05/08/2026
📜 Am 5. August 1950, vor 76 Jahren, unterzeichneten 30 Sprecher der Landsmannschaften und Vertriebenenverbände im Kursaal von Bad Cannstatt die Charta der deutschen Heimatvertriebenen.
Verkündet wurde sie am Folgetag, dem 6. August, vor dem Neuen Schloss in Stuttgart – vor mehr als 150.000 Menschen, in Anwesenheit von Mitgliedern der Bundesregierung, der Kirchen und der Parlamente. Vorgetragen wurde sie damals von einem „Unbekannten Heimatvertriebenen“, einer bewusst anonym gehaltenen Symbolfigur für das Schicksal von Millionen.
Die drei Kernaussagen der Charta:
1️⃣ Der Verzicht auf Rache und Vergeltung für erlittenes Unrecht
2️⃣ Das Bekenntnis zu einem geeinten Europa, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können
3️⃣ Das „Recht auf Heimat“ als ein von Gott geschenktes Grundrecht der Menschheit
In den schweren Jahren des Wiederaufbaus war die Charta damit ein bahnbrechendes Dokument: Auf ihrer Grundlage brachten sich Heimatvertriebene und Flüchtlinge aktiv in den Aufbau der jungen Bundesrepublik ein – sie gestalteten Wirtschaft, Gesellschaft und die Konzeption unserer rechtsstaatlichen Grundlagen mit.
Erst im vergangenen Jahr wurde das 75-jährige Jubiläum der Charta mit einem Festakt im Neuen Schloss Stuttgart begangen - mit einer Festrede von Bundeskanzler Friedrich Merz, der die Leistung der Heimatvertriebenen beim Wiederaufbau würdigte.
🕊️ Auch heute ist die Charta hochaktuell: In Zeiten wachsender nationalistischer und antieuropäischer Tendenzen bleibt sie ein klares Bekenntnis zu Verständigung, europäischer Integration und Versöhnung zwischen den Völkern. Sie erinnert uns daran, dass Vertreibung kein Thema der Vergangenheit ist – weltweit sind auch heute wieder Menschen von Vertreibung betroffen.
Für viele junge Menschen ist das Schicksal der Millionen Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat in den ehemaligen deutschen Ostgebieten vertrieben wurden, heute kaum noch präsent. Dabei ist bis heute etwa ein Viertel bis ein Drittel der Deutschen familiär mit der Geschichte von Flucht und Vertreibung verbunden.
Am 5. August erinnern wir an die Weitsicht der Charta und daran, dass ihre Botschaft von Versöhnung und Verständigung heute so wichtig ist wie damals.
Fotos: Bundesfoto/BdV