22/08/2026
AUF EIN WORT – Bunte Hunde, Gentests und die Frage nach verantwortungsvoller Zucht
In den sozialen Medien begegnet uns derzeit immer häufiger Werbung für die vermeintlich „andere“, „modernere“ oder „gesündere“ Deutsche Dogge. Möglichst viele Farben, amerikanische Linien, eine lange Liste von Gentests – und dazu nicht selten die Botschaft, die organisierte Rassehundezucht sei überholt oder sogar Teil des Problems. Wir möchte deshalb einmal grundsätzlich erklären, warum wir das anders sehen. Eine Ahnentafel ist nicht nur ein Stück Papier und schon gar kein schmückendes Beiwerk für einen Rassehund. Eine seriös geführte Ahnentafel dokumentiert Abstammung über Generationen. Sie ermöglicht es, Linien nachzuvollziehen, Verwandtschaftsgrade zu berücksichtigen und gesundheitliche Entwicklungen innerhalb einer Population zu beobachten. Genau diese Informationen brauchen wir, wenn wir nicht nur den einzelnen Wurf, sondern die Zukunft einer Rasse im Blick haben wollen.
Zucht bedeutet Population – nicht nur Verpaarung.
Wer Hunde züchtet, trägt Verantwortung für mehr als zwei Elterntiere und deren nächsten Wurf. Er arbeitet mit einem Genpool, mit bekannten und unbekannten Erbanlagen und mit Entscheidungen, deren Folgen möglicherweise erst Generationen später sichtbar werden. Genau deshalb halten wir die Zucht innerhalb einer organisierten Züchtergemeinschaft für so wichtig. Ein Zuchtverband ist sicherlich nicht unfehlbar. Regeln können und müssen diskutiert, wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt und Zuchtprogramme weiterentwickelt werden. Aber organisierte Zucht bedeutet auch: Zuchtordnungen, dokumentierte Abstammung, definierte Zuchtvoraussetzungen, Gesundheitsuntersuchungen, Zuchtzulassungen, Wurfkontrollen und nachvollziehbare Daten.
Und vor allem bedeutet sie: Man züchtet nicht allein!
Züchter tauschen Erfahrungen aus. Erkrankungen können über Familien und Generationen hinweg betrachtet werden. Linien lassen sich vergleichen. Erkenntnisse können gesammelt und Zuchtstrategien angepasst werden. Natürlich sind Gentests ein wertvolles Instrument. Aber eine möglichst lange Liste getesteter Gene macht eine Zucht nicht automatisch gesund. Entscheidend ist, welche Erkrankungen und genetischen Varianten für die Deutsche Dogge tatsächlich relevant und wissenschaftlich aussagekräftig sind. Ein Gentest ersetzt weder Herzuntersuchungen noch andere rassespezifisch sinnvolle Untersuchungen und schon gar nicht die Kenntnis von Abstammung, Verwandtschaft und gesundheitlicher Entwicklung einer Linie. Auch die Herkunft eines Hundes, den man zur Zucht verwenden möchte, aus einem anderen Land ist für sich genommen kein Gesundheitsnachweis. Gesundheit kennt keine Landesgrenzen.
Und dann ist da noch das Thema Farbe.
Der Standard einer Rasse ist nicht dazu da, die Kreativität eines Züchters einzuschränken. Er beschreibt den Rassetyp, den wir über Generationen erhalten wollen. Neue Farben oder ungewöhnliche Kombinationen sind für sich genommen weder ein Gesundheitskonzept noch ein Beleg für größere genetische Vielfalt.
„Anders“ bedeutet nicht automatisch „gesünder“.
„Bunter“ bedeutet nicht automatisch „genetisch vielfältiger“.
Und viele Gentests bedeuten nicht automatisch verantwortungsvollere Zucht.
Auch innerhalb der Verbandszucht gibt es Probleme. Auch dort werden Fehler gemacht. Darüber müssen wir offen sprechen. Aber wir müssen auch nicht schweigen, um respektvoll zu bleiben. Gerade deshalb brauchen wir Gesundheitsdaten, Transparenz, wissenschaftliche Begleitung und die Bereitschaft, gemeinsam Veränderungen anzustoßen.
Die Antwort auf Probleme in einer Rasse kann aus unserer Sicht aber nicht sein, die gemeinsame Datenbasis, nachvollziehbare Abstammungen und Zuchtregeln über Bord zu werfen und jeder für sich nach eigenen Vorstellungen zu züchten. Denn wenn jeder seine eigene kleine Population schafft und nur noch nach seiner persönlichen Philosophie verpaart, verlieren wir etwas ganz Entscheidendes: den Überblick über die Rasse als Ganzes.
Eine Ahnentafel garantiert keinen gesunden Hund.
Ein Verband garantiert keine fehlerfreie Zucht.
Ein Standard garantiert keine perfekte Dogge.
Aber gemeinsam schaffen sie Strukturen, in denen Zucht nachvollziehbar, überprüfbar und über Generationen dokumentierbar wird. Für uns ist genau das der Unterschied zwischen der Produktion eines Wurfes und langfristiger Rassezucht.
Hundezucht braucht Gemeinschaft!
Wir brauchen Züchter, die bereit sind, Daten zu teilen, Probleme anzusprechen, voneinander zu lernen und gemeinsam Verantwortung für die Deutsche Dogge von morgen zu übernehmen. Denn am Ende sollte es nicht darum gehen, wer die außergewöhnlichste Farbe, die längste Gentest-Liste oder die beste Werbung hat. Es sollte darum gehen, wer dazu beiträgt, dass wir auch in vielen Jahren noch gesunde, wesensfeste und typvolle Deutsche Doggen haben. ❤️