29/01/2026
Denkmal des Monats Februar 2026: Die Eisenbahnbrücken Zülpicher und Luxemburger Straße
Öffentliche Präsentation am 3. Febnruar 2026 um 15.00 Uhr.
Referent: Dr. Alexander Kierdorf
Treffpunkt: Südbahnhof Köln, Otto-Fischer-Straße
Die Teilnahme ist kostenfrei, keine Anmeldung erforderlich!
Obwohl diese seit vielen Jahren als technisches Denkmal eingetragen sind, betreibt die Deutsche Bahn die Zerstörung der historischen Eisenbahn-Überführungen zwischen Venloer und Luxemburger Straße. Die gegenüber der Öffentlichkeit und dem Eisenbahn-Bundesamt als oberster Genehmigungsbehörde vorgebrachten Argumente sind schwach, lückenhaft, teils unbegründet und widersprechen sowohl den Zusagen, die vor Jahren gegenüber den Denkmalbehörden gemacht wurden, wie der aktuellen Sachlage.
Wie einst die Stadtmauer das mittelalterliche Köln, so umschließt der Eisenbahndamm große Teile der Kölner Neustadt nach Westen. Die Durchfahrten für die – teils schon von den Römern definierten, teils neu festgelegten - Ausfallstraßen sind als stählerne Bogenkonstruktionen auf massiven Widerlagern mit Natursteinverkleidung gestaltet und trennen den dicht bebauten Stadtkern vom ehemals aus militärischen Gründen freigehaltenen, nur in kleinen Bereichen im Anschluss an die Eisenbahn bebauten Vorgelände. Diese Situation findet sich auch im Bereich des Bahnhofs Köln-Süd zwischen Zülpicher und Luxemburger Straße. Nur die Dammlage der hier Richtung Bonn und Eifel führenden Eisenbahn ermöglicht bis heute die Koexistenz von des westdeutschen Eisenbahnknotens Köln mit einem einigermaßen ungestörten lokalen innerstädtischen Verkehr.
Mit seinem - bis auf das Empfangsgebäude - in der Form des späten 19. Jahrhunderts erhaltenen Hauptbahnhof als Pendant zum Dom sowie zwei mächtigen Eisenbahnbrücken des frühen 20. Jahrhunderts verfügt Köln über zentrale, ikonisch in der Stadtsilhouette verankerte Eisenbahndenkmale. Diese sind aber nur die Spitze eines äußerst differenzierten und bis in die Vororte reichenden historischen Infrastruktur-Netzes, zu dem insbesondere auch die zahlreichen Überführungen des in Hochlage geführten, in alle Richtungen ausgreifenden Streckennetzes gehören. Während insbesondere im Rechtsrheinischen die Bauten großenteils als gemauerte oder betonierte Bogenbrücken ausgeführt wurden, sind die meist älteren, linksrheinischen Bauten überwiegend Stahlbogenbauten in unterschiedlicher Konstruktionsweise. Vor diesem Hintergrund bemühten sich die für Inventarisation, Denkmalschutz und -Pflege zuständigen Behörden und Ämter, insbesondere das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland mit seiner Fachabteilung für Industrie- und Technikdenkmale, bereits früh, wesentliche und prägende Teile dieser Strecken zu erhalten. Dies führte 2012 zu einer Eintragung von vier Brücken-Ensembles zwischen Venloer und Luxemburger Straße als Denkmale. In engem Austausch mit der Vorgängerin der heutigen Deutschen Bahn wurde dieser Abschnitt als beispielhaft ausgewählt. Im Gegenzug wurde auf eine Eintragung anderer Objekte, insbesondere die mindestens ebenso eindrucksvolle, als Teil des zentralen Streckenabschnitts („Rückgrat“) Hansaring-Hauptbahnhof-Hohenzollernbrücke-Deutzer Bahnhof-Betriebswerk Deutzerfeld anzusehende Brückengruppe über der Deutz-Mülheimer Straße an der Messe verzichtet. Hier ist inzwischen schon ein Brückenzug durch Neubau ersetzt.
Um so bedauernswerter und enttäuschender ist es, dass nun auch die seit längerem als Denkmal eingetragenen Neustadt-Überführungen laut Aussage der Bahn erneuert werden sollen. Hier werden, wie die Initiative „Rettet die Bahnbrücken“ detailliert ermittelt hat, unterschiedliche Interessen und Absichten deutlich, deren tatsächliche Umsetzung mehr als zweifelhaft ist, weil sie auf vagen und offensichtlich nicht durchgearbeiteten, geschweige denn politisch und öffentlich diskutierten und abgesicherten Planungen beruhen. Dies betrifft insbesondere die Anlage einer Stadtbahnhaltestelle in der Unterführung Luxemburger Straße.
Als zweites wesentliches Argument ist die Einschätzung der Nutzbarkeit und Leistungsfähigkeit der historischen Konstruktionen anzuführen. Kaum beachtet wird, dass die historischen Auflager weiter brauchbar sind. Die Stahlbogenkonstruktionen werden theoretisch/rechnerisch, aber nicht praktisch, etwa durch Materialtests, bewertet, wodurch wesentliche Parameter sowie tatsächliche Lastreserven nicht ausreichend berücksichtigt werden. Ein entscheidendes Moment scheint allerdings auch darin zu liegen, dass Totalerneuerungen gegenüber Instandsetzungen bzw. Sanierungen bundesweit fördertechnisch bevorzugt werden. Der RVDL schließt sich der Argumentation der Initiative „Rettet die Bahnbrücken“ an und protestiert mit diesem Ortstermin gegen die Zerstörung der stadthistorisch bedeutenden und ortsbildprägenden Bahnbrücken.
Wir laden alle Entscheidungsträger:innen und Interessierten herzlich ein und freuen uns auf Ihr Kommen.
Foto: (C) Alexander Kierdorf, 2025