Unseren Erlanger Waldkindergarten „Die Pfifferlinge e.V.“ gibt es seit seiner Gründung durch die heutige Leiterin im Sommer 2001. Unser Platz ist im Meilwald in Erlangen, auf einer Lichtung in der Nähe der Jugendfarm. Die 18-20 Kinder sind mehr als vier Stunden täglich an der frischen Luft. So kann der natürliche Bewegungsdrang ungehindert ausgelebt werden; dies verhindert Haltungsschäden, die heu
te bei 60% der 3-6 jährigen vorliegen, stärkt das Herz – und Kreislaufsystem, beugt Übergewicht vor und fördert die Koordination. Durch Laufen auf Waldböden, durch Springen und Klettern wird die Grobmotorik geübt; ebenso werden die Muskeln im Spiel trainiert. Das Immunsystem und die Kondition werden gestärkt. Von den Krankheiten, die gewöhnlich in geschlossenen und überheizten Räumen übertragen werden, treten weniger auf. Bei Kindern geschieht das Kennenlernen der Welt weniger über das Denken, sondern hauptsächlich über Tasten, Sehen, Anfassen, Fühlen und Riechen. Um diese Dinge tun zu können, muss ein Kind sich bewegen. Wo anders als in der freien Natur können diese Sinne optimal gefördert werden? Die Natur liefert Originale – und nicht mühsam in Form von Tastsäckchen und Riechfläschchen rekonstruierte Sinneseindrücke. Es findet eine direkte Sinneswahrnehmung statt. Der behutsame Umgang mit jeder Art von Lebewesen wird erfahren und gelernt. Und ganz nebenbei und selbstverständlich lernt das Kind ökologische Zusammenhänge, den Kreislauf der Natur und die Tier – und Pflanzenwelt kennen und respektieren. Nur wer etwas kennt, kann es lieben und schätzen und sich später vielleicht einmal dafür einsetzen. Die Kinder haben ein “geringeres” Spielzeugangebot, welches multifunktional eingesetzt wird. Ein Ast kann Werkzeug, Waldmännchen, Schiff, usw. Dadurch wird die Kreativität in erhöhtem Maße gefördert, und auf verbaler Ebene wird mehr miteinander kommuniziert. Erstaunlich ist, dass bei Kindern, besonders bei den unauffälligen, ruhigeren, im Wald oft andere Kompetenzen ausgelebt werden als im Regelkindergarten. Während dort die Bauecke meist von Jungen besetzt ist, wird im Wald von Jungen und Mädchen gleichermaßen gebaut, geschnitzt, nach Tierspuren gesucht, usw. Wir haben unseren Kindergartentag so gestaltet, dass wir in unserem Bauwagen keinen Strom benötigen. Und wenn wir doch mal eine Wildkräutersuppe kochen, Holunderküchlein backen, Marmelade einkochen, Ostereier mit Naturfarben färben oder uns an kalten Tagen etwas aufwärmen möchten, so benutzen wir Gas für Herd und Heizung. Diese energieeffiziente Wärmeerzeugung setzen wir sehr bewusst ein und begrenzen damit den Verbrauch auf wenige Flaschen im Jahr. Wir erleben Wasser als einen kostbaren Rohstoff, mit dem wir achtsam umgehen. Wir holen unser Wasser täglich frisch an der Wasserstelle und durch einen wertschätzenden Umgang mit diesem Element reichen uns wenige Liter für einen Kindergartentag aus. Durch die nachhaltige Gestaltung unseres Alltags produzieren wir lediglich eine Tüte Müll pro Kindergartenwoche.