21/04/2026
Morgen ist wieder Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie im Rathaus.
Unter anderem wird eine Ergänzung zu einer Unterlage "Entwicklung der Kindertagespflege von 2015 bis heute" zur Kenntnis genommen werden.
Ich habe es anlässlich der in der letzten Sitzung besprochenen 10-Jahres-Planung des Jugendamts schon einmal angemerkt, dass ich es für ehrgeizig halte, die Kindertagespflege auf dem heutigen Stand zu halten, weil viele von uns bald in Rente gehen werden- und das Jugendamt bislang nichts Substanzielles bewirkt hat, um die Aufnahme dieser Tätigkeit sexy zu machen.
Hier könnt ihr die Zahlen und Fakten mal nachlesen:
https://sessionnet.owl-it.de/dortmund/bi/vo0050.asp?__kvonr=535727
Bemerkenswert fand ich, dass das JA nicht genug Daten und Fakten zur demografischen Entwicklung vor 2018 hatte. Hmm. Reichte einst die Angabe eines Namens ohne weitere Daten, um KTPP zu werden und zu sein?
Zu der Abwanderung aufgrund des Alters sehe ich gerade akut wieder ein ganz anderes Phänomen aufflammen: Kolleginnen, für die die KTP ihre Herzenssache war, die mit Idealismus und Begeisterung gearbeitet haben, schmeißen hin. Frustriert, ausgebrannt, verschlissen, ernüchtert. Und nein, das ist kein individuelles Versagen, das ist strukturelles Versagen des Systems Kindertagespflege (in Dortmund).
Vollmundig angekündigte Verbesserungen kommen nicht oder viel zu langsam. Wertschätzung für die Kindertagespflege wird vom JA auf Hochglanz-Veranstaltungen erklärt, aber nicht gelebt. Man schämte sich ja nicht einmal, KTPP Einkommenseinbußen zumuten zu wollen. Stattdessen wird ständig der Druck erhöht und noch mehr gefordert. Kritische Rückmeldungen der KTPP werden abgewimmelt und gerne von oben herab kommentiert- stets natürlich von Menschen, die unseren Alltag nie gelebt haben. Echter Austausch und echte Beteiligung sind offenkundig nicht gewollt und Treffen hatten eher Alibi-Funktion. Das spare ich mir gern.
Ich bin ja immer ganz fasziniert, wenn ich lese, wie wichtig das JA die Neugewinnung von KTPP nimmt. Was ich nie sehe, sind Erklärungen, wie die Tätigkeit denn attraktiv gemacht werden soll. Jetzt mal ehrlich, man kann ja Interessent*innen nicht einmal verlässlich eine Qualifizierung anbieten, die nicht kurz vor Beginn abgesagt wird. Mit was sollen diese Menschen denn planen???
Ich selber habe gerade auch einmal wieder eine Phase von "warum tue ich mir diesen Scheiß eigentlich noch an?"
Ich nehme mir diesen Monat mal Pause von Ausschuss, Politik und Jugendamt. Irgendwann habe ich ganz sicher wieder genug Wut im Bauch, um mir das wieder anzutun. Da sorgt das System hier in Dortmund ja zuverlässig selbst für.