18/04/2018
Besser später als nie: Unser Bericht zur Praktikawoche im März
DU(H)RCHGEDREHT - DER ANW SPRING-BREAK
Semesterferien. Freitagmorgens. 7:00 Uhr. Entgegen allgemeinen Klischeevorstellungen, die den Studenten jetzt noch selig ruhend im Federbett liegend erahnen, sind wir bereits wach und decken ein letztes Mal den Frühstückstisch bei Familie Duhr. Bei Kaffee und selbstgebackenem Brot können wir auf eine höchst produktive Woche zurückblicken. Statt aus den Ferien direkt in den trockenen und gut beheizten Hörsaal zu wechseln, nutzen wir den ANW Spring Break, Hybrid zwischen echter Waldarbeit und praxisbezogenem Theorieinput, als idealen Übergang ins 4. bzw. 2. Semester. Doch wir wären nicht die ANW Hochschulgruppe, ließen wir den letzten Tag tatenlos verstreichen. Also geht es raus in den Wald, Themen sind Grenzermittlung im Privatwald und Z-Baum Auswahl.
Wenig später stehen wir – mit gezückten Spraydosen bewaffnet - vor einem Kiefernstangenholz. Michael Duhr plaudert aus dem Nähkästchen der Privatwaldbesitzer – gerade in solch strukturlosem Terrain ist bei der Grenzmarkierung Fingerspitzengefühl und eine gute Kommunikation mit den angrenzenden Nachbarn von Nöten. Nach unseren Einfluchtversuchen – die im Waldpädagogikseminar wohl auch als teambildende und kommunikationsfördernde Maßnahme durchgegangen wären - belassen wir es zunächst erstmal bei roten Bändchen – abknoten ist doch einfacher als abkratzen.
Dann geht es wirklich los: Waldbau. Wohlgemerkt im Wald und nicht vor dem Beamer. Michael Duhr fasst noch einmal das QD-Prinzip, welches uns bereits aus der Vorlesung bekannt ist, zusammen und initiiert einen weiteren komplexen Einigungsprozess - schließlich können wir uns als Gruppe auf einen Vorzeige Z-Baum einigen. Diesen stellt Eric exemplarisch frei, mit jedem Kreischen der Motorsäge entfernen wir uns gedanklich mehr von den Zahlen aus der Ertragstafel. Uns wird klar: Das Wirtschaften auf Wertholzstämme erfordert Konsequenz und Mut. In Kleingruppen zeichnen wir dann autonom weiter aus, beginnen etwas ungelenkt, bemerken aber bereits nach der ersten Stunde wie sich unser forstlicher Blick zu schärfen beginnt.
Neben den waldbaulichen Aspekten konnten wir beim dem Aufarbeiten von Sturmholz unseren Erfahrungsschatz im Umgang mit Forstmaschinen und Arbeitstechniken erweitern. Auch hier profitierten wir wieder ungemein von Erics beruflichen Vorkenntnissen. Deshalb werden wir auch für kommende Projekte eine Mischung von Studenten mit und ohne Forstwirtausbildung anstreben.
Am Abend kochen wir gemeinsam: 4 Tage, 4 Wildvariationen, 4 mal zufriedene und müde ANWler. Forstliche Diskussionen ergeben sich am Küchentisch praktisch von allein, ein wichtiges Thema sind natürlich Zukunftschancen und Risiken in der Forstbranche. Mit dem Stellenabbau im öffentlichen Dienst gewinnt der Sektor der privaten forstlichen Dienstleister und Berater immer mehr an Bedeutung. Trotzdem kann man den Verzicht auf tätige Mithilfe der Hoheitsförster auch kritisch sehen – so könnte in Zukunft in noch mehr Beständen unausgezeichnet eingeschlagen werden. Auch der weitgehende Verzicht auf Waldarbeiter im Landesforstbetrieb könnte sich negativ auswirken, wenn Ausschreibungen vorwiegend an Lohnunternehmen gehen, die auf Kosten von Löhnen, Arbeitssicherheit, Ausbildung und Qualität, das billigste Angebot machen.
Wertvollen Input zu dieser Problematik bekamen wir während unserer halbtägigen Exkursion zu Axel Rütz. Nach der Besichtigung des Sägewerkes, Abnehmer des von uns aufgearbeiteten Holzes, konnten wir bei Kaffee und Kuchen im lockeren Gespräch Fragen zur aktuellen Situation von Forstdienstleistern in Brandenburg stellen.
Der Sinn des Personalabbaus bleibt in Teilen suspekt, um tatsächlich verlässliche, fair bezahlte und leistungsfähige Unternehmer für die Bewirtschaftung des Landeswaldes zu gewinnen, wird ein Strategiewechsel nötig sein. Selbst dann bleibt offen, ob der Landesbetrieb im Falle größerer Kalamitäten handlungsfähig bleibt.
Doch bevor wir weiter über forstpolitische Entscheidungen urteilen, widmen wir uns wieder praktischer Arbeit. Im Laufe der Woche beplanen wir eine Sturmwurffläche vom Einschlag bis zur Pflanzung, besonderen Wert legen wir dabei auf das korrekte Ausfüllen von Förderanträgen – 18 Seiten bieten dafür ein abendfüllendes Programm. Dazu bekommen wir die Gelegenheit einen aufschlussreichen Einblick in die Buchführung des Betriebes zu werfen, bessere Möglichkeiten für einen Wissenstransfer zwischen theoretischer Ökonomievorlesung und praktischer Anwendung gibt es wohl nicht.
Als ANWlerInnen gehen wir natürlich auch keiner einzigen waldbaulichen Diskussionen aus dem Weg und so tauschen wir uns immer wieder über Baumartenwahl und Bewirtschaftungskonzepte auf einzelnen Flächen aus. Und – auch wenn für manche mittlerweile ein leidiges Thema – bemerken immer wieder, wie wichtig angepasste Schalenwildbestände für das schaffen Dauerwaldartiger Strukturen sind. Da der Betrieb von Herrn Duhr nicht arrondiert ist und die Flurstücke keine zusammenhängende Fläche bilden, wird nicht in Eigenregie gejagt. Ein gutes Auskommen mit dem Pächter ist deshalb Grundvoraussetzung, da das Revier gleichzeitig im Großtrappenschutzgebiet liegt, ist neben dem Schalenwildabschuss eine straffe und zeitintensive Raubwildbejagung nötig. So kommt man auf einzelnen Flächen noch nicht um einen Zaunbau herum.
Schlussendlich bedanken wir uns noch einmal für diese tolle Woche - Praktische Arbeit, Planung auf der Fläche und die sehr lehrreichen Seminare haben sich perfekt die Waage gehalten, das Essen war ausgezeichnet und Herr Duhr jederzeit ansprechbar und auskunftsfähig – Wir freuen uns aufs nächste Jahr.
Jakob Liesegang