29/01/2026
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Gegendarstellung, Thema Komoran
Der Fischereiverband Saar (Körperschaft des öffentlichen Rechts) nimmt die veröffentlichte Pressemeldung des Ornithologischen Beobachterrings Saar (OBS) zur Kenntnis und erkennt ausdrücklich an, dass die im Rahmen der gemeinsamen Schlafplatzzählung ermittelten Zahlen von 822 Kormoranen an 18 bekannten Schlafplätzen methodisch korrekt erhoben wurden. Die Bereitschaft zur gemeinsamen Zählung wird grundsätzlich begrüßt.
Gleichzeitig sieht sich der Fischereiverband Saar aufgrund fachlicher, methodischer und ökologischer Aspekte zu einer fundierten Gegendarstellung veranlasst.
1. Methodische Unvollständigkeit der Bestandsaufnahme
Trotz der gemeinsamen Zählung bleibt aus Sicht des Fischereiverbandes eine zentrale fachliche Frage bislang unbeantwortet: Wie werden nicht erfasste und bislang unbekannte Schlafplätze in die Gesamtbewertung einbezogen?
Insbesondere aus den Regionen Obere Prims und Blies sowie aus waldreichen, schwer zugänglichen Gewässerabschnitten liegen seit Jahren belastbare Hinweise auf weitere regelmäßig genutzte Schlafplätze vor. Diese wurden in der aktuellen Zählung nicht berücksichtigt. Entsprechende Rückfragen des Fischereiverbandes blieben bislang unbeantwortet.
Aus populationsökologischer Sicht ist festzuhalten, dass Schlafplatzzählungen stets Mindestbestände abbilden, sofern nicht flächendeckend alle potenziellen Habitate systematisch erfasst werden.
2. Rückläufige Kormoranzahlen relativieren den Fraßdruck nicht
Der Fischereiverband Saar widerspricht ausdrücklich der Schlussfolgerung, dass ein rückläufiger Kormoranbestand automatisch zu einer Erholung der Fischbestände führen müsse.
Unabhängig von historischen Vergleichszahlen stellt der aktuelle Bestand weiterhin einen ökologisch nicht tragfähigen Prädationsdruck für kleine und mittelgroße Fließgewässer dar. Selbst reduzierte Kormoranbestände können lokal vollständige Fischpopulationen eliminieren.
3. Ursachen-Wirkungs-Umkehr
Der Rückgang der Kormorane ist aus Sicht des Fischereiverbandes kein Entlastungsargument, sondern ein Indikator bereits massiv geschädigter Fischbestände. Wo kein ausreichendes Nahrungsangebot mehr vorhanden ist, sinkt zwangsläufig auch die Zahl der Prädatoren.
4. Dramatischer Zustand der heimischen Fischfauna
Die Äsche ist in vielen saarländischen Gewässern nahezu vollständig verschwunden. Bachforelle, Nase und Hasel weisen drastische Bestandsverluste auf.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass Kormoranprädation in Fließgewässern mit begrenztem Rückzugsraum ein wesentlicher populationsbegrenzender Faktor ist.
5. Fischproduktion und Fraßdruck
Aus fischereibiologischer Sicht ist festzustellen, dass selbst bei den derzeit registrierten rund 800 Kormoranen in den Wintermonaten der kumulative tägliche Nahrungsbedarf dieser Population die jährliche natürliche Produktion an Leit- und Jungfischen in den betroffenen saarländischen Gewässern übersteigt. Damit werden dauerhaft mehr Fische entnommen, als durch natürliche Reproduktion nachgeliefert werden können. Unter diesen Bedingungen ist eine Erholung oder Zunahme der Fischbestände fachlich nicht zu erwarten.
6. Weitere Belastungsfaktoren
Weitere Belastungen wie Gewässerverschmutzung, Klimawandel oder Habitatverlust sind bekannt und werden ausdrücklich anerkannt. Sie wirken kumulativ, stellen aus Sicht des Fischereiverbandes jedoch nicht die primäre Ursache für den akuten Zusammenbruch ganzer Fischpopulationen dar.
7. Naturschutz endet nicht an der Wasseroberfläche
Naturschutz darf nicht selektiv sein. Flora und Fauna bilden eine ökologische Einheit, deren Schutz nicht an der Wasseroberfläche enden darf.
8. Positionierung und Ausblick
Der Fischereiverband Saar distanziert sich ausdrücklich von den Schlussfolgerungen der Pressemeldung.
Gleichzeitig befindet sich der Fischereiverband Saar weiterhin in konstruktiven Gesprächen mit dem Ministerium für Umwelt und wird sich auch künftig mit aller fachlichen und rechtlichen Konsequenz dafür einsetzen, die heimischen Gewässer zu schützen und noch im laufenden Jahr tragfähige Lösungen zur Regulierung der Kormoranproblematik zu erarbeiten.
Pressemeldung Fischereiverband Saar
symbolfoto Pixabay/jggrz