17/10/2026
Der Internationale Tag zur Beseitigung der Armut am 17. Oktober steht 2026 unter dem Schwerpunkt „Safe Homes for All“. Die Frage nach sicherem Wohnraum möchten wir aus der Perspektive parteilicher Betroffenenberatung weiterdenken.
Denn ein Zuhause ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es sollte Schutz, Rückzug und Privatsphäre ermöglichen. Rechte Gewalt kann all das infrage stellen.
Menschen, die wohnungslos sind, können an Orten angegriffen werden, an denen sie notgedrungen schlafen oder sich aufhalten. Durch Doxxing können persönliche Daten und Adressen zur Grundlage weiterer Einschüchterung werden. Und wenn die Gewalt aus der Nachbarschaft kommt oder sich im unmittelbaren Wohnumfeld ereignet, kann selbst die eigene Wohnung ihren Charakter als sicherer Rückzugsort verlieren.
Die Folgen reichen über den unmittelbaren Angriff hinaus. Angst, psychische Belastungen, sozialer Rückzug und der Verlust vertrauter Räume können den Alltag nachhaltig verändern. Wer ohnehin unter prekären Bedingungen lebt, hat häufig weniger Möglichkeiten, einer Bedrohung auszuweichen, umzuziehen oder die Folgen finanziell aufzufangen.
Armut ist keine Ursache rechter Gewalt. Die Verantwortung für Angriffe liegt bei den Täter*innen. Aber soziale Unsicherheit kann dazu beitragen, dass Betroffene weniger Möglichkeiten haben, sich vor den Folgen zu schützen.
Als parteiliche Betroffenenberatungsstelle stellen wir deshalb die Perspektive der Betroffenen ins Zentrum. Wir nehmen ihre Erfahrungen ernst, unterstützen sie bei der Bewältigung der Folgen und setzen uns dafür ein, dass sie Handlungsspielräume zurückgewinnen.
Dafür braucht es mehr als individuelle Unterstützung: bezahlbaren und sicheren Wohnraum, soziale Absicherung, Schutz vor Bedrohungen und eine dauerhaft verlässlich finanzierte unabhängige Betroffenenberatung.
Ein sicheres Zuhause darf keine Frage des Geldes sein. Und niemand sollte aus Angst vor rechter Gewalt den eigenen Lebensraum aufgeben müssen.