27/02/2026
In den letzten Tagen lesen wir viel über das neue Gestaltungshandbuch. Vieles davon sehr kritisch, manches aus unserer Sicht auch verkürzt oder nicht ganz richtig.
Deshalb möchten wir einmal erzählen, wie wir den Prozess erlebt haben und warum wir nicht nur Nachteile sehen.
Zuerst: Ja, es wurde gestritten. Und das ist auch gut so!
Es ging um viel: um Flächen, um Wirtschaftlichkeit, um Gestaltungsspielräume, um ökologische Fragen und um Barrierefreiheit. Gerade beim Thema Wetterschutzelemente gab es harte Diskussionen. Ursprünglich sollten sie nicht mehr erlaubt sein, für viele Betriebe wäre das faktisch ein massiver Einschnitt gewesen. Hier haben wir als Interessenvertretung klar Position bezogen und am Ende einen Kompromiss erreicht, mit dem gearbeitet werden kann.
Es stimmt auch: Wir verlieren teilweise Fläche. Bei Weitem nicht so viel, wie von uns befürchtet, für die meisten vermutlich nicht mal spürbar. Dennoch gibt niemand freiwillig Raum ab, gerade in Zeiten, in denen wirtschaftlicher Druck ohnehin hoch ist. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sagen: Breitere Gehwege bedeuten mehr Bewegungsfreiheit für Menschen mit Behinderungen, für Familien mit Kinderwagen, für ältere Menschen. Barrierefreiheit ist kein „Nice-to-have“, sondern eine Frage von Respekt und Teilhabe.
Wenn das bedeutet, dass wir uns an manchen Stellen einschränken, dann ist das ein kleiner Kompromiss, den wir tragen können.
Wir haben zudem die klare Zusage der Verwaltung, dass Kompensationsflächen geschaffen werden für diejenigen, die dadurch Fläche verlieren.
Ein weiterer Punkt ist das Ende der Gasheizer. Auch das wurde kontrovers diskutiert. Für viele gehörten sie selbstverständlich dazu. Gleichzeitig wissen wir alle, dass ökologische Verantwortung keine abstrakte Idee mehr ist. Nachhaltigkeit betrifft uns als Branche genauso wie alle anderen. Hier sehen wir die neue Regelung als konsequenten Schritt in eine Richtung, die langfristig richtig ist und ja auch viele weitere Optionen für warme Gäste offenhält: Infrarotstrahler, Heizkissen, beheizte Tische, Wärmflaschen, Decken und im Zweifel ein Schnäpschen mehr.
Was oft untergeht: Das Gestaltungshandbuch bringt mehr Klarheit. Klare Rahmenbedingungen bedeuten Planungssicherheit. Wer investiert, umbaut oder neu gestaltet, weiß künftig besser, woran er oder sie ist. Gleichzeitig bleibt Raum für individuelle Handschrift. Es geht nicht um uniforme Außenbereiche, sondern um einen Rahmen, innerhalb dessen Vielfalt möglich ist.
Wir werden nicht mehr über bunte Stuhlkissen oder auch Stühle diskutieren müssen. Gastronom*innen haben künftig viel mehr die Möglichkeit, ihr Konzept auch optisch außen zu präsentieren!
Wir gewinnen durch das Gestaltungshandbuch auch etwas: mehr Rücksicht im öffentlichen Raum, verbindlichere Regeln, ökologische Orientierung und einen Kompromiss, der nach intensiven Gesprächen entstanden ist, nicht im luftleeren Raum.
Uns ist wichtig: Wir sind keine Jubelstelle und auch keine Daueropposition. Unsere Aufgabe ist es, Interessen zu vertreten, kritisch zu verhandeln und am Ende Lösungen mitzutragen, wenn sie tragfähig sind. Genau das haben wir hier getan!