04/08/2025
Heute vor 40 Jahren wurde die Gründungsurkunde zur Jumelage Erlabrunn - Quettehou von unserem Altbürgemeister, Gründungs- und Ehrenmitglied des Vereins "Deutsch-Französische Freundschaft Erlabrunn-Quettehou e.V." Hans Muth in Erlabrunn unterzeichnet.
Besten Dank an Theo Schmitt, der dessen bemerkenswerte und auch heute immer noch aktuelle Rede dokumentiert und uns zur Verfügung gestellt hat. Vieles davon ist aktueller denn je.
Ansprache von H. Bürgermeister Hans Muth anlässlich der Beurkundung der Deutsch-Französischen Freundschaft am Sonntag, den 04. August 1985
„Sehr verehrte Gäste, verehrte Anwesende!
Ich darf Sie, meine verehrten Gäste aus Quettehou recht herzlich in Erlabrunn begrüßen und Sie im Namen der ganzen Gemeinde willkommen heiβen.
Besonders darf ich begrüβen Herrn Bürgermeister Bonnemains, sowie die Damen und Herren seines Gemeinderates.
Herzlich begrüßen darf ich auch die Mitglieder des Komitees, an Ihrer Spitze Herrn Lucas, sowie alle Sie meine Damen und Herrn, die Sie zu uns gekommen sind.
Herzlich begrüßen darf ich natürlich auch Sie meine Damen und Herrn aus Erlabrunn und freue mich, daβ Sie unserer Einladung so zahlreich gefolgt sind.
Verehrte Anwesende!
Seit einigen Jahren bestehen zwischen Erlabrunn und Quettehou Kontakte, die als wesentliches Merkmal persönliches Kennenlernen von Land und Landschaft, von Kultur und Gebräuchen, aber vor allem von gegenseitigem Verstehen der Einwohner beider Gemeinden geprägt sind. Ich glaube heute feststellen zu dürfen, die anfangs gehegten Erwartungen haben sich nicht nur erfüllt, nein ich glaube, sie wurden auf vielen Gebieten übertroffen. Mehrere gegenseitige Besuche haben die Kontakte vertieft und persönliche Freundschaften aufgebaut.
Um dem ganzen nach außen dem ihm gebührenden Rahmen zu verleihen, haben bereits an Ostern dieses Jahres in einem denkwürdigen Festakt die Vertreter beider Gemeinden und beider Komitees Partnerschaftsurkunden unterzeichnet.
Wir sind zusammengekommen, um heute in Erlabrunn in festlichem Rahmen diese Unterzeichnung zu wiederholen.
Lassen Sie mich zum Sinn und Zweck solcher Partnerschaften einige Gedanken aussprechen. Es ist noch gar nicht lange her (was sind im Zeitablauf schon einige Jahrzehnte) da wären solche Freundschaften nicht möglich gewesen.
Mehrmals standen sich unsere beiden Völker in den zurückliegenden Jahrhunderten in kriegerischen Auseinandersetzungen gegenüber und jedes Mal waren Not, Leid, Tod und Entbehrung die eigentlichen Gewinner dieses Geschehens.
Besonders der zweite Weltkrieg, den viele von uns persönlich miterlebt haben, hat alles an Grausamkeit dargeboten, zu welchem Menschen fähig sein können. Darin müssen wir auch einschließen alles Leid das im Namen einer verblendeten und zu verabscheuenden Idee an vielen Menschen aus rassischen, religiösen oder politischen Gründen verübt wurde.
Über ganz Europa und auch über ihre französische Heimat ging die Walze des Krieges, die von der damaligen deutschen Regierung in Gang gesetzt wurde, hinweg. Utah-Beach nur einige Kilometer von Quettehou entfernt war am 6. Juni 1944 der erste Landeplatz in der Normandie.
Krieg und Zerstörung hatte den letzten Quadratmeter beider Länder gezeichnet. Jede Familie hatte im engeren oder weiteren Kreis Opfer an Menschenleben zu beklagen.
