06/11/2020
Es gibt Neuigkeiten: Vier Jahre nach dem Tod ihres Mannes startet die einstige Gründerin von Kleiner Leuchtturm wieder durch.
Zwar nicht mit einer neuen Beratungsstelle, aber mit einem kreativen Coachingangebot - im frisch renovierten Lütte Lockes Landhuus.
Es wäre wunderbar, wenn Freunde und Förderer von früher sie bei diesem Weg unterstützen. Danke! 💚
Das hat schon Martin Luther King gesagt, aber mir geht es genauso: Ich habe einen Traum.
Eigentlich schon sehr lange. Lange bevor es Lütte Lockes Landhuus und Blattwenden gab.
Genau vor zwanzig Jahren im Herbst haben Markus und ich dieses Haus gekauft. Extra etwas größer, weil wir nicht nur für uns einen Zufluchtsort suchten.
Dieses Haus sollte ein Ort sein, der auch anderen ein Stück Heimat bietet. Zum Durchatmen, neu sortieren, wie ich es heute nennen würde – zum Blattwenden.
Zehn Jahre haben wir das mithilfe unserer Beratungsstelle getan und Menschen in Lebenskrisen begleitet. Und uns online mit unserer Initiative „EDENerdig“ für andere Menschen eingesetzt, die wie wir als Krüppel-Family ausgegrenzt wurden.
Als Markus vor vier Jahren das Leben mit Querschnittslähmung und Phantomschmerzen nicht mehr aushielt und Suizid beging, verlor ich diesen Traum aus den Augen. Für mich zählte nur noch, zumindest unser Zuhause zu retten, nachdem Lütte Locke ihren Vater verloren hatte, und ich meinen Job und die Beratungsstelle.
Es hat mehr als vier Jahre gedauert, um es zu retten. Auch wenn wir immer noch auf einer Baustelle leben. Ich habe einen neuen Beruf; ich studiere Bildhauerei, und kann meine drei Begabungen – Kunst, Schreiben und Coachen – im Projekt Blattwenden ausleben.
Wie einst unsere Beratungsstelle und unsere Initiative auf Spendenbasis. Aus vollster Überzeugung.
Weil ich nach wie vor finde, dass Menschen in Lebenskrisen sich nicht noch zusätzlich Sorgen ums Geld machen sollten. Und weil ich das selbst nicht nur aus der Zeit nach Markus´ Suizid sehr gut kenne.
Letztens habe ich diesen Regenbogen fotografiert. Direkt vor unserer Haustür. Ein Symbol der Hoffnung. Auch deshalb habe ich mich Greenwoman genannt. Wegen der Hoffnung. Weil es für mich nicht infrage kommt aufzugeben. Nicht nur für mich und die Lütte Locke. Auch für andere.
Mein Traum ist und bleibt, dass dieses Haus, Lütte Lockes Landhuus, nicht nur ein Ort für unsere neue Familie sein soll. Ja, ich möchte hier mit dem Wikinger Skulpturen gießen und mit der Lütten Locke auf Festivals und schottische und Mittelaltermärkte fahren, um dort Kunst zu verkaufen. Ich liebe es, unter Menschen zu sein, die sich für Natur und Kultur interessieren. Ich mag Freaks, schon immer. Bin ja selbst einer. 😉
Es gibt aber viele da draußen, die ähnliches erlebt haben und werden wie ich. Besonders jetzt in der Pandemie. Besonders in den nächsten Monaten nach der Pandemie. Die Suizide steigen.
Deshalb kann und mag ich nicht nur Betonkunst verkaufen. Ich möchte weiter mit meinen Begabungen dazu beitragen, dass andere Menschen ihr Lebensblatt nach einem Umbruch wieder wenden können.
Deshalb möchte ich einen Teil des Hauses wieder für andere zur Verfügung stellen. Ich möchte ein Atelier aufbauen, in dem ich Skulpturen und Kunst für Ausstellungen erschaffe, die auf Suizid und andere Themen rund um Tod und Neubeginn hinweisen.
