22/07/2026
Scharfer Protest des BBU gegen „Rosatom-Genehmigung“ /
Uranfabrik in Lingen kann und muss stillgelegt werden!
(Bonn, Hannover, Lingen, 22.07.2026) Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) mit Sitz in Bonn kritisiert auf das Schärfste die erteilte Genehmigung zur Produktion von Brennstäben nach russischer Bauart für osteuropäische Atomkraftwerke in der emsländischen Brennelementefabrik in Lingen (Niedersachsen). Die Genehmigung wurde am Mittwoch (22.07.2026) vom Umweltministerium in Hannover im Zusammenspiel mit der Bundesregierung und mit der niedersächsischen Landesregierung erteilt, obwohl es seit Jahren massive und begründete Proteste gegen das Vorhaben gab und auch weiterhin gibt.
In seiner Zeit als hessischer Umweltminister (Ende des letzten Jahrhunderts) hatte Joschka Fischer (Grüne) schon Wege aufgezeigt, wie Brennelementfabriken gestoppt werden können. Damals ging es um die Anlagen in Hanau (Hessen), die inzwischen schon lange stillgelegt wurden. Nach Auffassung von BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz hätte sich der verantwortliche niedersächsische Umweltminister Christian Meyer (Grüne) entsprechend massiv gegen die Erteilung der Genehmigung zur Wehr setzen müssen.
In Lingen steht jetzt bundesweit die letzte Brennelementefabrik, für die es trotz beschlossenem Atomausstieg keine Laufzeitbegrenzung gibt. „Nach zahlreichen Störfällen in der emsländischen Anlage und angesichts der ungelösten Frage, wo der Uranmüll aus Lingen dauerhaft gelagert werden kann, hätte Umweltminister Meyer, aber auch seine Vorgänger, schon längst die Stilllegung der international umstrittenen Anlage verfügen können. Dann wäre die ganze Debatte um den Einstieg des russischen Rosatom-Konzerns überhaupt nicht notwendig gewesen“, so Udo Buchholz. Buchholz weist auch kritisch darauf hin, dass die Anlage nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert ist, obwohl sie nur Flugsekunden vom Bombenabwurfgelände Nordhorn-Range steht.
Weiterhin kritisiert der BBU, dass der Betrieb der Brennelementefabrik in Lingen mit zahlreichen, gefährlichen Atomtransporten verbunden ist. „Sogar Urantransporte aus Russland gehören in Lingen zur Tagesordnung, das versteht kein Mensch“, erklärt Buchholz.
Der BBU fordert weiterhin die sofortige Stilllegung der umstrittenen Atomfabrik. „Es ist ein großer Skandal, dass eine derart veraltete Atomfabrik überhaupt noch produzieren darf und damit den beschlossenen Atomausstieg unterläuft“, betont Buchholz.
Bisher rund 150 Störfälle in der Brennelementefabrik Lingen
Erste Teile der Lingener Brennelementefabrik gingen bereits vor fast 50 Jahren (1979) in Betrieb. Der BBU erinnert daran, dass es in der Anlage bisher rund 150 Störfälle gegeben hat (Stand Ende 2024), sogar einen Brand mit erheblichen Auswirkungen.
https://www.base.bund.de/DE/themen/kt/stoerfallmeldestelle/ereignisse/kernbrennstoff-versorgung-entsorgung/kernbrennstoff-versorgung-entsorgung.html
Der BBU, in dem auch emsländische Bürgerinitiativen organisiert sind, fordert: „Die Kooperation mit Rosatom zur Produktion russischer Brennelemente in Lingen muss unterbunden werden. Und nach der Stilllegung der Brennelementefabriken in Hanau (Hessen) muss jetzt auch endlich die letzte Brennelementefabrik in Lingen gestoppt werden. Rechtlich ist das möglich. Es muss nur politisch gewollt und gemacht werden.“
In der Vergangenheit haben mehr als 350 Organisationen der Stilllegung der Brennelementefabrik Lingen gefordert, darunter auch der niedersächsische Landesverband der Grünen. Der BBU ist gespannt, wie sich die Grünen jetzt zur erteilten Genehmigung verhalten und für die Stilllegung der Anlage einsetzen werden.
https://atomstadt-lingen.de/files/Lingen-Resolution-2019.pdf
Weitere Informationen:
https://www.bbu-online.de/Einwendungen/BBU%20Einspruch%20PDF%20Brennelemntefabrik%20Lingen%20Februar%202024.pdf
https://www.bbu-online.de/presseerklaerungen/prmitteilungen/PR%202024/22.08.24.pdf
https://atomstadt-lingen.de/aktuelles
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Der BBU ist der Dachverband zahlreicher Bürgerinitiativen, Umweltverbände und Einzelmitglieder. Er wurde 1972 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn. Weitere Umweltgruppen, Aktionsbündnisse und engagierte Privatpersonen sind aufgerufen, dem BBU beizutreten um die themenübergreifende Vernetzung der Umweltschutzbewegung zu verstärken. Der BBU engagiert sich u. a. für menschen- und umweltfreundliche Verkehrskonzepte, für den sofortigen und weltweiten Atomausstieg, gegen die gefährliche CO2-Endlagerung, gegen Fracking und für umweltfreundliche Energiequellen.
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BBU-Pressemitteilung vom 22.07.2026
Foto: Mahnwache vor der Brennelementefabrik am 12.12.2020 in Corona-Zeiten