𝘂𝘀 𝗔𝗻𝗱𝗲𝗹𝗳𝗶𝗻𝗴𝗲𝗿
Seit Jahrzehnten prägt Klaus Andelfinger die kirchenmusikalische Landschaft in Filderstadt und darüber hinaus. Als Organisator des Orgelsommers hat er eine Konzertreihe aufgebaut, die sich von ihren Anfängen in den 1990er-Jahren zu einem festen kulturellen Höhepunkt entwickelt hat. Was einst in der St.-Stephanus-Kirche klein begann, ist heute eine mehrwöchige Reihe mit verschiedenen Spielorten in mehreren Stadtteilen. Dabei wird der Orgelsommer weit über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen und ist im kulturellen Kalender Filderstadts eine feste Größe, die das kulturelle Leben unserer Stadt bereichert.
Klaus Andelfinger gelingt es Künstlerinnen und Künstler mit Kirchengemeinden über Konfessionsgrenzen hinweg zu verbinden. Er bringt die Musikerinnen und Musiker mit der regionalen Kulturszene zusammen und schafft so Räume für Begegnung durch Musik. Sein Anspruch ist dabei immer derselbe: Musik soll zugänglich sein, unabhängig von Alter, Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten.
Ein besonderes Anliegen ist ihm die Förderung junger Musikerinnen und Musiker. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur musikalischen Nachwuchsarbeit und sorgt dafür, dass kulturelle Vielfalt nicht nur erhalten, sondern weitergetragen wird.
Und dann gibt es Momente, in denen seine Kreativität besonders akzentuiert zum Vorschein kommt: Wenn die Orgel kurz vor einem Konzert streikt, ruft Klaus Andelfinger natürlich den Service des Herstellers zuerst an, verzweifelt aber nicht, wenn er ihn nicht erreicht – nein, er kennt jemanden, der sonst S-Bahn-Züge repariert und wieder flottmacht. Seine Überlegung: Wer große Züge reparieren kann, bekommt auch große Orgeln wieder flott. Kurios? Absolut. Funktioniert? Tadellos.
Für die Musikszene ist er längst ein stiller Held – wir meinen für uns alle!
𝗔𝗻𝗶𝗸𝗮 𝗙𝗼̈𝗵𝗹
Während viele gute Vorsätze mit dem Jahreswechsel schnell wieder verblassen, hat Anika Föhl ihren Neujahrsvorsatz für 2024 konsequent umgesetzt: Sie wollte sich ehrenamtlich engagieren – und hat es einfach getan. Als Anfang des Jahres Ehrenamtliche für das Projekt „Besuch mit Buch“ gesucht wurden, meldete sie sich als eine der Ersten. Ohne lange zu überlegen übernahm sie eine Aufgabe, die alles andere als leicht ist: den regelmäßigen Besuch von zwei bettlägerigen, an Demenz erkrankten Frauen im Pflegeheim St. Vinzenz.
Woche für Woche kommt Anika Föhl nun ins Pflegeheim, bringt Bücher mit, liest vor, hört zu und schenkt damit Abwechslung und Nähe. Gerade bei Menschen, deren Erinnerungen brüchig geworden sind und die sich nicht mehr selbstverständlich mitteilen können, ist das von unschätzbarem Wert. Vorlesen bedeutet hier nicht nur Textvermittlung, sondern sozialen Kontakt und Beziehung.
Dass Anika Föhl diese Verantwortung ernst nimmt, zeigte sich auch als sie für ein Auslandssemester nicht vor Ort sein konnte und sich selbst um eine Vertretung kümmerte. Nach ihrer Rückkehr hat sie das Engagement nahtlos wieder aufgenommen und mit großer Verlässlichkeit den Kontakt weiter vertieft.
Ihr Antrieb ist dabei ebenso klar wie überzeugend: etwas zurückzugeben, Verantwortung zu übernehmen und Menschen Aufmerksamkeit zu schenken, die nicht mehr selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Ein Vorbild dafür ist ihr die eigene Mutter. Und vielleicht erklärt das auch ihr eigenes schönes Bild für ihr Engagement: „Mit einem Buch ist man nie allein, wenn man auf fremde Personen zugeht.“
Das Engagement von Anika Föhl zeigt, dass Verantwortung nicht an ein Alter gebunden ist – sondern an Haltung und die Bereitschaft, Zeit zu schenken. Dafür danken wir ihr sehr.
𝗚𝗲𝗿𝗱 𝗭𝗶𝗺𝗺𝗲𝗿𝗺𝗮𝗻𝗻
Wenn man Gerd Zimmermann beschreiben möchte, dann vielleicht so: Er ist jemand, der Funktionsuntüchtiges nicht mag und Spaß daran hat „Dinge in Ordnung zu bringen“. Meist beginnt das nach einem freundlichen „Hallo“ mit einer Frage, die bei ihm ziemlich früh fällt:
„Was funktioniert denn eigentlich nicht?“
Diese Frage stellt sich ganz praktisch im Reparaturcafé in Bonlanden, in dem er seit 6 Jahren mit anderen Mitstreiterinnen und Mitstreitern an ca. 7 Terminen jährlich aktiv ist. Ein Gerät, das nicht mehr läuft, ist für Gerd Zimmermann weder ein Ärgernis noch ein Fall für den Müll, sondern eine Einladung zur Fehlersuche. Oft reicht ein genauer Blick sowie technisches Know-how - und am Ende läuft erstaunlich viel wieder – sehr zur Freude der Besucherinnen und Besucher.
Auch bei „Rat und Tat“, der kleinen Hilfe im Alltag, ist Gerd Zimmermann als Freiwilliger aktiv. Menschen die Hilfe brauchen melden sich mit technischen oder organisatorischen Fragen bei einer städtischen Anlaufstelle – und solche Anfragen finden dann schnell den Weg zu Gerd Zimmermann.
Digitale ehrenamtliche Unterstützung bietet Gerd Zimmermann regelmäßig auch im Internet-Café in der Alten Mühle in Bonlanden an. Dort erklärt er Smartphone, Tablet und Laptop so lange, bis sie wieder das tun, was sie sollen – und die Nutzerinnen und Nutzer zumindest eine Ahnung haben, warum.
Dieses Prinzip – hinschauen, ordnen, erklären – setzt sich auch im digitalen Raum fort. Als Co-Administrator der Facebook-Gruppe „Treffpunkt Filder“ mit über 13.000 Mitgliedern sorgt Gerd Zimmermann mit Gelassenheit und Konsequenz für Ordnung – und dafür, dass der Umgangston sachlich bleibt oder manchmal auch wieder wird.
Mit seinem vielfältigen Engagement ist Gerd Zimmermann seit vielen Jahren eine hilfsbereite, verlässliche Stütze für viele Menschen in Filderstadt. Genau dafür zeichnen wir ihn heute aus.
Unser Dank geht an alle, die sich an unserer Ausschreibung beteiligt haben sowie an unsere Unterstützer, nämlich die Stadt Filderstadt, OB Christoph Traub , die Volksbank Filder, Alber bad&heizung sowie Alber Design.
Im Gruppenbild der Preisträger von links nach rechts: OB Christoph Traub, Gerd Zimmermann, Anika Föhl, Klaus Andelfinger, Wolfgang Herb (Bürgerstiftung)