08/08/2025
Unterschreibe ich absolut jedes Wort
Es wirkt manchmal so leicht. So niedlich. Kleine, nackte Wesen, die in Watte gebettet mit einer winzigen Spritze gefüttert werden. Die Kamera draufgehalten, ein paar süße Worte dazu, Herzen fliegen. Und es entsteht der Eindruck: Das kann doch jeder.
Aber das ist nicht die Wahrheit!
Welpenaufzucht ist kein Zuckerwattenmoment. Kein süßer Zeitvertreib. Und ganz bestimmt keine Instagram-Story. Sie ist Kampf. Gegen das Sterben. Gegen Hunger, Entzündungen, Unterkühlung, Fliegeneier, gegen die Uhr.
Sie ist ständiges Bangen. Und viel zu oft: Verlieren.
Alle zwei Stunden Milch. Auch nachts. Immer wieder „Toiletting“ – also manuelles Auslösen von Kot und Urin. Keine Spielchen, kein Bauchgekraule, keine Kuschelzeit. Denn Berührung kann töten.
Infektionsgefahr, Temperaturabfall, Überfütterung, Lungenentzündung. Die Liste ist lang. Und die Verantwortung riesig.
Und dann hören wir: Mit Mama ist das doch super easy. Ja, natürlich. Wenn die Mutter nicht selbst kurz vorm Verhungern ist. Wenn sie keine Schnittverletzungen hat. Keine Maden. Keine Entzündungen. Wenn sie nicht vor Erschöpfung stirbt, während sie ihre Jungen säugt. Dann wäre es einfach. Ist es aber nicht!
Was uns Angst macht, sind nicht die Nächte ohne Schlaf. Nicht die Tränen über ein weiteres totes Jungtier auf der Wärmematte. Was uns Angst macht, ist die Romantisierung. Die süßen Darstellungen. Die Verharmlosung.
Welpenaufzucht ist kein Trend. Kein DIY-Projekt. Und ganz sicher keine Entscheidung fürs Herz. Sie ist eine Aufgabe für Fachpersonen. Für Menschen mit Wissen, mit Erfahrung, mit Infrastruktur und mit der Fähigkeit, loszulassen, auch wenn das Herz daran zerbricht.
Wir wünschen uns mehr Realität. Mehr Respekt. Und mehr Bewusstsein dafür, dass hinter jedem niedlichen Bild eine Geschichte steckt.
Und nicht selten eine, die weh tut.
Euer Team von Stachelkugel e.V. und der Gnadenhof & Wildtierrettung Notkleintiere e.V.