11/10/2023
Botschaft des Dorfes zu den aktuellen Ereignissen
(Sonntag, 08.10.2023)
An unsere weltweiten treuen Freunde!
Gestern wachten wir an einem grauenhaften Tag auf. Einem Tag voller Angst, Schock und Ungewissheit. Wir stellten fest, wir gehen in eine komplizierte spannungsgeladene Zeit, in der unser Lager - das Lager des Friedens, der gemeinsamen Gesellschaft, das Lager der Vernunft und der Besonnenheit - von allen Seiten angegriffen wird.
Trotzdem bleiben bei unserer Überzeugung, dass der von uns gewählte Weg der einzige Weg zu Vernunft und Frieden ist.
Hunderte von Opfern - die meisten von ihnen unschuldige Zivilisten - haben bereits einen entsetzlichen Preis gezahlt und das Blutvergießen geht weiter.
Wir trauern um all die Toten auf beiden Seiten der Grenze und fühlen mit den Familien, die ihre Angehörigen verloren haben. Wir sorgen uns um diejenigen, die als Geiseln genommen wurden
und hoffen auf ihre sichere Rückkehr. Wir hören das Geräusch einschlagender Raketen, die unsere Böden und unsere Kinder gleichermaßen erzittern lassen.
In den sozialen Medien wird zu Racheakten an arabischen Bürgern aufgerufen, zur gleichen Zeit werden arabische Israelis aufgefordert, sich dem Kampf um Gaza anzuschließen. Das alles verstärkt unseren ohnehin schon hohen Angstpegel und wir fürchten uns vor rechtsextremen jüdische Aktivisten, die bereits Lynchmorde planen.
Angesichts dieser neuen, unerwarteten Lage haben wir beschlossen, die Sicherheitsmaßnahmen innerhalb des Dorfes zu verstärken. Neben den Patrouillen des externen Sicherheitsdienstes haben die Jugendlichen des Dorfes Bereitschaftsgruppen gebildet, alle Schutzräume wurden geöffnet und die Notfall-Ersthelfer sind vorbereitet, in der Hoffnung, dass sie nicht gebraucht werden. Das Schulpersonal erhält Unterstützung vom Bildungsministerium (die Schulen sind vorerst geschlossen), die Einrichtungen werden von den örtlichen Behörden und den gemeinsamen Teams unterstützt, um möglichen unvorhersehbaren Ereignissen begegnen zu können.
Erneut bringt uns eine unfassbare Realität in unserer Region zu demselben Schluss: Es gibt keine wirkliche Lösung ohne wirklichen Frieden!
Auf dem Weg dahin gibt es keine Abkürzungen. Wir können nur dann in Ruhe und Sicherheit leben, wenn wir die vollen Rechte jedes einzelnen Menschen, ob Palästinenser, Israeli, Jude oder Araber, der zwischen dem Fluss und dem Meer lebt, anerkennen. Wir alle brauchen ein Leben in Sicherheit, Freiheit und wirklicher Demokratie.
Liebe Freundinnen und Freunde:
Gerade jetzt, wo der Sturm um uns herum immer stärker wird und wir uns alle in einem emotionalen Alarmzustand befinden, ist es für uns in Wahat al-Salam ∙ Neve Shalom, für die Mitglieder und Bildungseinrichtungen, die School for Peace, die binationale Grundschule, das Pluralistic Spiritual Center und alle, die an eine gemeinsame Gesellschaft glauben, wichtig, weiterhin ein Wegweiser zu sein, unsere Fackeln in der Dunkelheit um uns herum zu entzünden und ein Vorbild für Frieden, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit zu sein.
Wir sind zutiefst dankbar für all unsere Freunde in der Welt, die unsere Sache unterstützen und, egal in welcher Situation, für uns eintreten. Wir halten Euch auf dem Laufenden.
In Verbundenheit und der Hoffnung, dass wir den Frieden erleben werden!
Samah Salaime
Wahat al-Salam ∙ Neve Shalom
Übersetzung Ulla Philipps-Heck