12/10/2026
Zur Erinnerung
Seit dem 2. Dezember 2019 erinnern fünf Stolpersteine an der Andreas-Schubert-Straße Ecke Strehlener Straße im Dresdner Stadtteil Südvorstadt an Abraham Adolf und Rosa Wermuth sowie drei ihrer fünf Kinder: Bertha Ryster (geb. Wermuth), Erika und Karl-Heinz Wermuth.
Abraham Adolf Wermuth wurde am 9. August 1878 in Iwano-Frankiwsk (deutsch Stanislau, heute Westukraine) geboren. Dort kam auch Rosa Wermuth (geb. Hillebrandt) am 15. Juli 1887 zur Welt. Beide heirateten 1904 und zogen im gleichen Jahr nach Dresden um.
Hier bekamen sie fünf Kinder: Regina (geb. 1906), Mia, Berta (geb. 1909), Karl-Heinz (geb. 1922) und Erika (geb. 1924).
Abraham Adolf Wermuth war in Dresden offenbar als Vertreter tätig. Als Laien spielten er und Rosa am Jiddischen Theater Dresden.
Am 28. Oktober 1938 wurden Abraham, Rosa, Karl-Heinz und Erika nach Polen abgeschoben und lebten wieder in Stanislau. Dort wurden Abraham, Rosa und Erika Wermuth – wie fast alle dorthin Verschleppten – bei einer Massenerschießung am 12. Oktober 1941, dem sog. Blutsonntag von Stanislau, ermordet.
Karl-Heinz Wermuth konnte bereits 1939 über die Kinder- und Jugend-Aliyah ins britische Mandatsgebiet Palästina emigrieren und nahm den Namen Zwi an. Er kam in den Kibbuz Ejn Hachoresch. Dort ist er am 17. Juli 1941 tödlich verunglückt.
Bertha Wermuth heiratete Heinz Ryster, der nichtjüdischer Herkunft war und bis Herbst 1944 mehrfach von der Gestapo zur Scheidung gedrängt wurde. Da er dem aber nicht nachkam, musste er Zwangsarbeit im Strafbataillon Todt leisten und konnte seine Ehefrau nicht mehr schützen. Bertha war wegen ernster Erkrankungen häufig in ärztlicher Behandlung, was Juden in dieser Zeit nur selten genehmigt wurde. Weil sie Butter aß und ins Schwimmbad ging, wurde sie denunziert. Sie wurde im Dezember 1944 ins KZ Bergen-Belsen deportiert und dort am 16. Januar 1945 ermordet.
Die beiden ältesten Schwestern Regina Bitterwolf (geb. Wermuth) und Mia Mahr (geb. Wermuth) haben mit ihren Kindern das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg überlebt.
Mia Mahr hat sehr früh nach Frankreich geheiratet und bekam zwei Söhne, Gérard und Roger Mahr, die heute in Paris leben.
Regina Bitterwolf war zunächst durch ihre sog. privilegierte Mischehe geschützt, sollte aber doch mit ihrer 1942 geborenen Tochter Esther am 16. Februar 1945 ins Ghetto Theresienstadt deportiert werden. Das verhinderte der Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945, bei dem jedoch Reginas Mann Ludwig ums Leben kam. Ihr aber gelang unter falschem Namen mit dem Flüchtlingsstrom die Flucht mit ihrer kleinen Tochter bis zur Schwäbischen Alb, wo sie sich bis zum Ende des Krieges versteckten. Später zogen sie nach Stuttgart, wo Regina als Chefsekretärin in der Jüdischen Gemeinde arbeitete. Nach einigen Jahren gingen sie nach Frankfurt am Main, wo Regina 1999 starb.