06/10/2025
⚒ Die Berggrabebrüderschaft Ehrenfriedersdorf e. V. würdigt das 725-jährige Jubiläum unserer Kirche ⛪
Am Sonntag, dem 7. September 2025, nahmen Mitglieder unserer Berggrabebrüderschaft am Festgottesdienst aus Anlass des 725. Kirchweihfestes unserer Stadtpfarrkirche St. Niklas teil. Um 10:00 Uhr zogen, beim Läuten der großen Glocke, der Kirchenvorstand und der am Gottesdienst Beteiligten zusammen mit Stadträten und den Vereinsvorsitzenden der Vereine unserer Bergstadt, die besonders mit unserer Kirche verbunden sind, in das Gotteshaus ein.
Der Berggrabebrüderschaft, als Pfleger und Bewahrer der über 800-jährigen Bergbaugeschichte unserer Stadt, wurde dabei eine besondere Rolle zuteil. Am Einzug waren unser Vereinsvorsitzender Bernd Fröhlich, der Ehrenvorsitzende Joachim Decker sowie 5 Hauer im festlichen Habit beteiligt.
Die reichen Vorkommen an Silber und Zinn führten schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit zur raschen Besiedlung unserer Gegend und zur Errichtung einer Kirche. Diese wurde im Jahr 1300 vom Papst zur Wallfahrtskirche ernannt. Noch heute sind wertvolle Sachzeugen aus der Bergbaugeschichte in unserer Kirche erhalten. Die reichen Erzvorkommen an Silber und Zinn im Mittelalter trugen wesentlich zu deren Finanzierung bei.
Dazu gehören das Chorgestühl aus dem 14. Jh, der Taufstein von 1485 mit einem Taufbecken von einem Ehrenfriedersdorfer Zinngießer aus einheimischen Zinn gegossen, der auf der europäischen Denkmalliste stehende geschnitzte Hochaltar von 1507 mit u. a. der Darstellung der Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute und auch die Bergglocke aus dem Jahr 1569 und ihr Standort, der Elfenturm. Weitere bergmännische Kleinode, die von der Berggrabebrüderschaft zu Jubiläen übergeben wurden, zieren den Innenraum unserer Kirche.
Zu nennen sind ein sehr altes Kruzifix mit Mineraliensockel, restauriert 1919 von Otto Vogel (Schulhausmann), eine große Reicherzstufe Zinnstein, welche aus Anlass der Einstellung des Bergbaues 1990 übergeben wurde, ein geschnitzter Bergmann in „dreckiger Arbeitskleidung“ zum 500-jährigen Altarjubiläum 2007 und eine originale Zinnbarte aus dem Jahr 1844, übergeben zum 450-jährigen Jubiläum der Bergglocke 2019.
Es ist weiterhin überliefert, dass bis zum Jahr 1923 geschnitzte Bergleute im Chorgestühl des Altarplatzes standen, die dann von der Kirche (aus unbekannten Gründen – ggf. auch wegen Ende des damaligen Bergbaues) dem städtischen Heimatmuseum übergeben wurden. Leider verliert sich hier die Spur und es existieren weder Aufzeichnungen noch Fotos darüber.
Es gab allerdings einen Zeitzeugen, der diese Bergleute noch gesehen hat, nämlich der damalige Schulhausmann Otto Vogel. Er hat einen dieser Bergleute nachgeschnitzt und der Kirche 1928 aus Anlass der Renovierung übergeben. Der Bergmann in historischer Kluft steht links im Kirchenschiff auf einer Konsole. Eine Blechtafel unter dem Sockel beschreibt die Geschichte dieses Bergmanns.
Die Berggrabebrüderschaft wollte aus Anlass des 725-jährigen Jubiläums der Kirche wieder ein entsprechend würdiges Geschenk mit Symbolkraft übergeben. Es soll nachfolgende Generationen an die lange und reiche Bergbaugeschichte und die großen bergmännischen Traditionen erinnern.
Durch unsere Vereinstätigkeit und Traditionspflege und auch aus der Fachliteratur sind uns viele erzgebirgische Kirchen und deren Ausstattungen bekannt. Nachweislich sind bei ca. 50 Kirchen im Erzgebirge die Altäre mit z. T. prächtigen antiken Bergmannsleuchtern aus Zinn oder Holz geschmückt. Warum in der 725 Jahre alten Kirche unserer so traditionsreichen Bergstadt keine Altarbergleute stehen, ist nicht bekannt, obwohl in der Stadt lange Zeit das Zinngießer-Handwerk ausgeübt wurde und über Generationen hinweg immer sehr gute und talentierte Schnitzer bergmännische Figuren und Szenen gestalteten.
