22/06/2026
Wälder sind ein zentraler Bestandteil unseres Planeten. Nicht ohne Grund werden sie oft als „Lungen der Erde“ bezeichnet. Sie nehmen große Mengen Kohlendioxid (CO₂) auf und geben gleichzeitig Sauerstoff (O₂) an die Atmosphäre ab. Damit tragen sie entscheidend zur Stabilisierung unseres Klimas bei.
Doch ihre Bedeutung geht weit darüber hinaus. Wälder reinigen und speichern (Süß-)Wasser, schützen Böden vor Erosion, regulieren das Wetter, bieten Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und sind laut WWF für mehr als 1,6 Milliarden Menschen eine zentrale Lebensgrundlage.
Wenn Wälder verschwinden, gehen all diese Funktionen verloren. Der Erdsystemforscher Johan Rockström, der das Konzept der planetaren Belastungsgrenzen entwickelt hat, betont daher, dass mindestens 75 % der ursprünglichen Waldflächen erhalten bleiben müssen, um die Stabilität unseres Planeten zu sichern.
Doch ein Blick auf den aktuellen Planetaren Gesundheitscheck des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung zeigt, wie kritisch die Lage bereits ist: Weltweit sind nur noch etwa 59 % der potenziellen Waldflächen erhalten – deutlich unterhalb dieser sicheren Grenze. Damit befinden sich die globalen Waldökosysteme bereits außerhalb des sicheren Handlungsraums, und alle großen Waldbiome haben ihre Belastungsgrenzen in unterschiedlichem Ausmaß überschritten.
Besonders herausragend sind die tropischen Regenwälder rund um den Äquator. Sie gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde und werden oft als „Biodiversity Hotspots“ bezeichnet. Nirgendwo sonst ist die Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen so groß.
Der Amazonas-Regenwald spielt sogar eine Schlüsselrolle für das globale Klima. Seine Pflanzen binden enorme Mengen CO₂ und beeinflussen gleichzeitig den weltweiten Wasserkreislauf. Durch die tropisch-warmen Temperaturen verdunsten große Wassermengen, die zur Wolkenbildung und zu großflächigen Niederschlägen beitragen – nicht nur im Amazonasgebiet, sondern weit darüber hinaus.
Doch genau dieses empfindliche System gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Vor allem die Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Flächen treibt die Abholzung voran – oft schleichend und über Jahre hinweg kaum sichtbar. Häufig beginnt die Zerstörung sogar mit illegalem Holzeinschlag, bevor die Flächen für Landwirtschaft oder Viehzucht genutzt werden.
Im Amazonasgebiet zeigt sich diese Entwicklung besonders drastisch: Zwischen 2001 und 2024 ist die Waldfläche erheblich geschrumpft. Immer weiter dringen menschliche Aktivitäten in zuvor unberührte Gebiete vor. Holzeinschlag und Brandrodungen zerstören nicht nur Bäume, sondern stören auch den empfindlichen Wasserkreislauf.
Die Folgen sind gravierend: Wenn zu viel Wald verloren geht, droht ein Kipppunkt. Der Amazonasregenwald ist darauf angewiesen, seinen eigenen Niederschlag zu recyceln, um stabil zu bleiben. Anhaltende Abholzung und steigende Temperaturen könnten jedoch bis zu 40 % der Region in eine savannenähnliche Landschaft verwandeln. Das geschädigte Bodengefüge könnte dann nicht mehr genügend Wasser speichern – eine Rückkehr zum ursprünglichen Regenwald wäre kaum möglich.
Diese Entwicklungen beschränken sich nicht nur auf Südamerika. Auch im Kongobecken und in Südostasien schreitet die Abholzung tropischer Wälder rapide voran. In Afrika und Südostasien ist die Ausweitung von Ackerflächen die Hauptursache für Waldverlust, während in Südamerika und Ozeanien die Viehzucht eine größere Rolle spielt.
Der Verlust von Wäldern bringt uns immer weiter aus dem sicheren Handlungsraum der planetaren Grenzen heraus, wodurch das Risiko für irreversible Veränderungen im Erdsystem erheblich steigt. Johan Rockström fordert deshalb ein vorausschauendes und international abgestimmtes Landmanagement, um die verbleibenden Waldflächen langfristig zu erhalten.
Sein Vorschlag zur Einhaltung dieser Grenze sieht vor, Ackerland auf die produktivsten Flächen zu konzentrieren. Gleichzeitig müssen Prozesse kontrolliert werden, die zum Verlust produktiver Böden führen – etwa Bodendegradation, der Verlust von Bewässerungswasser sowie die Konkurrenz durch andere Landnutzungen wie Stadtentwicklung oder die Produktion von Biokraftstoffen.
Auch nachfrageseitige Faktoren spielen dabei eine zentrale Rolle. Dazu zählen Ernährungsweisen, der Pro-Kopf-Nahrungsmittelverbrauch, die Bevölkerungsentwicklung sowie Verluste entlang der Lebensmittelversorgungskette. Ergänzend könnten landwirtschaftliche Systeme, die natürliche Prozesse stärker nachahmen (z. B. komplexe Agrarökosysteme), dazu beitragen, die Belastungsgrenze des Systems zu erweitern oder zumindest weniger stark zu überschreiten.
Der World Rainforest Day macht deutlich, wie eng die Zukunft der Menschheit mit dem Zustand der Wälder verknüpft ist. Regenwälder sind nicht nur außergewöhnlich artenreiche Ökosysteme, sondern zentrale Stabilitätsfaktoren des Erdsystems. Ihr Erhalt ist damit nicht nur eine ökologische Aufgabe, sondern eine Voraussetzung für langfristige Klimastabilität, Biodiversität und menschliche Sicherheit.
Du fragst dich, wie wir lokal zum Schutz des tropischen Regenwaldes beitragen können und welche Handlungsmöglichkeiten es hier in Deutschland gibt?
Im Projekt „Wissen.Wirken.Wandeln.“ kannst du diesen Fragen nachgehen, dich mit Ressourcenschutz (z.B. Verzicht auf Palmölprodukte, Biokraftstoffe, Fleisch oder Grillkohle aus Paraguay) auseinandersetzen und gemeinsam mit anderen eine Nachhaltigkeitsaktion entwickeln und umsetzen.
www.naturfreunde-nrw.de/wissenwirkenwandeln