10/06/2026
Bosnische Organisationen aus Nordrhein-Westfalen zu Gast im Landtag NRW
Austausch mit MdL Volkan Baran über Erinnerungskultur, gesellschaftliches Engagement und die Zukunft der bosnischen Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen
Auf Einladung des Dortmunder Landtagsabgeordneten und integrationspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Volkan Baran MdL, besuchte am 09. Juni 2026 eine Delegation bosnischer Organisationen und Institutionen aus Nordrhein-Westfalen den Landtag NRW in Düsseldorf.
Die Delegation bestand aus Vertretern von Amanet e.V. – Deutsch-Bosnische Initiative NRW, dem Landesverband der Bosnischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, dem Jugendverband der Bosnischen Gemeinden, dem Pangea Netzwerk sowie dem Srebrenica Awareness Network.
Zu Beginn des Treffens eröffneten Volkan Baran und Amir Aletić, Vorsitzender von Amanet e.V., gemeinsam die Sitzung. Anschließend stellte Aletić die Delegation vor und dankte für die Einladung sowie die Möglichkeit eines direkten Austauschs im nordrhein-westfälischen Landesparlament.
Im Mittelpunkt des Gespräches stand die Frage, wie die Erinnerung an den Genozid von Srebrenica dauerhaft bewahrt und an kommende Generationen weitergegeben werden kann.
Dabei wurde darauf hingewiesen, dass das Europäische Parlament bereits im Jahr 2009 den 11. Juli zum europäischen Gedenktag für die Opfer des Genozids von Srebrenica erklärt hat. Zudem wurde die im Jahr 2024 von den Vereinten Nationen verabschiedete Resolution hervorgehoben, mit der der 11. Juli als Internationaler Tag des Gedenkens an den Genozid von Srebrenica anerkannt wurde. Deutschland gehörte dabei zu den Staaten, die diese Resolution aktiv mitinitiiert und unterstützt haben.
Die Vertreter der Delegation machten deutlich, dass Nordrhein-Westfalen für viele Menschen bosnischer Herkunft längst zur Heimat geworden ist. Schätzungen zufolge leben heute rund 70.000 Menschen mit Wurzeln in Bosnien und Herzegowina in Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommen zahlreiche eingebürgerte Bürgerinnen und Bürger, die in den Statistiken oftmals nicht mehr gesondert erfasst werden.
Die bosnischstämmige Bevölkerung zählt zu den erfolgreich integrierten Einwanderergruppen in Deutschland. Viele Familien haben im Laufe der vergangenen Jahrzehnte die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen und engagieren sich aktiv in Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Kultur, Sport, Politik und im Ehrenamt. Allein im Jahr 2025 erhielten in Nordrhein-Westfalen mehr als 1.700 Menschen aus Bosnien und Herzegowina die deutsche Staatsangehörigkeit.
Der Vorsitzende des Landesverbandes der Bosnischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, Mustafa Burnić, erläuterte die Bedeutung der organisierten Gemeindestrukturen. Allein die 28 dem Landesverband angeschlossenen Gemeinden umfassen mehr als 9.000 Familien mit rund 30.000 aktiven Mitgliedern und Angehörigen. Damit stellen sie einen wichtigen gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Faktor innerhalb der bosnischen Bevölkerung Nordrhein-Westfalens dar.
Der Hauptimam des Landesverbandes, Muamer Mujarić, bedankte sich für die Einladung und unterstrich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen den bosnischen Organisationen. Besonders würdigte er die Arbeit von Amanet e.V., das seit vielen Jahren Gedenkveranstaltungen, Bildungsprojekte und öffentliche Initiativen zur Erinnerung an den Genozid von Srebrenica organisiert und damit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur in Nordrhein-Westfalen leistet.
Sabaha Odobašić von der Jugendgruppe Köln nahm ebenfalls an dem Austausch teil. Sie brachte die Perspektive der jungen Generation ein und betonte die Bedeutung, die gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen an Jugendliche weiterzugeben. Zugleich sprach sie sich dafür aus, junge Menschen noch stärker in Bildungsarbeit, Gedenkveranstaltungen und Dialogformate einzubinden, damit die Erinnerung an Srebrenica lebendig bleibt und Verantwortung auch von kommenden Generationen getragen wird.
Sejfudin Dizdarević vom Srebrenica Awareness Network machte darauf aufmerksam, dass sich auch die deutsche Justiz frühzeitig mit den Verbrechen in Bosnien und Herzegowina auseinandergesetzt hat. So verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf bereits am 26. September 1997 den bosnischen Serben Nikola Jorgić wegen Völkermordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Damit gehörte Deutschland zu den ersten Staaten, die die schwersten Verbrechen des Bosnienkrieges strafrechtlich verfolgten und juristisch aufarbeiteten.
Im weiteren Verlauf des Gespräches wurden Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit zwischen den bosnischen Organisationen und interessierten Abgeordneten des Landtags Nordrhein-Westfalen erörtert. Diskutiert wurden unter anderem die Durchführung einer regelmäßigen Gedenkveranstaltung anlässlich des 11. Juli, die stärkere Einbindung der bosnischen Bevölkerung in parlamentarische Formate sowie die Unterstützung von Bildungs- und Aufklärungsprojekten für junge Menschen.
Volkan Baran zeigte als Landtagsabgeordneter und integrationspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion großes Interesse an den vorgetragenen Anliegen und betonte die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur sowie eines kontinuierlichen Austauschs zwischen Politik und Zivilgesellschaft. Er begrüßte ausdrücklich das Engagement der anwesenden Organisationen und deren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Nordrhein-Westfalen. Zugleich sagte er zu, die vorgestellten Ideen und Anliegen im parlamentarischen Raum zu begleiten und Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit mit Abgeordneten des Landtags Nordrhein-Westfalen zu unterstützen.
Im Anschluss an das Gespräch erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Führung durch den Landtag Nordrhein-Westfalen und konnten einen Einblick in die parlamentarische Arbeit des Landes gewinnen.
Die Delegation dankte Volkan Baran herzlich für die Einladung, den offenen Dialog und die Wertschätzung gegenüber den Menschen bosnischer Herkunft in Nordrhein-Westfalen.
Abschließend wurde auf den diesjährigen Friedensmarsch zum Gedenken an die Opfer des Genozids von Srebrenica hingewiesen, der am 04. Juli 2026 in Dortmund stattfinden wird. Der von Amanet e.V. – Deutsch-Bosnische Initiative NRW seit vielen Jahren organisierte Friedensmarsch zählt mittlerweile zu den bedeutendsten Gedenkveranstaltungen dieser Art in Deutschland und bringt Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Generationen zusammen, um ein gemeinsames Zeichen gegen Hass, Ausgrenzung, Menschenrechtsverletzungen und Völkermord zu setzen.
Besonders erfreut zeigte sich die Delegation darüber, dass Volkan Baran seine Teilnahme an der diesjährigen Veranstaltung bereits zugesagt hat und damit seine Verbundenheit mit der Erinnerungskultur sowie sein persönliches Engagement für ein friedliches und demokratisches Miteinander erneut unterstreicht.
Teilnehmende Organisationen
• Amanet e.V. – Deutsch-Bosnische Initiative NRW
• Landesverband der Bosnischen Gemeinden NRW
• Jugendverband der Bosnischen Gemeinden
• Pangea Netzwerk
• Srebrenica Awareness Network
Gemeinsam erinnern. Gemeinsam Verantwortung übernehmen. Gemeinsam für Demokratie, Menschenrechte und ein friedliches Miteinander eintreten.