18/08/2026
Letzten Montag besuchten uns die Cousins Bernd Kretzschmar und Hermann Brudner. Beide verbindet eine besondere Geschichte mit dem Kaßberg-Gefängnis.
Hermann Brudner ist der Sohn des Holocaust-Überlebenden Max Brudner, der 1938 als „politisch unzuverlässiger Jude“ im Kaßberg-Gefängnis inhaftiert und später in verschiedene Konzentrationslager verschleppt wurde. Heute führt sein Sohn die Erinnerungsarbeit als Zeitzeuge zweiter Generation fort.
Bernd Kretzschmar war selbst politischer Häftling, nachdem er 1977 öffentlich für seine Ausreise aus der DDR protestiert hatte. Im September 1978 kam er im Rahmen des deutsch-deutschen Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik. Zuvor wartete er im Kaßberg-Gefängnis auf seine Freilassung – in genau jener Zelle, vor der er nun bei seinem Besuch wieder stand.
Auch in unserem "Freikauf-Archiv" im 1. OG der Gedenkstätte begegnete Bernd Kretzschmar seiner eigenen Geschichte: Dort befindet sich sein sogenannter „Mielke-Beurteilungsbogen“. Perspektivisch sollen hier die Namen und Dokumente von mehr als 30.000 freigekauften politischen Gefangenen zugänglich werden.
Hinter diesen Zahlen stehen zehntausende individuelle Haft- und Lebensgeschichten - die Begegnungen mit Bernd Kretzschmar und Hermann Brudner machen sie sichtbar.
Fotos: Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. / Volker Kreidler