22/06/2026
++++ PRESSE+++
Quelle: Thüringer Allgemeine vom 22.06.2026
Große Strecke, großes Herz:
850 Menschen wandern für den guten Zweck
Mit viel Ausdauer und Engagement gingen Wanderfreunde beim Heros-Spendenmarsch an den Start. Welche Summe sie dabei für den Kampf gegen Kinderdemenz erlaufen haben.
Carlotta Masini
Frömmstedt. Strahlend biegt David Straub auf den letzten Versorgungspunkt der 25 Kilometer langen Strecke ein. „Noch sieben Kilometer, dann habt ihr es geschafft“, ruft eine Helferin und reicht ihm eine Flasche Wasser. Der 53-Jährige greift zu und lächelt. Über seiner Schulter baumelt ein kleines Plüschmammut. „Das ist Mamfred“, sagt er und klopft seinem Glücksbringer auf den Kopf. Bei keinem Marsch darf das Mammut fehlen – auch nicht beim HEROS - Spendenmarsch rund um Frömmstedt. Zum siebten Mal gingen dort am Samstag, 20. Juni, 850 Wanderfreunde aus ganz Deutschland an den Start.
Für Straub ist die Veranstaltung längst Tradition. „Es gab nur eine Pause. Sonst war ich jedes Jahr dabei. Es ist total familiär“, erzählt er. Dafür nimmt er sogar die Anreise aus Delitzsch bei Leipzig in Kauf. Der gute Zweck sei für ihn Ansporn genug. Denn die Teilnahmegebühren jedes Einzelnen fließen vollständig an die NCL Stiftung, die sich für den Kampf gegen die seltene und bislang unheilbare Krankheit NCL, auch als Kinderdemenz bekannt, einsetzt.
„Ich wusste vorher gar nicht, dass es diese Krankheit gibt“, sagt Straub. Gerade deshalb sei ihm die Unterstützung wichtig. „Ich bin ein sehr sozial eingestellter Mensch. Wenn ich etwas Gutes tun und gleichzeitig meinem Hobby nachgehen kann, ist das perfekt.“
Wer genauer hinschaut, entdeckt neben Plüschmamfred weitere Bändchen an seinem Rucksack. Sie erinnern an andere Märsche, die der 53-Jährige bereits absolviert hat. Denn lange Strecken sind für ihn nichts Ungewöhnliches. „Eigentlich fängt es bei mir erst bei 30 Kilometern an.“ Manchmal seien es sogar 100 Kilometer.
100 Kilometer für den guten Zweck
Besonders an seinen ersten 100-Kilometer-Lauf erinnert er sich noch genau. Viel trainiert habe er damals nicht. Doch als er nach 22 Stunden das Ziel erreichte, sei jede Anstrengung vergessen gewesen. „Das war ein überwältigendes Gefühl. Ich hatte Tränen in den Augen“, erzählt Straub.
Immer wieder stellt er eigene Spendenaktionen auf die Beine und schnürt dafür auf eigene Faust die Wanderschuhe. Die wohl ungewöhnlichste entstand während der Corona-Pandemie. „Weil man kaum noch irgendwo hin durfte, bin ich 100 Kilometer immer wieder um mein Haus gelaufen. Die dabei gesammelten Spenden gingen später nach Afrika“, erzählt er.
Auf der 25-Kilometer-Strecke sind auch Andrea Ludwig, zweite stellvertretende Vorsitzende des Kreissportbundes und Leichtathletiktrainerin, sowie ihre Tochter Johanna unterwegs. „Die Strecken sind wunderschön“, sagt Ludwig. Für sie stehe neben dem Sport vor allem der gute Zweck im Vordergrund. „Es gibt so viele Lücken im Gesundheitssystem. Man kann nur versuchen, das zu unterstützen, was möglich ist.“ Ursprünglich hätten die beiden sogar die 50-Kilometer-Strecke in Angriff nehmen wollen. Wegen des Regens am Morgen entschieden sie sich jedoch kurzfristig um.
