02/06/2026
Deutschland importierte in einem einzigen Jahr mehr als 218 Tonnen medizinisches Cannabis und untermauerte damit seinen Status als Europas größter und am schnellsten wachsender legaler Cannabismarkt. Im Bereich des aufstrebenden legalen Cannabismarktes in Europa bleibt Deutschland unangefochtener Marktführer. Deutschland führte 2017 den legalen Verkauf von medizinischem Cannabis über Apotheken ein, und seitdem ist der legale Markt des Landes exponentiell gewachsen – sowohl in Bezug auf Größe als auch auf Marktwert. Eine der besten Möglichkeiten, das Ausmaß der legalen medizinischen Cannabisbranche in Deutschland zu verdeutlichen, ist die Betrachtung der Importzahlen.
Neben der heimischen Produktion importiert die deutsche Branche eine beträchtliche Menge an Produkten aus anderen Ländern – weit mehr als jedes andere europäische Land.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veröffentlicht regelmäßig Importdaten zu medizinischen Cannabisprodukten. Laut BfArM importierte Deutschland allein im ersten Quartal 2026 50,539 Tonnen medizinischer Cannabisprodukte. Zusammen mit den Importen aus dem zweiten bis vierten Quartal 2025 belief sich der Gesamtimport auf über 218 Tonnen medizinisches Cannabis innerhalb eines Jahres. Zum Vergleich: Der zweitgrößte legale europäische Markt für medizinisches Cannabis ist Großbritannien, das im Jahr 2025 rund 30 Tonnen medizinischer Cannabisprodukte importierte.
Deutschlands legaler Markt ist enorm, und im Vergleich dazu liegt der Zweitplatzierte weit zurück.
Es ist bemerkenswert, dass Deutschlands Gesamtimporte im ersten Quartal 2026 niedriger ausfallen als im Vorquartal. Im vierten Quartal 2025 importierte Deutschland 60,772 Tonnen medizinisches Cannabis. Die ursprünglich gemeldete Gesamtmenge für das vierte Quartal 2025 betrug jedoch 56,625 Tonnen, die das BfArM später auf 60,772 Tonnen korrigierte. Darüber hinaus hatte das BfArM zuvor seine Gesamtmenge für das dritte Quartal 2025 von ursprünglich 56,915 Tonnen auf 59,076 Tonnen nach oben korrigiert. Auch die Daten für das erste und zweite Quartal 2025 wurden im Laufe der Zeit leicht angepasst, sodass die aktuelle Gesamtmenge für das erste Quartal 2026 möglicherweise noch nach oben korrigiert wird.
Die heimische Cannabisproduktion in Deutschland nimmt zu.
Unabhängig davon, ob diese zukünftige Überarbeitung erfolgt oder nicht, bleibt die Tatsache bestehen, dass Deutschlands Markt für medizinisches Cannabis boomt. Importe von medizinischen Cannabisprodukten sind nicht die einzige Bezugsquelle für die Patienten des Landes. Wie bereits erwähnt, wird medizinisches Cannabis auch in Deutschland produziert, und die inländische Produktionsmenge steigt jährlich.
Die kommerzielle Produktion im Inland war vor dem Inkrafttreten des historischen CanG-Gesetzes im Jahr 2024 begrenzt, diese Quote wurde jedoch nach dessen Verabschiedung aufgehoben. Der Anstieg der inländischen Produktion wirkt sich zweifellos auf den Importbedarf der deutschen Industrie aus. Die Nachfrage ist weiterhin hoch, doch das heimische Angebot trägt zunehmend dazu bei, diese Nachfrage zu decken.
Heimanbau und Cannabis-Clubs verändern das Konsumverhalten:
Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor ist die zunehmende Legalisierung von Cannabis für Erwachsene in Deutschland. Ab dem 1. April 2024 dürfen Erwachsene in Deutschland bis zu drei Cannabispflanzen in ihren Privatwohnungen anbauen. Vermutlich bauen nun einige erwachsene Patienten, die bisher ausschließlich auf Importprodukte angewiesen waren, ihre Medizin selbst an, da dies für sie bequemer und kostengünstiger ist. Inwieweit diese Entwicklung den deutschen Importmarkt für medizinisches Cannabis beeinflusst, lässt sich nicht genau feststellen, aber es ist anzunehmen, dass es zumindest einen gewissen Einfluss gibt.
Erwachsene in Deutschland haben neben dem Eigenanbau und dem staatlichen medizinischen Cannabisprogramm eine weitere Möglichkeit, legal Cannabis zu erwerben.
Seit dem 1. Juli 2024 können sie die Gründung von nichtkommerziellen Anbauvereinen beantragen, die auch als „Social Clubs“ bekannt sind. Diese Vereine basieren auf Mitgliedern, die von ihnen legal produziertes Cannabis beziehen können. In Deutschland gibt es mittlerweile mindestens 430 zugelassene Cannabis-Anbauvereine. Ähnlich wie beim Eigenanbau dürfte es für einige Patienten in Deutschland aus verschiedenen Gründen vorteilhafter sein, ihr medizinisches Cannabis über Vereine zu beziehen, anstatt auf Einzelhandelskanäle zurückzugreifen, die importiertes medizinisches Cannabis verkaufen.
Deutschlands Cannabisindustrie für Erwachsene entwickelt sich weiter: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Deutschlands legaler Cannabismarkt stärker denn je ist, sich aber stetig weiterentwickelt – und diese Entwicklung wird sich in absehbarer Zeit fortsetzen. Deutschland wird die lang erwarteten regionalen Pilotprojekte für den Handel mit Cannabis für Erwachsene hoffentlich genehmigen, die ein zentraler Bestandteil des historischen deutschen CanG-Gesetzes sind. Zahlreiche Pilotprojekte laufen bereits in den Niederlanden und der Schweiz ohne größere Probleme, doch aus scheinbar unerfindlichen Gründen haben die deutschen Bundesbehörden bisher keinen einzigen Antrag auf ein solches Pilotprojekt genehmigt. Das wird sich eventuell ändern, und die deutsche Branche, einschließlich des medizinischen Sektors, wird sich entsprechend anpassen. Wie jeder andere legale Cannabismarkt weltweit ist auch Deutschlands legaler Cannabismarkt komplex und vielschichtig. Diese Komplexität wurde auf der kürzlich in Berlin stattgefundenen International Cannabis Business Conference (ICBC) im April ausführlich diskutiert.
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