29/03/2026
Zu der Jahreshauptversammlung des NABU Donsbach konnte Frank Markus Dietermann, der Vorsitzende der Ortsgruppe, Mark Harthun begrüßen. Harthun ist beim NABU-Landesverband Hessen Geschäftsführer für den Bereich Naturschutz. Dem NABU Donsbach war es wichtig zu erfahren, wie der aktuelle Sachstandsbericht für die hessischen Wälder aussehe.
Harthun, der weit über die hessischen Grenzen hinaus für sein hohes Fachwissen bekannt ist, erläuterte anhand einer Präsentation den Zustand der Wälder in Hessen. Dabei ging er zunächst auf die Grundlagen der Artenvielfalt im Wald ein. Er führte aus, dass seit 2018 rund 90.000 Hektar, also etwa 10 Prozent der hessischen Wälder, abgestorben seien. Dies sei vor allem auf die fehlende Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel, die vermehrte Freisetzung von zuvor gebundenem Kohlendioxid sowie auf ein unvollständiges Ökosystem zurückzuführen, da alte Baumbestände mit einem Alter von mehr als 120 Jahren fehlten.
Durch diesen Negativtrend verringere sich die Artenvielfalt. Gerade alte Bäume dienten vielen Tier- und Vogelarten als Heimat. Auch Totholz und Baumpilze seien Lebensraum für über 600 Insektenarten. Die Strukturen, die sich erst in Altholzbeständen bildeten, fehlten. Eines von vielen Beispielen sei die Rinde der Buche, die erst spät eine raue Struktur ausbilde und dann für den Mittelspecht zur Nahrungssuche wichtig sei. In Naturwäldern gebe es etwa 250 solcher Strukturen, während ein Wirtschaftswald nur etwa 50 aufweise.
Ein weiteres Beispiel sei die Mopsfledermaus, die unter abblätternder Rinde Kolonien bilde. Da sie zum Schutz vor Prädatoren täglich zu einem anderen Baum umziehe, brauche eine Kolonie rund 40 Bäume mit abblätternder Rinde in der näheren Umgebung. Weiter könne, so Harthun, die Habitatkontinuität für Insekten ohne Altholzbestände nicht gewährleistet werden. So könnten im Nationalpark Kellerwald-Edersee noch 36 von 120 sogenannten Urwaldreliktarten nachgewiesen werden. Käfer benötigten dieselben Strukturen in einem Umkreis von 500 Metern, andernfalls würden sie aussterben.
Die Dürresommer hätten dazu geführt, dass klimaangepasste Baumarten erforscht würden. Leider rate die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt zu Risikobäumen wie der Douglasie, die zwar für die Forstwirtschaft von Vorteil sei, jedoch keine einheimische Art darstelle. Der NABU rate unter anderem zur Buche. Das Kronendach der Wälder müsse dicht bleiben. Falsch sei es, so Harthun, wenn der Forst allein auf die Verjüngung der Wälder setze. Dann werde nur auf den schnellen Wuchs der Bäume geschaut, um diese nach wenigen Jahrzehnten wieder zu fällen. Wichtig sei vielmehr, dass sich die Wälder selbst erholten. Der Vorteil liege darin, dass dadurch in späteren Jahren eine deutlich höhere Kubikmeterzahl an Holz erwirtschaftet werden könne.
In vielen anderen Bereichen sei die Politik weiter. Als Beispiel nannte Harthun, dass immer mehr Flüsse und Bäche renaturiert würden. Diese wichtige Renaturierung müsse auch dem Wald zugutekommen. Im Gegensatz zur Renaturierung der Gewässer habe der Forst dies bei den Wäldern noch nicht erkannt.