01/10/2026
Die AfD muss nicht regieren, um Macht zu gewinnen. Es reicht, wenn demokratische Parteien beginnen, mit ihr über Mehrheiten, Ämter und Regierungsverantwortung zu verhandeln.
In Sachsen-Anhalt wurde die AfD mit 43,8 Prozent stärkste Kraft und gewann 39 von 83 Sitzen. Für die absolute Mehrheit fehlen ihr damit nur drei Sitze. Auch in Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD stärkste Kraft – mit 38,2 Prozent und 32 von 71 Sitzen.
Entscheidend ist aber immer, wie die anderen Parteien reagieren: In Mecklenburg-Vorpommern schlossen alle anderen im Landtag vertretenen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD aus.
In Sachsen-Anhalt ist die Lage anders: CDU, SPD, Grüne und Linke lehnten Gespräche mit der AfD ab. Das BSW blieb zunächst gesprächsbereit, schloss eine Koalition mit der AfD später aus, will aber die Wahl eines AfD-Ministerpräsidenten nicht blockieren. Die CDU hält eine Minderheitsregierung ohne die AfD grundsätzlich für machbar, will selbst jedoch in die Opposition gehen und lehnte Gespräche über eine solche Regierungsbildung ab. Damit unterstützt sie nicht automatisch eine AfD-Regierung, erschwert aber eine Alternative ohne die AfD.
Vor allem CDU, SPD, Grüne und Linke halten also als Parteien an der Brandmauer fest. Trotzdem ist jeglicher Austausch mit der AfD nicht folgenlos und beeinflusst die gegenseitige Einstellung – zum Beispiel bei der Wahl des Ministerpräsidenten, der nicht von den Wähler*innen, sondern vom Landtag gewählt wird.
Genau deshalb ist ein Gespräch mit der AfD nicht einfach nur ein Gespräch. Sobald der Austausch stattfindet, öffnet sich die Tür für politische Normalisierung: In diesem Fall für eine Normalisierung rechtsextremer Ideologie.