25/10/2025
WICHTIGE INFORMATIONEN FÜR IGELFINDER!
Da es immer wieder passiert, hier nun nochmal ein paar Informationen. Man kann es scheinbar nicht oft genug schreiben!
Wenn ihr Igel sichert, müssen diese reingeholt werden, also bei Zimmertemperatur, fliegensicher untergebracht werden.
Nicht in den Schuppen, nicht in die Garage, nicht in den Keller, nicht in den Hausflur!
Igelkinder sind normalerweise im Nest ihrer Mama mit ihren Geschwistern. Dieses Nest ist eine Kugel aus Laub, Moos und kleinen Ästen, gut isoliert gegen Wind und Regen. Nun hat das Igelkind aber keine Mama mehr. Es wird in eine Kiste gepackt...vielleicht mit einem Handtuch, vielleicht mit Laub oder im Eimer...einfach so (hab ich alles schon erlebt). "Er hat es warm, es ist ja ein Handtuch drin."
Ja, er hat Fell und Stacheln und ein Handtuch. Hat sich jemand schonmal über Nacht im Herbst mit Klamotten und Handtuch stundenlang rausgesetzt? Wird auf Dauer kalt, oder? Man fängt an zu zittern, der Körper versucht krampfhaft die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Das zerrt an den eigenen Kräften! Wie viel Kraft hat ein Igelkind wohl so?!
Igelkinder sind zu dem Zeitpunkt des Sicherns evtl. schon einige Tage alleine unterwegs. Sie wurden seit Tagen nicht mehr gesäugt. Ein 200 Gramm-Igelkind wird normalerweise aber noch von der Mutter gesäugt. Ohne Mama laufen sie durch die Gegend und suchen nach etwas Fressbarem und Wasser, manche fressen aus Verzweiflung Erde. Wie viel Kraft kann ein solches Igelkind noch haben, um sich warmzuhalten?
Selbst wenn es das eine Nacht schafft und dann reingeholt wird, sinken die Chancen enorm. Oft versterben sie kurze Zeit später. Sie bekommen Darm- oder Lungenentzündung, sind dehydriert, sie sind einfach am Ende ihrer Kräfte.
Manch einer stellt diesem kalten Igel dann noch Futter hin. Der Kleine schlingt es rein, weil er so viel Hunger hat. Der geschwächte Körper kann mit der plötzlichen Nahrungszufuhr gar nicht umgehen und der Kreislauf kollabiert.
Wir geben dann hier alles, langsames Aufwärmen, warme Infusion, dann ganz langsames Anfüttern, bei Darm- und Lungenentzündung Antibiose. Aber die Chancen sind so gering, dass wir wenig Hoffnung haben, solche Igel durchzubekommen.
Das ist bei großen, ausgemergelten Altigeln übrigens genauso. Auch sie kühlen aus und können die Körpertemperatur irgendwann nicht mehr halten. Dazu kommt das Refeedingsyndrom, weil gleich eine große Menge Futter hingestellt wurde, der Igel aber tagelang ausgehungert ist.
Wie man es richtig macht:
- Wie oben beschrieben Igel reinholen und bei mindestens 20° Zimmertemperatur unterbringen.
- Igel nach Verletzungen, Fliegeneiern und Maden absuchen. Fliegeneier werden besonders gerne von Fliegen an feuchten Körperstellen abgelegt, weil sie dort schneller schlüpfen....also Wunden, Genitalbereich, Augen, Ohren, Maul.
- Fliegeneier trocken absammeln (sobald sie feucht werden, schlüpfen die Maden), am besten mit Maskarabürste/Flohkamm aus dem Fell streichen oder mit einer Pinzette absammeln. Es müssen ALLE Eier runter. Maden müssen mit Pinzette entfernt werden.
- Igel in eine hohe Box oder einen hohen Karton unterbringen (ca. 35-40 cm hoch), je größer der Igel, desto höher die Box.
- sind keine Fliegeneier oder Maden am Igel, eine Wärmequelle anbieten: Eine handwarme Wärmflasche, eine PET-Flasche mit "warmen" Wasser (nicht heiß), ein warmes Körnerkissen.
- kein Flohspray/SpotOn auf den Igel geben. Zecken entfernen und wenn alle Zecken ab sind, am Rücken mit ein bisschen Öl bepinseln.
- ein Handtuch als Versteckmöglichkeit mit in die Box legen
- Wasser bereitstellen und erst wenn der Igel warm ist höchstens einen Teelöffel hochwertiges Katzennassfutter, eingeweichtes Katzentrockenfutter oder Rührei ohne Milch, ohne Salz anbieten, da der Igel sonst kollabieren kann (Refeeding Syndrom nach längerer Hungerzeit)
- für sehr kleine Jungigel unter 150 Gramm bzw. Igel-Babys gilt eine besondere Notfallversorgung, sie dürfen nicht auskühlen und müssen speziell behandelt werden, auch dürfen sie nicht einfach mit normalem Katzenfutter gefüttert werden, sondern brauchen unter Umständen spezielle Aufzuchtmilch, die aber niemals aus Kuhmilch bestehen darf. Hier ist es wichtig das richtige Alter einschätzen zu können. Wenn man sich unsicher ist, lieber gar nichts geben.
Ist das alles getan, direkt eine Igelhilfe kontaktieren. Direkt heißt, man setzt sich direkt ans Telefon oder man schaut in den Facebookgruppen nach. Entsprechende Links hänge ich gleich an! Bei vielen Igelhilfen funktioniert die Kontaktaufnahme am besten per Whatsapp oder hier bei Facebook per Messenger. Wir haben inzwischen eine Telefon-Phobie.
Nein, man wartet nicht bis zum nächsten Tag! Nein, man versucht es nicht selbst, weil es ja so niedlich ist (wenn sie sterben, ist es plötzlich nicht mehr niedlich und wir müssen dann den Karren aus der Schei** ziehen)! Nein, es ist nicht zu spät abends, um noch eine Igelhilfe zu kontaktieren oder bei Facebook nach Hilfe zu suchen.
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