Der Verein fairly fair ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein, der sich die Müllvermeidung und Lebensmittelrettung zum Ziel setzt und sich dadurch mit den Problematiken der maßlosen Müllerzeugung und Lebensmittelverschwendung auseinandersetzt. Dabei ist aktives Handeln für uns genauso wichtig wie Aufklärung. Der Verein fairly fair betreibt als Teil dieses aktiven Handelns den Laden fairly fair, aktuell in der Fritz-Büchner-Straße 16A, vormalig in der Justus-Liebig-Straße. Weiterhin betreibt der Verein noch Außenlager, zum Beispiel zur Lagerung von Veranstaltungsbedarf, Vorräten und Ladeninventar sowie zur Sortierung und Lagerung von Sachspenden. Allerdings möchte der Verein auch aufklären und helfen. So sind zum Beispiel auch die Teilnahme an Veranstaltungen sowie Online-Präsenz und Sensibilisierung, das Zusammenarbeiten mit anderen Vereinen und Initiativen außerhalb des Ladens, sowie integrative und gemeinnützige Arbeit weitere Bereiche des Vereins fairly fair. Unsere Arbeit soll dabei immer frei von Kirche und Partei sein. Wir sind klar gegen Rassismus, Extremismus und Ausgrenzung, egal welcher Art.
Durch die geringe Größe des Ladens wurde hier schon öfters umgebaut und das Konzept gewandelt. Während am Anfang vorrangig Kleidung und alles rund ums Kind im Vordergrund standen, die zu relativ festen Preisen und dabei auch deutlich vergünstigt an “Bedürftige” ausgegeben wurden, erfolgte seit Februar ein Wandel. Es wurde das Prinzip "Zahl, was es dir wert ist" eingeführt und gut angenommen. Das Wort "Bedürftigkeit" ist in unserer Gesellschaft häufig mit Vorurteilen und abwertenden Annahmen über Betroffene verknüpft und schafft eigene Ausschlüsse und Hemmschwellen. Durch das Prinzip "Zahl, was es dir wert ist" sollen diese vermindert werden und insbesondere gerettete Lebensmittel für mehr Menschen zugänglich gemacht werden. Hierbei soll eine Entstigmatisierung auf mehreren Ebenen stattfinden und Fokus auf das “Gute” in der Müllvermeidung und Lebensmittelrettung gelegt werden. Auch optisch wurde der Laden in diesem Zuge geöffnet. “Wer Gutes tut, braucht sich nicht zu verstecken.” Gleichzeitig konnte man neue Kooperationen gewinnen und der Lebensmittelbereich wurde parallel dazu ausgebaut.
Als Corona kam, wurde alles anders. Unter anderem musste der “Fair-Teiler” von Foodsharing in der FH Erfurt geschlossen werden, wo vor kurzem erst eine Zusammenarbeit gestartet war. Kurzerhand wurden die Kompetenzen gebündelt und ein “betreuter Fair-Teiler” im Laden errichtet. Alle Kleidung raus, ganz viele Lebensmittel rein. Ausgabe durch die Tür, damit kein Mensch mehr den Laden betreten muss. Auch das Foodprojekt aus der Lassallestraße 50 kam dazu. Durch den Status des Ladens war es uns auch möglich, weiterhin geöffnet zu haben, wo viele andere Geschäfte schließen mussten. Und so entwickelte sich etwas Großartiges.
Durch die Kooperation von Foodsharing, Foodprojekt und fairly fair konnten viele Menschen mit kostbaren, geretteten Lebensmitteln versorgt werden. Viele Menschen waren durch plötzliche Kurzarbeit und andere Umstände auch auf kostengünstige Lebensmittel angewiesen. Es entstanden Warteschlangen, die nur mit “Security” noch überschaubar waren. Aber alles hat gut geklappt, mit Abstand, versteht sich. Lediglich einmal musste ein Hausverbot ausgesprochen werden.
