16/10/2026
Die Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld verurteilt die antisemitische Inszenierung bei einer sogenannten propalästinensischen Demonstration am 8. Oktober am Bielefelder Hauptbahnhof auf das Schärfste.
Bei der Versammlung wurden Puppen auf den Boden gelegt, die in blutgetränkte Verbände gehüllt waren und offenbar getötete Kinder darstellen sollten. Aus Sicht der Jüdischen Gemeinde bedient diese Inszenierung das jahrhundertealte antisemitische Ritualmordnarrativ, mit dem Jüdinnen und Juden seit dem Mittelalter beschuldigt werden, Kinder zu ermorden. Diese Verleumdung hat über Jahrhunderte hinweg Verfolgung, Pogrome und Morde an jüdischen Menschen befeuert.
Besonders erschütternd ist der Ort dieser Inszenierung: Sie fand in unmittelbarer Nähe des Mahnmals statt, das an die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aus Bielefeld deportierten Jüdinnen und Juden erinnert. Darüber hinaus wurden unmittelbar an dem Mahnmal Zettel angebracht, mit denen für eine Demonstration in Berlin geworben wurde.
„Wer in unmittelbarer Nähe eines Mahnmals für die Opfer der Schoa antisemitische Bildmotive inszeniert und den Gedenkort für politische Propaganda benutzt, überschreitet eine Grenze, die nicht hinnehmbar ist“, erklärt Irith Michelsohn, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld.
Die beworbene Berliner Demonstration war ihrerseits durch die Beteiligung umstrittener Akteure und antisemitische beziehungsweise extremistische Parolen aufgefallen. Dass ausgerechnet am Mahnmal für deportierte Jüdinnen und Juden für eine solche Veranstaltung geworben wurde, macht die Vorgänge in Bielefeld umso unerträglicher.
Die für die Bielefelder Versammlung verantwortliche Gruppe „Solidarität mit Palästina“ muss sich an ihren Taten messen lassen. Wer jahrhundertealte antisemitische Feindbilder reproduziert und einen Erinnerungsort an die nationalsozialistische Judenverfolgung für seine Agitation vereinnahmt, kann sich nicht glaubwürdig auf Solidarität berufen.
Hier geht es nicht um legitime Kritik an der israelischen Regierung oder um Mitgefühl mit den Opfern des Krieges. Hier wird Antisemitismus verbreitet.
Die Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld fordert die zuständigen Versammlungsbehörden deshalb auf, den Schutz des Mahnmals am Hauptbahnhof künftig konsequent sicherzustellen. Der Gedenkort darf weder von neonazistischen noch von islamistischen oder anderen antisemitischen Gruppierungen für ihre politische Propaganda missbraucht werden.
Das Gedenken an die aus Bielefeld deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden ist nicht verhandelbar. Wer diesen Ort für antisemitische Hetze instrumentalisiert, muss mit einer klaren Reaktion des Rechtsstaates rechnen.