10/07/2026
Betreff: Erhaltung der Lutherkirche Köln-Südstadt
»Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit möchte ich Sie eindringlich bitten, die Lutherkirche Köln-Südstadt zu erhalten.
Ich bin Kantor der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien in Marburg und kenne die großen Herausforderungen, vor denen die Kirche derzeit steht.
Seit vielen Jahren bin ich mit interkulturellen Projekten und Aktivitäten in der Lutherkirche Köln-Südstadt engagiert.
Allein mit dem Chor Vozes do Brasil aus Köln waren wir dort zahlreiche Male zu Gast. Ich möchte mit Nachdruck betonen: Kunst, Begegnung und Musik sind weit mehr als Freizeitangebote. Sie sind Religion, Prävention, Therapie und ein unverzichtbarer Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Gerade in der schwierigen Zeit, in der wir leben, brauchen Menschen Orte der Begegnung, des Austauschs und der Hoffnung.
In vielen europäischen Ländern wird Kunst ausdrücklich als Mittel der Prävention, Therapie und Integration anerkannt und entsprechend gefördert.
In Deutschland entsteht leider häufig der Eindruck, dass das Gegenteil geschieht. Diesen Fehler sollten wir nicht wiederholen. Es geht um das Gemeinwohl aller Menschen.
Ich kenne keinen anderen Ort in Deutschland, der eine vergleichbare Ausstrahlung besitzt wie die Lutherkirche Köln-Südstadt. Die Räumlichkeiten, das engagierte Personal, die enge Verbindung von Kirche, Kultur und sozialem Engagement – all das macht diesen Ort einzigartig. Die Lutherkirche ist ein Herzstück der Kölner Kulturlandschaft. Unzählige Veranstaltungen unterschiedlichster Art bereichern das Leben vieler Menschen und schaffen Gemeinschaft über kulturelle, soziale und religiöse Grenzen hinweg. Sollte dieser Ort verloren gehen, wäre das ein großer Verlust – nicht nur für die Kirche und die Kultur, sondern für die gesamte Gesellschaft. Langfristig wären die sozialen Folgekosten ungleich höher.
Als Komponist durfte ich zum Reformationsjubiläum 2017 ein weltmusikalisches Luther-Oratorium komponieren, das in zahlreichen Kirchen aufgeführt wurde. Durch diese intensive Auseinandersetzung mit Martin Luther ist mir deutlich geworden, wie sehr er die Kirche durch seinen Mut, seine unkonventionellen Ideen und seine Bereitschaft geprägt hat, trotz aller Ängste neue Wege zu gehen. Ich habe daraus gelernt, dass Angst zum Leben gehört – doch wenn sie überwunden und verwandelt wird, kann etwas Neues entstehen. Der Weg der Bequemlichkeit hingegen verschließt Türen und führt letztlich zu Stillstand, Verzweiflung und gesellschaftlicher Spaltung.
Im Namen vieler Menschen und der Musikgruppen, die ich leite, bitte ich Sie daher von Herzen, die geplante Schließung der Lutherkirche Köln-Südstadt noch einmal sorgfältig zu überdenken. Der Erhalt dieses Ortes wäre ein starkes Zeichen für Kultur, Menschlichkeit, Offenheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Mit herzlichen Grüßen
Jean Kleeb
Kantor an der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien, Marburg
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