Und vielleicht war es dieses große Leid, das die Menschen nach einer gewissen Zeit des Abwartens aufrüttelte und im friedlichen Nebeneinander und im friedlichen Miteinander zusammenführte.
Ich habe diese kurze Erinnerung an die Vergangenheit nicht aufgezeigt, um alte Wunden aufzureißen, sondern um die Mahnung an uns alle aber besonders an die Jugend zu richten, alles zu tun, daβ sich solches nicht wiederholen möge. Meinungsverschiedenheiten ob im privaten oder im öffentlichen Bereich kann und muss man anders austragen als durch feindselige Handlungen. Der Mensch hat einen Verstand und er soll und muss ihn zum Besseren, zum Guten nutzen.
Werte Anwesende!
So sollen und müssen wir Partnerschaft und Freundschaft sehen, dann wird sie, so hoffe ich, auch Bestand haben.
Wir sind dankbar, dass Sie uns die Hand gereicht haben, und dies möge ein Zeichen sein für viele andere. Wir haben bei dem Besuch an Ostern bei Ihnen gespürt, dass an diesem Miteinander viele beteiligt sind und dass es bei vielen von Herzen kommt. Ich hoffe und wünsche, dass Sie in Erlabrunn dieselbe gute Aufnahme erfahren und dasselbe Echo finden, wie wir auch bei Ihnen in Quettehou. Unsere Partnerschaft möge ein kleiner Beitrag sein für die Völkerverständigung und den Frieden, und ich bin sicher, viele solcher kleinen Beiträge werden auch ihre dauernde Wirkung auf die Verantwortlichen der Völker nicht verfehlen. Hoffen wir, dass auch die östliche Hälfte Europas bald diesem Vorbild folgen möge.
Freundschaft und Partnerschaft müssen künftig Leitbild aller Völker und aller Menschen sein. Im technischen Bereich hat die Menschheit gewaltige Fortschritte gemacht, dagegen ist im geistig-ethischen Miteinander noch viel zu tun. Helfen wir mit, dass unsere Jugend friedliche Zeiten erleben möge.
Neben diesem großen Anliegen wünsche ich, dass Sie noch viel Freude bei Ihrem Aufenthalt in Erlabrunn erleben.
Die Landschaft und auch die Menschen sind vielleicht etwas andersgeartet als bei Ihnen, aber ich meine, dass wir uns verstehen und hoffe, dass es Ihnen in Erlabrunn gefällt.
Ich persönlich und auch viele andere bedauern sicher, dass die unterschiedliche Sprache besonders in der persönlichen Begegnung nicht immer das ausdrücken lässt, was man gerne möchte. Aber die bisherigen Begegnungen haben gezeigt, dass dies kein unüberwindliches Hindernis ist.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich zum Schluss noch einige Worte des Dankes im Namen der Gemeinde sagen.
Mein Dank gilt zuerst allen, die bisher von Anfang an bis heute die deutsch-französische Freundschaft gefördert und unterstützt haben. Dies ist insbesondere der Vorstand und die Mitglieder des Vereins der "Deutsch-Französischen Freundschaft“ und hier darf ich Herrn Berthold Mayer besonders erwähnen. Dank auch an alle, die unsere Gäste aufgenommen haben und dadurch zum Gelingen dieses Besuches beitragen.
Auch Dank an alle, die diesen Festakt mitgestalten; dem Gesangverein, der Jugendkapelle und allen sonstigen Helfern. Dank an Sie alle, die Sie hier anwesend sind und damit die Partnerschaft unterstützen.
Helfen Sie mit, dieses Bauwerk "Deutsch-Französische Freundschaft" weiter zu bauen. Nur möglichst viele Pfeiler bieten ein gutes Fundament und nur ein guter Unterbau ist Gewähr für Bestand und Ausdauer.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Erfolg.
Danke schön.“
Muth Hans 1. Bgm. der Gemeinde Erlabrunn
Vier Bürgermeister, gemeinsam mit den jeweils aktuellen Vorständen der beiden Partnervereine, haben die Partnerschaft aktiv mitgestaltet.