04/06/2026
Wildunfall
Heute eine nicht so schöne, aber sehr ernste und wichtige Sache.
Gestern Abend – am Mittwochabend – ereignete sich ein Wildunfall, der uns noch einmal deutlich vor Augen führt, wie schnell solche Situationen passieren können – und wie wichtig das richtige Handeln danach ist. Eine Ricke wurde dabei von einem Fahrzeug erfasst. Der Unfall war für den Autofahrer nicht vermeidbar – die Situation entstand dadurch, dass das Tier plötzlich aus dem Außengraben direkt auf die Fahrbahn sprang.
Wichtig ist in solchen Situationen vor allem das Verhalten nach dem Unfall. Und genau hier wurde richtig gehandelt: Der Fahrer blieb stehen und verständigte umgehend die Polizei sowie den zuständigen Jagdpächter. Dadurch waren alle notwendigen Stellen informiert. Der zuständige Jäger war zeitnah vor Ort und konnte feststellen, dass es sich um eine Ricke mit deutlich ausgeprägtem Gesäuge handelt. Damit war zunächst klar, dass sich mindestens ein Kitz in der Umgebung befindet und dieses lokalisiert werden musste. Das Muttertier verstarb an der Unfallstelle.
Wir wurden anschließend informiert und rückten noch am selben Mittwochabend aus, um die Umgebung mit der Drohne abzusuchen. Dabei konnten insgesamt fünf Kitze im weiteren Umfeld festgestellt werden. Zwei davon befanden sich in einem Feld in unmittelbarer Nähe zum Unfallort, sodass der Verdacht nahelag, dass diese Kitze zu der verunglückten Ricke gehören. Die drei weiteren Kitze konnten im weiteren Verlauf anderen Ricken zugeordnet werden. Da dies am Abend noch nicht eindeutig zu bestätigen war, wurde der zuständige Jagdpächter informiert, der die Situation über Nacht weiter im Blick behielt.
Am frühen Morgen des darauffolgenden Tages erfolgte eine erneute Absuche mit der Drohne. Dabei konnte bestätigt werden, dass zwei der Kitze eindeutig zu der verunglückten Ricke gehören. Ein weiteres Kitz konnte einer anderen Ricke zugeordnet werden, die sich in der Nähe aufhielt. Durch das Zusammenspiel von Jägerschaft und Kitzrettung konnten die beiden zugehörigen Kitze gesichert werden und zur Aufzucht an den Verein Drohnen Gegen Mähtod EV übergeben werden, mit dem wir eng zusammenarbeiten.
Dieser Einsatz zeigt einmal mehr: Wildunfälle können jeden treffen. Entscheidend ist nicht nur der Unfall selbst, sondern der richtige Umgang danach. Anhalten, sichern, Polizei und zuständige Jagdverantwortliche informieren – genau dieses Verhalten ist im Ernstfall entscheidend, insbesondere wenn Jungtiere betroffen sein könnten. Wir möchten ausdrücklich niemanden an den Pranger stellen. Im Gegenteil: Hier wurde korrekt und verantwortungsvoll gehandelt. Gleichzeitig ist es uns wichtig, für genau solche Situationen zu sensibilisieren, damit im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist. Unsere Arbeit beschränkt sich nicht nur auf die Kitzsuche vor der Mahd, sondern umfasst auch das Mitwirken in genau solchen Situationen, in denen schnelles und koordiniertes Handeln entscheidend ist.