20/01/2026
Kommentar der Schulleitungsvereinigung NRW zur Aussage von Ministerin Feller zur Arbeitszeiterfassung
Die Aussagen von Bildungsministerin Dorothee Feller zur Arbeitszeiterfassung bei Lehrkräften erfordern aus Sicht der Schulleitungsvereinigung NRW eine klare Einordnung.
Es ist weder angemessen noch zielführend, wenn eine Ministerin mit der Durchsetzung der gesetzlich vorgesehenen Arbeitszeiterfassung argumentiert und in diesem Zusammenhang Szenarien wie Anwesenheitspflicht in den Ferien oder ausgeweitete Präsenzzeiten in den Raum stellt. Eine solche Herangehensweise verkennt die Realität schulischer Arbeit und setzt an der falschen Stelle an.
Lehrerinnen und Lehrer arbeiten nachweislich mehr, als sie müssten. Zahlreiche Studien belegen seit Jahren eine strukturelle Mehrarbeit, die deutlich über die reguläre Arbeitszeit hinausgeht. Diese entsteht nicht durch formale Vorgaben, sondern aus professioneller Verantwortung: für Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Beratung, Schulentwicklung, Inklusion, Digitalisierung, Krisenbewältigung und Beziehungsarbeit. Ein erheblicher Teil dieser Arbeit findet zudem außerhalb der Schule statt – zu Hause, am Wochenende oder in den Abendstunden. Arbeitszeiterfassung ist daher selbstverständlich auch ortsunabhängig möglich und keineswegs an Präsenz in der Schule gebunden.
Vor diesem Hintergrund kann Arbeitszeiterfassung – wenn überhaupt – nur als Schutzinstrument gedacht werden. Wer sie jedoch mit dem möglichen Verlust von Freiheiten oder mit zusätzlichen Präsenzpflichten verknüpft, verfehlt ihren Zweck. Das erzeugt Misstrauen, demotiviert Beschäftigte und widerspricht der professionellen Eigenverantwortung, auf der schulische Arbeit seit jeher beruht.
Die Realität ist eindeutig: Das System Schule funktioniert nur deshalb, weil Lehrkräfte regelmäßig über ihre formale Pflicht hinaus arbeiten. Eine konsequent umgesetzte Arbeitszeiterfassung würde diese Realität sichtbar machen. Genau das erklärt auch, warum sie politisch offenbar mit Vorbehalten betrachtet wird: Sie würde strukturelle Überlastung offenlegen und damit den Handlungsdruck auf Politik und Verwaltung erhöhen.
Eine Bildungsministerin sollte daher nicht mit arbeitsrechtlichen Drohszenarien operieren, sondern anerkennen, was täglich geleistet wird. Wer ernsthaft über Arbeitszeiterfassung spricht, muss zugleich über Entlastung, realistische Aufgabenprofile und verlässliche Rahmenbedingungen sprechen – nicht über Anwesenheitspflicht in unterrichtsfreien Zeiten.
Die Schulleitungsvereinigung NRW steht für Wertschätzung, Vertrauen und Professionalität. Was Schulen brauchen, ist keine Drohkulisse, sondern eine ehrliche Debatte über Arbeitsbelastung – und den politischen Willen, aus bekannten Erkenntnissen endlich Konsequenzen zu ziehen.
Bild ist KI generiert