05/03/2026
Vor dem Amtsgericht Chemnitz wurde ein ehemaliger Polizist wegen eines sexuellen Übergriffs auf eine Minderjährige zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.
Ein Jahr auf Bewährung. Für den Missbrauch von Macht gegenüber einer 17-Jährigen.
Was ist passiert?
CN Explizite Beschreibung eines sexuellen Übergriffs
Im Oktober 2024 wurde der 55-Jährige zu einem Fall häuslicher Gewalt gerufen. Eine 17-Jährige soll von ihrem Partner geschlagen worden sein. Ein Einsatz, bei dem Schutz und Unterstützung die oberste Pflicht gewesen wären. Doch statt zu helfen, schrieb der Beamte der Jugendlichen am nächsten Nachmittag mit seinem Privathandy und gab vor, weitere dienstliche Fragen klären zu müssen – und holte sie dann von zuhause ab.
Auf einem Supermarktparkplatz behauptete er dann, einen Drogentest im Intimbereich durchführen zu müssen. Eine absurde, frei erfundene Maßnahme. Die 17-Jährige ließ es widerwillig über sich ergehen – weil sie davon ausging, dass ein Polizist rechtmäßig handeln würde. Weil sie glaubte, ihm vertrauen zu können.
Der Mann, selbst Vater einer Tochter im ähnlichen Alter, nutzte seine Autorität schamlos aus. Er missbrauchte das Vertrauen einer Minderjährigen, die ohnehin bereits Opfer von Gewalt geworden war. Anstatt Schutz zu bekommen erlebte sie einen weiteren Übergriff.
Und die Konsequenzen?
Kaum der Rede wert.
Der ehemalige Beamte hatte das Verfahren mehrfach verzögert. Wäre er noch im aktiven Dienst zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden, hätte er sein Beamtenverhältnis und seine Pensionsansprüche verloren. Doch während sich das Verfahren hinzog, beantragte er seine Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand – und bekam sie genehmigt. Somit erhält er nun weiterhin 2.100€ monatlich als Pension. Außerdem muss er 5.000€ an die Betroffene und 5.000€ an den Staat zahlen.
Kein Freund, kein Helfer!
Es ist nicht nur die abscheuliche Tat eines Einzelnen, sondern das Versagen einer Institution. Sie macht solche Fälle nicht nur möglich, sondern verhindert Konsequenzen, indem zum Beispiel ein vorzeitiger Ruhestand, trotz des unabgeschlossenen Verfahrens, genehmigt wird. Dieses systemische Versagen muss sofort beendet werden.
In Solidarität mit allen Betroffenen sexueller Gewalt! Solidarität mit allen Betroffenen von Polizeigewalt!
Wenn du selbst oder Menschen in deinem Umfeld ähnliches erlebt haben, kannst du dich bei den folgenden Initiativen/ Stellen/ Vereinen melden:
Wildwasser
Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt
Uferstraße 46, 09126 Chemnitz
E-Mail: [email protected]
Tel.: 0371 / 35 05 34
Opferhilfe Sachsen e.V.
Beratungsstelle Chemnitz (für Betroffene von Gewalt)
Weststraße 88, 09116 Chemnitz
Tel.: 0371 4331698
https://www.opferhilfe-sachsen.de/beratung/
Beratungsstelle IKOS
Interventions- und Koordinierungsstelle zur Bekämpfung häuslicher Gewalt und Stalking
Hainstraße 125, 09130 Chemnitz
Tel.: 0371 9185354 / Mobil: 0178 7645974
E-Mail: [email protected]
https://www.ikos-chemnitz.de/
Für Sachsen findest du hier eine Übersicht von Hilfsangeboten:
https://www.gleichstellung.sachsen.de/schutz-und-beratung-5747.html
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
Beratung in 17 Sprachen, leichter Sprache und Gebärdensprache auch per Mail oder Chat
Tel.: 08000116016
www.hilfetelefon.de