26/02/2019
Offener Brief von aktiven und ehemaligen KHM Studierenden zu den
Vorwürfen sexueller Belästigung gegen den Professor Gebhard Henke
"Seit neun Monaten sind Vorwürfe gegen den ehemaligen WDR-Mitarbeiter Gebhard Henke öffentlich, dem vielfache sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch vorgeworfen wird. Beinahe untergegangen ist die Tatsache, dass Gebhard Henke auch Professor an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) ist. Die KHM hat sich bisher öffentlich kaum zu der Thematik geäußert. Das ist ein Versäumnis, das wir, die Studierendenschaft und ehemalige Studierende der KHM, hiermit nachholen wollen. Wir drücken
allen betroffenen Frauen unsere volle Solidarität und Unterstützung aus. Wir hören sie, wir glauben ihnen, wir stehen hinter ihnen – nicht erst jetzt, sondern seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe. Wir möchten uns bei
ihnen bedanken für ihren Mut, ihre Courage und ihr Durchhaltevermögen, dafür, dass sie an die Öffentlichkeit gegangen sind und sich nicht haben
einschüchtern lassen, nicht zuletzt Charlotte Roche, die sogar juristische Konsequenzen in Kauf nahm. Denn Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt gehen alle an.
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Uns macht es fassungslos und wütend, dass Gebhard Henke weiterhin an der KHM angestellt ist. Arbeitsrechtlich ist es nicht möglich ihn zu entlassen. Diesbezügliche Bemühungen seitens der Hochschule hat es gegeben. Gebhard Henke bezieht weiterhin Monat für Monat seinProfessorengehalt und tritt in wenigen Jahren seinen gut bezahlten Ruhestand an - von der finanziellen Abfindung durch den WDR ganz zu
schweigen. Dass Gebhard Henke sich immer noch zum bemitleidenswerten Opfer stilisiert ist eine Farce und verdreht zudem die real existierenden Machtverhältnisse. Darüber hinaus geht es uns um die
gesellschaftspolitische Dimension. Mit seinem Verhalten unterstützt Gebhard Henke willfährig jene reaktionären Kräfte, die die ausbeuterischen und patriarchalen Machtstrukturen aufrechterhalten wollen.
[...]
Der von den Betroffenen offengelegte sexuelle Machtmissbrauch sowie Henkes Versäumnis sich diesbezüglich der Hochschulöffentlichkeit zu stellen, negiert jegliches Vertrauensverhältnis zu ihm. Es ist nicht nachvollziehbar, warum es - trotz zahlreicher Möglichkeiten - keine hochschulöffentliche Äußerung seinerseits gab, wohl aber eine medienwirksame Inszenierung als Opfer und die öffentliche Bagatellisierung sexualisierter Gewalt. Dies zeugt von keinerlei Reflexion seines Handelns. Sein Verhalten verhöhnt Betroffene von sexualisierter Gewalt - im
Allgemeinen und an der KHM. Zusammen mit den Androhungen von juristischen Konsequenzen gegenüber Professor*innen und Kolleg*innen erzeugt Gebhard
Henke ein Klima der Angst und des Misstrauens.
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Wir als Studierendenschaft sehen für Gebhard
Henke keinen weiteren Handlungsspielraum, als von seiner Professur zurückzutreten. Daher fordern wir hiermit seinen sofortigen Rücktritt.
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In Anbetracht der Tatsache, dass sich die KHM bisher nicht ausreichend öffentlich geäußert hat, wäre es notwendig gewesen, sich als Studierendenschaft mit den Betroffenen zu solidarisieren und eindeutig Stellung zu beziehen. Wir bedauern ausdrücklich, dies nicht getan zu haben. Dafür möchten wir uns
bei allen Betroffenen entschuldigen.
Die Studierendenschaft
vertreten durch das Studierendenparlament"
https://www.khm.de/asta_stupa/