24/08/2026
Als die AKP in der Türkei die Gülen-Bewegung zum Feind erklärte, sagte mir ein deutscher Politiker einmal: „Jahrelang haben AKP-Minister darauf gedrängt, dass wir den Gülen-Schulen den Weg ebnen. Jetzt setzen dieselben Leute uns unter Druck, damit wir genau diese Schulen schließen.“
So ist es eben: Islamistische Politik richtet sich nicht nach der Glaubensfreiheit, sondern nach politischen Interessen. Wechselnde Allianzen, finanzieller Neid, persönliche Feindschaften, all das kann die Verbündeten von gestern über Nacht zu Feinden machen.
Zuletzt ließ sich das an der Razzia gegen die Süleymancı-Gemeinde beobachten, eine sunnitische Gemeinschaft, die nach ihrem Gründer genannt wird. Die Regierung beteuert zwar hartnäckig, es gehe um Korruption, doch der wahre Grund liegt auf der Hand: Diese religiöse Gruppe hat sich der Regierung nicht unterworfen, sondern die Opposition unterstützt. Andere Gemeinschaften, die mit denselben Korruptionsvorwürfen konfrontiert sind, etwa Menzil oder İsmailağa, bleiben von jeder Kontrolle verschont, weil sie die Regierung stützen. Man nimmt sie sogar ausdrücklich in Schutz und schleust sie in den Staatsapparat.
Die Süleymancı-Bewegung, die nun ins Visier der Regierung geraten ist und deren Anführer verhaftet wurden, gehört zu den ersten muslimischen Gemeinschaften, die sich in Deutschland organisierten. Die Gründung des Verbands der Islamischen Kulturzentren reicht bis in die frühen 1970er Jahre zurück. Der Verband soll in neun Bundesländern über 300 Moscheen und Vereine sowie rund 100.000 Mitglieder haben. Ihre wirtschaftlichen Aktivitäten sind umfangreich. In Köln ließ die Gemeinschaft einen riesigen Campus errichten, der 70 Millionen Euro gekostet haben soll, ein sichtbares Zeichen ihrer Macht. Ein Teil davon wurde vergangene Woche eröffnet, ausgerechnet an dem Tag, an dem der Anführer der Süleymancı-Gemeinde, Alihan Kuriş, verhaftet wurde. Zur Eröffnung erschienen sie mit ihren traditionellen blauen Gebetskäppchen und winkten gemeinsam zum Himmel.
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