Eine tolle Zeit mit vielen Erfahrungen, neuen Kontakten und großartigen Helfenden, ohne die das alles gar nicht möglich gewesen wäre.
Der Laden nach Corona
So langsam werden alle Maßnahmen zurück gefahren. Das bedeutet auch für uns, dass es langsam wieder ruhiger werden muss. Viele müssen wieder in ihren Hauptberuf, ins Studium usw.. Weiterhin konnten wir inzwischen auch neue Kooperationen finden und bestehende stärken, so dass wir neue Bereiche für uns erschließen können. Daher wird der Laden erneut umgebaut, alles einmal demontiert und anschließend neu eingebaut oder ersetzt.
Der Laden, als ein Teil des Vereins fairly fair, soll für die Zukunft ausgerichtet werden. Es werden Möglichkeiten geschaffen, noch mehr Lebensmittel zu retten. Dafür müssen Kleidung und sonstige Sachspenden, auf Grund der beengten Möglichkeiten im Laden, weiterhin zurücktreten. Diese werden später, an anderer Stelle, durch den Verein wieder angeboten. Wenn es möglich ist, wird auch ein größerer Laden im Bereich des jetzigen Standorts angestrebt, um mehr Platz für das Team zu haben, und auch, um wieder dem zweiten Herz, der Müllvermeidung, mehr Beachtung schenken zu können. Jetzt soll der Fokus erstmal auf die Lebensmittelrettung gelegt werden, zusammen mit unseren Partnern und Kooperationen.
So wurde der Laden wieder richtig geöffnet, so dass jeder Mensch den Laden betreten kann. Dies wurde zum einen notwendig, um die Anwohner zu schonen, zum anderen aber auch, um eine größere Produktvielfalt präsentieren zu können und wieder besser über Lebensmittelrettung informieren zu können.
Auch die Struktur innerhalb des Ladens musste verbessert werden. So war es erforderlich, dass ein Kernteam entstand, welches komplette Transparenz und Kompetenz im Laden erhält. Unterweisungen, freiwillige Fortbildungen und Veranstaltungen wird angeboten werden. Das Ehrenamt ist etwas Tolles und muss durch uns gefördert werden. Weiterhin wird auch immer die Möglichkeit bestehen, kurzfristig und spontan zu helfen, unter Anleitung des Kernteams. Der Laden wird immer im Wandel sein, um wechselnden Anforderungen immer wieder Rechnung zu tragen.
Der Laden fairly fair als "Unternehmen"
Der Laden soll immer ein Teil des gemeinnützigen Vereins bleiben. Dabei müssen wir jedoch auch immer die Kostendeckung des Ladens im Blick behalten. Der Laden ist nur möglich durch den Verein im Rücken. Dieser konnte schon so manche Schieflage des Ladens ausgleichen, dies soll jedoch keine Dauerlösung sein, denn dadurch fehlt auch Geld für die anderen Bereiche des Vereins.
In diesem Punkt sind wir, trotz allem Idealismus, Teil des normalen wirtschaftlichen Gefüges. Der Laden muss auf Dauer kostendeckend arbeiten, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Etwaige Überschüsse würden reinvestiert oder als kurzfristige Rücklage genutzt. Doch nur so können wir auch in Zukunft Lebensmittel aktiv retten. Ansonsten kann der Verein auf Dauer nur ohne Laden bestehen bleiben.
Ganz wichtig:
Hierbei wollen wir auf keinen Fall Organisationen, wie Foodsharing, Foodprojekt oder Tafel ersetzen, oder in Konkurrenz mit diesen treten. Alle haben ihre Bereiche, wo sie etabliert sind und wo sie auch dringend gebraucht werden. Auch wollen wir zu keinem Zeitpunkt eine Grundversorgung bereitstellen! Wir retten Lebensmittel, die auf dem ganzen Weg von Feld, Ernte, Produktion, Verarbeitung, Gastronomie usw. aussortiert werden. Denn viele dieser tollen Produkte müssten sonst vernichtet werden. Dies geht nur miteinander.