Die Teilnehmer konnten zwischen einer 50- und einer 25-Kilometer-Strecke wählen. Für Kinder gab es zudem eine acht Kilometer lange Route mit Aktivierungsstationen von „fit4fam“. Entlang der Wege und im Ziel warteten zahlreiche Verpflegungspunkte auf die Wanderer. Obst, kalte Getränke, belegte Brötchen, Kuchen und verschiedene Gebäckspezialitäten sorgten dafür, dass unterwegs niemand hungrig bleiben musste.
Den Löwenanteil der Verpflegung spendete die Bäckerei Bergmann. Weitere Lebensmittel und Getränke steuerten die Vereinsbrauerei Apolda, der Obstbau Kindelbrück, der Familienbetrieb Berghof, „Rima Fresh Fruits“ sowie die Greußener Salami- und Schinkenfabrik bei. Finanzielle Unterstützung kam zudem von der TEAG Thüringer Energie und der IKK classic.
Für einen reibungslosen Ablauf sorgten zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer – ob an den Versorgungsstationen oder darüber hinaus. Run4Kids übernahm Absperrungen und Parkplatzkoordination, während der ASB die rettungsdienstliche Absicherung sicherstellte. Unterstützt wurde dieser dabei von Quad-Teams, die die Wandergruppen entlang der Strecke begleiteten.
Der Mann hinter dem Spendenmarsch
Dass Jahr für Jahr Hunderte Wanderfreunde für den guten Zweck an den Start gehen, ist vor allem Jan Hähnlein zu verdanken. Der Eventsportler aus Erfurt rief den Heros-Spendenmarsch im Jahr 2020 ins Leben. Sein Engagement für die NCL-Stiftung begann jedoch schon Jahre zuvor.
Eigentlich ist Hähnlein gelernter Verkäufer und arbeitet im Wohnmobilverkauf. Seit 2015 sammelt er bei sportlichen Herausforderungen Spenden für den guten Zweck. „Ich bin mit dem Mountainbike durch die Welt gefahren und habe über Kilometersponsoren Geld gesammelt“, erzählt er.
Dabei kamen beachtliche Touren zusammen. So fuhr Hähnlein unter anderem in 20 Tagen rund 2600 Kilometer von Santiago de Compostela nach Erfurt. Eine andere Tour führte ihn in sechs Tagen über mehr als 1000 Kilometer von Erfurt über Berlin und Danzig bis nach Kaliningrad.
Der Ursprung dieser Reisen liege in einem langgehegten Traum. „Ich wollte schon immer mit dem Fahrrad an die Ostsee fahren und meine Großeltern besuchen“, sagt Hähnlein. 2015 habe er diesen Wunsch schließlich in die Tat umgesetzt. Eine Freundin brachte ihn damals auf die Idee, die Fahrten mit einem Spendenaufruf zu verbinden.
Als Hähnlein später in einer Fernsehsendung mehr über die Krankheit Kinderdemenz erfuhr, stand für ihn fest, wohin die gesammelten Gelder künftig fließen sollten. Mit Erfolg: „Allein heute sind durch die Aktion mehr als 50.000 Euro zusammengekommen, die an die NCL-Stiftung gehen“, sagt er.
Die nächste Herausforderung wartet schon
Der Heros-Spendenmarsch in Frömmstedt ist dabei längst nicht die einzige Veranstaltung, die der Erfurter ins Leben gerufen hat. Im September findet der „Heros 100 – Erfurt Loop“ statt, bei dem Teilnehmer innerhalb von 24 Stunden 100 Kilometer zurücklegen können. Im Dezember steht zudem wieder der Weihnachtsmannmarsch auf dem Programm.
An Herausforderungen mangelt es Hähnlein ohnehin nicht. Schon in der kommenden Woche will er mit einem DDR-Mifa-Klapprad von Weil am Rhein quer durch Deutschland bis nach Cap Arcona fahren. Rund 1200 Kilometer möchte der 1,93 Meter große Erfurter in weniger als sechs Tagen bewältigen. Bis dahin heißt es, ausruhen und Kraft tanken.