In dem ich Kreativzeiten für andere Suizid-Hinterbliebene anbiete, für Trauernde, für Menschen nach plötzlichen Lebensumwälzungen. Ich möchte wie der Regenbogen Hoffnung schenken. Aber nicht nur das.
Ich möchte Blattwenden vergrößern. Denn es ist schon gewachsen. Es ist kein kleines Projekt mehr, nicht nur ein Blog, in dem ich über meine Erfahrungen nach Markus´ Suizid berichte. Es ist ein kleines Onlinemagazin geworden. Das weiter wachsen soll.
Doch das kann ich nicht alleine. Ich brauche ein Team. Und genau deshalb möchte ich einen eigenen Verein für Blattwenden gründen. Um mit anderen und deren Begabungen, die meine ergänzen, anderen Hoffnung zu geben.
Beim Posten des Regenbogens in meinem privaten Account wurde ich gefragt, ob ich den Goldtopf schon gefunden hätte. Noch nicht, habe ich geantwortet. Aber auch, dass ich genau wüsste, was ich damit täte:
Ich würde nicht nur einen Verein, sondern eine Stiftung gründen. Ich würde Hinterbliebenen nach Suizid und anderen Menschen in ähnlichen Lebensumbrüchen auf vielfältige Weise Unterstützung anbieten.
Ich würde ein Team bilden für die Redaktion des Onlinemagazins, fürs Fundraising, für Social Media, für Online- und Telefoncoaching, Kunstausstellungen, Grafikdesign. Ich würde bevorzugt Menschen einstellen, die meinen Traum teilen und ein genauso bewegtes Leben hinter sich haben wie ich.
Ein noch größerer Traum wäre eine eigene App, die Menschen nach einem Suizid oder einer ähnlichen Lebenskrise mindestens durch die ersten zwölf Monate begleitet.
Nun habe ich keine Stiftung. Aber ich habe ein Haus. Zumindest eine Baustelle. Ich habe noch keinen Verein. Aber ich habe ein gemeinnütziges Projekt. Und vor allem: Ich habe weiterhin meinen Traum.
Er ist wieder aufgetaucht unter dem Schutt der letzten Jahre. Er ist immer noch da. Und ich bin immer noch von ihm begeistert. Und motiviert, ihn wieder neu anzupacken. Besonders jetzt in Pandemiezeiten.
Vermutlich gibt es jetzt einige unter euch, die denken, dass ich spinne. Dürft ihr auch. Stimmt ja auch. Ich spinne Ideen.
Das haben einige schon gedacht, nachdem ich gesagt habe, dass ich mein Haus behalten und sanieren möchte. Oder dass ich Bildhauerei studieren möchte. Beides hat geklappt. Und im Gegensatz zum Haus und meiner Ausbildung ist Blattwenden nicht etwas für mich. Es ist was für alle.
Klar kommt jetzt an euch die Frage, ob ihr mir dabei helft, diesen Traum zu verwirklichen. Klar werden einige von euch genervt sein. Aber ich weiß, es gibt noch mehr Freaks wie mich da draußen. Und an euch richte ich mich jetzt:
Helft ihr mir, meinen Traum zu leben? Wollen wir gemeinsam anderen dabei helfen, ihr Lebensblatt nach dem Suizid eines geliebten Menschen oder einer ähnlichen Lebensumbruchs zu wenden? Gerade jetzt, mitten in einer Pandemie?
Dann schaut euch bitte an, wie es gehen kann. Es geht nicht nur ums Geld, auch um Zeit und Fähigkeiten: https://green-woman.de/freunde und https://green-woman.de/greenwoman-werden
Und erzählt bitte anderen davon. Damit ein kleines, aber feines Projekt nicht nur eine Zukunft hat, sondern eine Zukunft für andere wird.
Ich danke euch. Mit allen Farben des Regenbogens. Be blessed. 🌈