02/06/2026
Ich war mal wieder im Urlaub und überraschenderweise erstmalig in den Bergen – im wunderschönen Südtirol. Jetzt muss man wissen: ich bin nicht höhenfest. So gar nicht. Die Fahrt über den Fernpass war mir schon aufregend genug. Aber: man muss sich seinen Ängsten stellen habe ich gehört, also auf zur Wanderung. Abfahrt beim Hotel auf 900m Höhe zum Wanderparkplatz auf 1500m (leichter Schneefall) und dann zu Fuß weiter bis ca. 2300m. „Leichte Tour“, „familienfreundlich“, hieß es – wird schon gehen. Wir gehen zum Latzfonser Kreuz, eine der höchsten Pilgerstätten Europas.
Wir laufen also los, der Weg ist breit, rundum Wiesen – ich finde es viel zu steil, um dort irgendwas zu machen: der Bauer offensichtlich nicht, denn die Wiesen sind gemäht. Weiter geht’s, der Weg wird schmaler und vor allem: steiler. Ich schaue maximal einen Meter vor mich und muss auf meinen extra angeschafften Stöcken gestützt die innere Panik wegatmen. Der Weg ist immer noch breit. Für „normale“ Leute kein Grund überhaupt darüber nachzudenken. Für mich (fast!) zu steil zum Weitergehen. Umdrehen und zurückgehen würde bedeuten, auch nach unten gucken zu müssen: noch schlimmer. Ich rede mir selbst ein, dass es eine Familientour ist. Dass andere Leute mit ihren kleinen Kindern und Hunden da hoch gehen. Dass irgendjemand ja auch Cola und Fanta zur Hütte dort bringt. Also weiter. Irgendwann bin ich tatsächlich oben. Ich feiere mich, dass ich an einem Ort jenseits der Baumgrenze bin und mein Mann so: „Guck, da ist doch noch ein Baum.“
Oben ist es brutal kalt, aber wir genießen trotzdem die mitgebrachte Brotzeit, während ich schon darüber nachdenke, wie ich wieder runterkomme. Aber dann schaltet mein Kopf um. Ich gehe den Berg runter wie „normale“ Leute. Unglaublich, ich kann sogar in die Ferne gucken.
Manchmal muss man sich seinen Herausforderungen stellen, um zu wachsen und vielleicht weil Gott zwischendurch sagt „siehst du, du kannst das doch. Mach dir nicht immer zu viele Sorgen“.
Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!« (Josua 1,9).
Nadine Ortmann, Grafikerin in unserer Unit Relations