RUMELN-KALDENHAUSEN (Jan-2026) - Der südwestliche Zipfel von Duisburg ist etwas ganz Besonderes. Unsere heutigen Ausführungen begleiten Sie durch einen Ortsteil der ganz besonderen Art. Vorab: Wer für die Region zwischen Krefeld, Rheinhausen und Moers lediglich „Rumeln" oder „Kaldenhausen" sagt, der verärgert grundsätzlich den anderen, gerade nicht genannten Ortsteil. Ferner ist es heute noch so,
dass sich Rumeln-Kaldenhausen eigentlich eher etwas Krefeld, ein wenig Moers, eine Prise Friemersheim oder auch einen Hauch Hohenbudberg schmecken lassen möchte, der Brocken Duisburg liegt so manchem (Ur)einwohner, auch nach über 50 Jahren nach der Kommunalen Neuordnung, noch irgendwie im Magen. Die Geschichte en bloc: Die erste urkundliche Erwähnung Rumelns erfolgte 898 in den „Werdener Urbaren" (das war ein Verzeichnis von Liegenschaften). 1472 wurde das Kloster Marienfelde gegründet (nicht mehr erhalten), die „Klosterstraße" und die „Marienfeldschule" erinnern heute noch daran. 1934 erfolgte der Zusammenschluss von Rumeln und Kaldenhausen zu Rumeln-Kaldenhausen. Die Doppel-Gemeinde gehörte bis 1974 zum Kreis Moers. Januar 1975 wurde Rumeln-Kaldenhausen - obwohl weit über 90 Prozent der Bevölkerung dagegen stimmten - gemeinsam mit Rheinhausen, Homberg, Walsum und Baerl der Stadt Duisburg zugeordnet. Seitdem bilden Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen einen der sieben Duisburger Stadtbezirke. Nun, bis 1975, wo die Musik ausschließlich im eigenen Rathaus spielte, war die Welt noch in Ordnung. Ab 1975, als „südwestlicher Zipfel" einer damals rund 600.000 Einwohner zählenden Großstadt (502.270 am 31. Dezember 2024), veränderte sich das Innenleben des Doppel-Dorfes erheblich. Im Stadtrat Duisburg und in der Bezirksvertretung Rhein¬hausen bemühten sich Heinrich Clouth, Egon Schotters (beide Stadtrat), Adolf Funk, Gerd Hudasch, Wilhelm Lohbeck und Sepp Wurm (alle Bezirksvertreter) um die Belange „ihres" Ortes. Deren Sisyphus-Arbeit bestand darin, möglichst dicke Bretter zu bohren. Denn so wie dem griechischen Helden stets kurz vor dem Gipfel der hoch zu rollende Felsen aus den Händen glitt, wurde es für die Rumeln-Kaldenhausener Volksvertreter immer schwerer, sich zuerst im Rheinhauser Gemenge-Busch und dann auch noch im Duisburger Begehrlichkeiten-Dschungel durchzusetzen - bei immer leereren Kassen. Zusätzlich gründete sich als Schutz- und Trutz-Gemeinschaft ein Bürgerverein um Hubert Haas, der sich unter anderem mit so schwerer Kost wie der Straßenumbenennung, dem Lkw-Verkehr durch den Ort und der Bayer-Sondermülldeponie beschäftigte. Doch wie so oft so auch hier: Nach dem nimmermüden Haas gab es nicht mehr genug „Manpower", um die Vereinigung auf Dauer zu beleben. In Sachen Ortsidentität sprangen damals zwei heimatbewusste Männer in die Bresche. Der Rumelner Peter Wey und der Kaldenhausener Heinz Billen sorgten für mannigfaches Retro. Sie veröffentlichten ab 1984 im Seidelt-Verlag drei Bildbände, die damals ähnlich weit verbreitet gewesen sein mussten wie die Bibel: An die 5000 Exemplare gingen weg wie warme Semmeln. Aus dieser Ecke kam auch der Hinweis, dass Rumeln 1998 1100 Jahre alt werden würde. Das wiederum brachte eine Aktionsgemeinschaft auf