Die Berggrabebrüderschaft stellte sich in Vorbereitung des Kirchenjubiläums dieser Aufgabe und Vorstandsmitglieder begannen bereits vor über drei Jahren sich Gedanken zur Gestaltung und Fertigung entsprechender Figuren zu machen. Unsere Idee wurde noch durch diese Geschichte bestärkt, dass bereits vor über 100 Jahren einmal Bergmannsfiguren im Chorgestühl des Altarplatzes vorhanden waren. Da unser prächtiger Altar, mit seinen sechs z. T. antiken Kerzenleuchtern über eine sehr lange Zeit schon sein Aussehen bewahrt hat, sollten die Bergmannsfiguren nicht in das Gesamtbild dominant eingreifen, sondern eine passende Ergänzung bilden.
Auf der Suche nach entsprechenden bergmännischen Figuren und einem Schnitzer aus unserer Region, der für hochwertige und ausdrucksstarke figürliche Darstellungen bekannt ist, wurden wir bei Holzbildhauermeister Matthias Dietzsch in Geyer fündig. Seine Bergmannsfigur „Muldenträger“ in mittelalterlicher Arbeitskleidung und mit Froschlampe entsprach genau unseren Vorstellungen.
Wir entschieden uns für zwei handgeschnitzte und farbig lasierte Figuren in gespiegelter Ausführung für je eine Altarseite, mit einer Gesamthöhe von jeweils 44 cm. Die Mulden sollten Erze beinhalten, die charakteristisch für unseren fast 800-jährigen Bergbau sind, Silbererz (als Ersatz mit Bleiglanz gefüllt) und Zinnstein.
Matthias Dietzsch konnte sich sofort mit unserer Idee anfreunden und begann mit der Umsetzung dieses, auch für ihn nicht alltäglichen Auftrages mit großer Öffentlichkeitswirksamkeit und Nachhaltigkeit für viele Generationen.
Ein Spruch auf seiner Internetseite charakterisiert in eindrucksvoller Weise seine Liebe zum Beruf.
Arbeiten zu schaffen, die unser Leben überdauern und anderen Freude bereiten,
das macht meine Liebe zum Holz so groß (Matthias Dietzsch).
Zum Festgottesdienst aus Anlass des Jubiläums unserer Kirche am 7. September hielt der Ehrenvorsitzende unserer Berggrabebrüderschaft, Joachim Decker, ein Grußwort. Er überbrachte im Auftrag des Vereins die Glückwünsche an Pfarrer Falk Klemm und an die gesamte Kirchgemeinde.
Weiterhin berichtete er über die Entstehung der Idee der Altarbergleute und deren Symbolkraft für die Jahrhunderte währende Verbindung des Bergbaues mit der Kirche in unserer Bergstadt und der Bewahrung der bergmännischen Traditionspflege auch nach dem Ende des Bergbaues.
Anschließend wurden offiziell die beiden geschnitzten Altarbergleute, die sich bereits an ihrem Standort auf dem Altartisch befanden, als Geschenk an die Kirchgemeinde übergeben.
In einem persönlichen Schreiben an die Berggrabebrüderschaft bedankte sich Matthias Dietzsch für diesen Auftrag und äußerte folgende Gedanken zur Gestaltung der Figuren: „Die gebückte Haltung und die Schwere der mit Steinen gefüllten Mulde bringen die Last der harten Arbeit zum Ausdruck. Die kleine Froschlampe weist auf die Sehnsucht nach dem Licht hin, nicht nur nach dem irdischen Licht, sondern auch auf das wahre Licht Gottes.“
Holzbildhauermeister Matthias Dietzsch und seine Ehefrau wurden von Pfarrer lemm persönlich zum Jubiläumsgottesdienst eingeladen. Der Einladung kamen sie gern nach. Für beide war es nicht nur ein handwerklicher Höhepunkt, Matthias Dietzsch schuf diese wunderbaren und nicht alltäglichen Figuren und seine Frau bemalte sie.
Das Ehepaar Dietzsch hat auch eine besondere persönliche Beziehung zu unserer Kirche, Frau Dietzsch ist gebürtige Ehrenfriedersdorferin und beide heirateten in unserer Kirche.
Der Vorstand möchte sich bei den zahlreichen Sponsoren herzlich bedanken, die uns bei der Finanzierung dieses Projektes unterstützten.
Glück auf
Joachim Decker
📷 Berggrabebrüderschaft Ehrenfriedersdorf e.V.