Die Christuskirche in ihrem historischen (Vorkrieg) und aktuellen Baubestand ist identitätsprägend für das Wohn- und Geschäfts Viertel am Stadtgarten in Köln. Das Areal inmitten der Herwarthstrasse (in der Sichtachse angrenzend an die Ringe und den Stadtgarten Park/Grüngürtel ist von den Planern der Kölner Neustadt als Platz für eine Kirche bereitgehalten und der Gemeinde zu vermutlich sehr güns
tigen Konditionen anvertraut worden. Das bedeutet für die Gemeinde Verantwortung, diesen Platz so zu erhalten, nämlich als Kirchplatz. In Hinblick auf Geschichte und Stadtentwicklung ist dringend angezeigt, daß hier auf diesem Platz eine deutlich sichtbare Kirche erhalten bleibt und nicht nur Ihr denkmalgeschützter Turm. Wenn das Grundstück -wie hier geplant- durch Neubebauung aufgewertet werden soll, wäre es darüberhinaus gerecht, den Gewinn der Allgemeinheit/Stadt Köln zukommen zu lassen oder diesen in soziale Nutzungen des Ersatzbauwerks einfliessen zu lassen, ie. Kindergarten, Sozialstation, Palliativzentrum oder Generationenwohnprojekte, auch in bezahlbaren Wohnraum für Kinderreiche und Senioren. Gemeinde darauf ab, das durch Abriss des Kirchsschiffs freiwerdende Gelände hochprofitabel zu nutzen. In den Ersatzbauten wird die Ev. Gemeinde Köln als Vermieter Wohn und Gewerbeflächen zum Spitzenpreisen anbieten, die sich Familien mit Kindern und Durchschnittsverdiener/Rentner nicht leisten könnten. Auf einer evangelischen Gemeindeversammlung im vergangenen Jahr gestand Pfarrer Bonhoeffer freimütig ein, dass er und seine Familie sich in den Ersatzbauten keine Wohnung leisten könnten. Soweit aktuell bekannt, gibt es derzeit keine soziale Komponente bei den zu vermietenden Wohnungen. Hochwertig ausgestattete und teure Wohnungen dieser Art entstehen aktuell auf vielen Bauplätzen in der unmittelbaren Umgebung der Kirche, der Bedarf ist somit relativ einzuschätzen. Abgesehen davon werden die Ersatzbauten zusammen mit dem Bestand um die derzeitige Kirche sich gegenseitig sehr beschatten und auch durch die Verkehrslage (Bahnlinie, Bahnhof West, Rangier und Durchgangsverkehr, zahlreiche Zugstops) nicht so attraktiv sein, wie sie in den Plänen angepriesen werden. Anlehnend an den Turm und eine ebenfalls denkmal geschützte Orgelempore (Rest des im Weltkrieg zerstörten Kirchschiffes) ensteht eine kleinere Ersatzkirchenschiff, so zu sagen im Hinterhof der Ersatzbauten. Der Vorsitzende des zuständigen Presbyteriums Herr Bonhoeffer sowie der zuständige Gemeindepfarrer Rolbühler haben auf einer Gemeindeversammlung in diesem Jahr einmütitig berichtet, dass sich zukünftig (nach Abriss und Neubau des Kirchraumes) in den gesamten Kirchräumen einschließlich Basement und evtl. Nebenräumen nur noch maximal 199 Menschen aufhalten dürfen. Mehr Plätze kann sich die Planung wegen der erheblichen Mehrkosten nicht leisten. Für die gewöhnlich generell in Köln zahlenmässig nicht sehr stark besuchten Sonntagsgottesdienste wird diese Zahl der Plätze in diesen Jahren reichen, jedoch können Hochzeiten, Schul- und Studentengottesdienste, Konfirmationen und Christmetten und Konzerte nur noch im sehr eingeschränkten Maße stattfinden. Es gab andere Zeiten, da die Kirchen auch an normalen Sonntagen aus allen Nähten platzten. Deutliches Wachstum der Gottesdienstbesucherzahlen in der Christuskirche ist bei dieser Planung ein Riegel vorgeschoben. Möglicherweise können die muslimischen Nachbarn in der Venloer Strasse aushelfen, die DITIB Gemeinde baut ja nicht nur eine Großmoschee, sondern einen großen, öffentlichen Versammlungssaal für mehr als 500 Menschen. Um nicht nur NEIN zu sagen bei der Rettung der Christuskirche:
Eine erwägenswerte Alternative könnte sein, die Kirche energetisch zu sanieren und darüber hinaus zum evangelischen Niedrigenergie-Modellprojekt zu machen, auf den Freiflächen eine ökonomisch die Unterhaltung der Kirche unterstützende Mantelbebauung zu erstellen und die Kirche zu einem bedeutenden kirchlichen, sozialen und kulturellen Versammlungsort zu machen. Ein autofreies Wohnprojekt wie in der Nippesser Eisenbahnsiedlung könnte die teure Schaffung von Parkplätzen minimieren, der Fantasie sind nur die üblichen finanziellen Grenzen gesetzt.