die Beine, die unter der Führung von Delia Rosenberger-Pügner und Ferdi Seidelt Ende August 1998 ein Festwochenende auf die Beine stellte, wofür das Wort „sensationell" nicht ausreicht. Im damals 19.000 Einwohner zählenden Ort registrierten Ordnungsamt und Polizei geschätzte 30.000 bis 35.000 Gäste. Prunkstücke waren der Historische Festumzug und die Jubiläumsmeile Dorfstraße vom Marktplatz bis zur Sankt-Marien-Kirche. Dadurch stand die „Rumelner Wiege" (die untere Dorfstraße) im Mittelpunkt. Dort befanden sich ein kleines, aber feines Geschäftszentrum und die alte Pferdestation/Gaststätte „Zur Post" (2015 abgerissen). Eine der Geschäftsfrauen, Beate Klatt, war es, die aufgrund der wundersamen Dorf-Erweckung aus dem Dornröschenschlaf zusammen mit weiteren Selbstständigen die Bildung des „Runden Tisches Rumeln-Kaldenhausen" anregte und fortan die hoch löbliche Mitgliedsnummer 1 trägt. Die Gemeinschaft, 1998/99 gegründet, feiert seit 1999 jährlich ein Sommerfest und veranstaltete von 2000 bis 2019 zusammen mit der Evangelischen Kirchengemeinde, ebenfalls jährlich, einen Weihnachtsmarkt. Bei diesen Veranstaltungen, die von etwa 150 Mitgliedern aus Handel, Handwerk, Dienstleistung, Vereinswesen und Kirche gestützt werden, ist immer der halbe Ort auf den Beinen. Das sagt im Doppel-Wort-Dorf mehr als tausend Worte. Rumeln-Kaldenhausen einst und jetzt:
Was eigentlich ist Rumeln-Kaldenhausen? Wo liegt es, was sind die Besonderheiten? Wir haben uns einmal im Internet und in anderen Quellen umgeschaut und finden dort im Großen und Ganzen das bestätigt, was „Heimische" kennen und hiermit bestätigen können. Der Ort und die Welt:
Rumeln-Kaldenhausen liegt in Europa, in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen, am Niederrhein, in Duisburg, genauer im Süd-Westen von Duisburg, dort an den Stadtgrenzen zu Moers (Stadtteile Schwafheim und Kapellen) und Krefeld (Uerdingen). Seit dem 1. Januar 1975 ist Rumeln-Kaldenhausen ein Ortsteil von Rheinhausen, was wiederum zu diesem Termin ein Bezirk von Duisburg wurde. Wer Rumeln-Kaldenhausen anschreiben möchte, notiert „47239 Duisburg", wer's telefonisch will, wählt „02151". Rumeln-Kaldenhausen dürfte auch bei extremem Hochwasser nicht von der Nordsee überflutet werden: Durchschnittlich 30 m über Normal-Null reichen wohl aus. Interessantes Moment in Kaldenhausen: „Vennikel" gibt es sowohl in Moers als auch in Krefeld und Duisburg. Die Kommune:
Rumeln-Kaldenhausen hatte am 31. Dezember 2024 exakt 16.920 Einwohner. Obwohl nach wie vor emsig neu-, um- und ausgebaut wird, sinkt die Einwohnerzahl seit Jahren beziehungsweise stagniert. Grund: Die Menschen leben heute auf immer mehr Quadratmetern - ein Phänomen, das mit wachsendem Wohlstand und einer kleiner werdenden Familiengröße erklärt werden kann. Der Runde Tisch:
Nun, die Einwohner von Rumeln-Kaldenhausen sind nicht allein! Rührige Kirchengemeinden und engagierte Vereine ermöglichen viel Miteinander. Der herzliche Gemeinsinn war denn auch zu spüren, als 1998 das große Jubiläumsfest einen ganzen Ort elektrisierte. Die aus dem Arbeitskreis entstandene Vereinigung „Runder Tisch Rumeln-Kaldenhausen" freut sich sehr, dass sie mit rund 150 Mitgliedern, unter ihnen die Kirchengemeinden und fast alle Vereine, eine Einheit bilden kann, die leistungsstark zum Wohle des Orts aktiv ist. Die schon erwähnten Feste im Sommer (seit 1999, immer am ersten September-Samstag) und Winter (von 2000 bis 2019) sind die „Flaggschiffe", wobei die „Eskorte" nicht von schlechten Eltern ist. Hier wie dort warten die Kaufleute mit kurzweiligen Quartiersaktivitäten auf, einmal im Jahr zeigt sich der Ort heimelig mit einer sehenswerten Weihnachtsbeleuchtung, viele Kulturveranstaltungen (Kulturspielhaus Rumeln) sorgen für die innere Erbauung. Darüber hinaus helfen der Internet-Auftritt (www.runder-tisch.info) und diverse Netzwerk-Einbindungen dafür, dass der Runde Tisch auch „modern" zur Kenntnis genommen wird. Einige Worte zur Historie:
Das Wissen um das Gestern führte 1998 zur fulminanten „1100-Jahr-Feier" von Rumeln (aus der der Runde Tisch Rumeln-Kaldenhausen entstand). Damit keine Irritationen entstehen: Der Ortsteil Kaldenhausen ist jünger, die Wiege der damaligen Doppelgemeinde (und des heutigen Stadtteils) stand in der unteren Dorfstraße. Wandeln Sie nun mit uns (und den Heimatforschern) gedanklich durch die Jahrhunderte: Die erste urkundliche Erwähnung Rumelns erfolgt 898 in den „Werdener Urbaren". 1472 wird gegründet das Kloster Marienfelde, das nicht mehr erhalten ist (Stichwörter: Klosterstraße, Marienstraße, Marienfeldschule). Bis Juni 1934 gehören Rumeln und Kaldenhausen zur Landgemeinde Rheinhausen. Am 30. Juni 1934 scheiden die beiden Orte aus der Landgemeinde aus und es erfolgt am 1. Juli 1934 der Zusammenschluss von Rumeln und Kaldenhausen zur Gemeinde „Rumeln", später wird auf Drängen der Kaldenhausener Lobby die Kommune „Rumeln-Kaldenhausen" genannt. Januar 1975 wird Rumeln-Kaldenhausen als kreisangehörige Gemeinde gemeinsam mit den Städten Rheinhausen, Homberg und Walsum sowie dem Ortsteil Baerl der kreisangehörigen Gemeinde Rheinkamp der Stadt Duisburg zugeschlagen - 90 Prozent der heimischen Bevölkerung waren in einem Volksentscheid dagegen, gingen aber im landesweiten Quorum unter. Auf Rumelner Gebiet gibt es im Bereich der Kloster- und Marienstraße einige wenige Relikte des ehemaligen Klosters Marienfeld. Mit dem Dreißigjährigen Krieg wurden auch die Rumelner Einwohner mit ihrem Landesherrn, dem Grafen von Moers, protestantisch, wobei nicht die lutherische, sondern die calvinistisch-protestantische Religion Vorrang hatte. Nur Kaldenhausen blieb katholisch; die Konfessionsgrenze verlief in etwa in Höhe des Rumelner Rathauses in Ost-West-Richtung. Heraldik:
Das Wappen symbolisiert die Vereinigung der beiden früheren Einzelgemeinden Rumeln und Kaldenhausen zur Gemeinde Rumeln-Kaldenhausen. Der südliche Teil mit der Ortschaft Kaldenhausen unterstand dem Erzbistum Köln, daher das schwarze Kreuz in Silber, während der nördliche Teil mit der Ortschaft Rumeln zur Herrlichkeit Friemersheim gehörte, deren Wappen wiederum die drei silbernen Rosen in Blau entnommen wurden. Die Herrlichkeit Friemersheim fiel Ende des 14. Jahrhunderts an die Grafen von Moers. Das Wappen entstand übrigens erst 24 Jahre nach Schaffung der Doppelgemeinde, also 1958. Der einfache Grund: Kurz zuvor hatte Rumeln-Kaldenhausen sein Rathaus bekommen (Text Ferdi Seidelt).