Früher war die Reitbahn zwischen Schwanenburg und Prinzenhof voller Leben: Ein schönes Terrassencafé, eine jüdische Schule und die Synagoge. Heute: eine Gedenkstätte – einmal im Jahr Ort des Gedenkens – und daneben in Richtung Schwanenburg gähnende Leere. Das soll sich ändern. Der Platz soll ein lebendiges Zentrum für Klever und Besucher werden. Hier, wo sich das religiöse und schulische Leben der
Klever Juden konzentrierte, bis die jüdischen BürgerInnen Kleves im Dritten Reich aus der Stadt vertrieben wurden, soll Leben einkehren. Die Erinnerung an die dunkle Vergangenheit, die jetzt von der Gedenkstätte ausstrahlt, soll bereichert werden mit einer realen und lebenspraktischen Zukunftsvision. Es soll die aktuelle und dringend erforderliche Konsequenz aus der Geschichte gezogen werden. Wie konnte in einer zivilisierten Gesellschaft innerhalb von wenigen Jahren eine alteingesessene Gruppe von BürgerInnen diskriminiert, verfolgt, vernichtet werden? Es waren tief wurzelnde Vorurteile, die ab 1933 aktiviert und instrumentalisiert wurden. Das Haus der Begegnung / Beth HaMifgash will ein Zentrum zielgerichteter Arbeit gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und jede weitere Form von Diskriminierung sein. Hier entsteht ein Haus der Erinnerung an die reiche Geschichte des Judentums aus Kleve und Umgebung und an dessen Untergang. Daraus schließend erwächst hier ein Haus der Begegnung – ein Ort des Kennenlernens von Menschen, Kulturen und Religionen, die heute in der europäischen Region Klever Land – Gelderland leben Begegnungen ein Haus der Wachsamkeit und Aufklärung – ein Ort, in dem Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Nationalismus in ihren aktuellen Ausprägungen analysiert und öffentlicher Kritik unterzogen werden. Ein Haus der Gastlichkeit – ein „Gasthaus“ im ursprünglichen Wortsinn, in dem BürgerInnen und Gäste miteinander essen und trinken, sich austauschen, unterhalten, informieren, bilden, Musik hören, tanzen und diskutieren. Das Haus der Begegnung / Beth HaMifgash, das im hebräischen Teil des doppelten Namens an das erinnert, was hier einst war, öffnet den Blick nach vorne für Menschen aus allen Regionen, Kulturen und Religionen, die heute im Klever Land und den NiederRheinLanden zuhause sind. Als Gesellschaft sind wir auf lebendigen Dialog und Austausch angewiesen; gegenseitiger Respekt ist ein zentraler Bestandteil von Menschlichkeit.