02/06/2026
• Uranfabrik: Notfallplan im Internet / Stellungnahmen bis zum 10. Juni 2026 möglich
• BBU fordert sofortige Stilllegung der Gronauer Urananreicherungsanlage
• Sonntagsspaziergang am 7. Juni 2026
(Bonn / Gronau, 02.06.2026) Der Kreis Borken (NRW) hat den Entwurf des aktualisierten externen Notfallplans für die Firma Urenco Deutschland GmbH im Kreishaus Borken sowie im Internet veröffentlicht. Kritische Stellungnahmen dazu können bis zum 10. Juni 2026 eingereicht werden. Darauf hat jetzt der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hingewiesen.
Die Urenco Deutschland GmbH betreibt in Gronau (Kreis Borken) die international umstrittene und bundesweit einzige Urananreicherungsanlage. Grundsätzlich fordert der BBU, ebenso wie weitere Initiativen und Verbände, die sofortige Stilllegung der Gronauer Urananreicherungsanlage, deren Betrieb mit vielen Gefahren und mit zahlreichen, hochgefährlichen Urantransporten (mit LKW und Sonderzügen) verbunden ist. In der Urananreicherungsanlage gab es in der Vergangenheit immer wieder Pannen und Störfälle.
Im Amtsblatt für den Kreis Borken Nummer 14 / 2026 heißt es zum Verfahren:
„Der Kreis Borken hat auf Grundlage des § 30 BHKG den externen Notfallplan für die Firma Urenco Deutschland GmbH auf den neuesten Stand gebracht. Der Entwurf des aktualisierten Planes liegt zur Anhörung der Öffentlichkeit in der Zeit vom 13.05. bis 10.06.2026 während der üblichen Öffnungszeiten beim Kreis Borken, Fachbereich Sicherheit und Ordnung, Zimmer 3223 (2. Etage, Ergänzungsgebäude), Burloer Str. 93,
46325 Borken öffentlich aus.
Neben der Auslegung in Papierform kann der Entwurf des aktualisierten Planes auch über den folgenden Link digital eingesehen werden:
https://nc.kreis-borken.de/s/RoisxtzDNC84PZn
Kennung: KB26Urenco
Bedenken und Anregungen zum Sonderschutzplan können während der Auslegungsfrist per Mail an [email protected] vorgebracht werden.“
Hier der Link zu den Amtsblätter für den Kreis Borken:
https://www.kreis-borken.de/de/aktuelles/amtsblatt.php
Zum Hintergrund des Verfahrens
Bereits Anfang Februar 2026 hatte der Kreis Borken bekannt gegeben, dass er den externen Notfallplan für die Firma Urenco Deutschland GmbH auf den neuesten Stand gebracht hat. Der Entwurf des aktualisierten Planes wurde zur Anhörung der Öffentlichkeit zunächst im Kreishaus Borken sowie beim Ordnungsamt der Stadt Gronau ausgelegt.
Schon vor Beginn der Auslegungsfrist hatte BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz beim zuständigen Landrat Dr. Zwicker die Veröffentlichung des Notfallplans im Internet angeregt. In weiteren Schreiben, die zunächst unbeantwortet blieben, verwies Buchholz darauf, dass es ist bei vergleichbaren Verfahren üblich ist, die Unterlagen auch im Internet zu veröffentlichen.
In der Folge hat der Kreis Borken noch im Winter die Angelegenheit geprüft und hat Udo Buchholz positiv geantwortet:
„Auf Grund Ihrer Anfrage haben wir das gewählte Vorgehen erneut rechtlich geprüft. Dabei wurde festgestellt, dass gemäß § 27b VwVfG seit dem 01.01.2025 grundsätzlich eine Veröffentlichung der auszulegenden Unterlagen im Internet vorgesehen ist.“
Vor diesem Hintergrund wird jetzt die erneute öffentliche Auslegung des Entwurfs des Sonderschutzplans durchgeführt.
Der BBU begrüßt es, dass die Unterlagen jetzt im Internet veröffentlicht wurden. So bekommen viel mehr Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, auch abends und an Wochenenden, den Plan lesen zu können. Udo Buchholz kritisiert allerdings, dass es für die neue Auslegung keine eigenständige Bekanntmachungen in der Lokalpresse in und um Gronau gab und dass der Entwurf des Notfallplans in Papierform nur in Borken, nicht aber in der betroffenen Kommune Gronau, ausgelegt wird.
Urananreicherung – eine gefährliche Technik
Udo Buchholz betont, dass es mit Blick auf den Notfallplan viele Aspekte gibt, die die Gefahren unterstreichen, die mit dem Betrieb der Urananreicherungsanlage verbunden sind. Beispielhaft nennt er drei Aspekte: „Die Urananreicherungsanlage und die Uranlager auf dem Anlagengelände sind nicht gegen Flugzeugabstürze ausgelegt. Drohnen stellen eine neue Gefahr für die Anlage, die Uranlager und die Urantransporte dar. Und die simplen Maschendrahtzäune rund um die Gronauer Urananreicherungsanlage bieten keinerlei Schutz vor unbefugtem Eindringen und vor Sabotage.“
Zudem weist Buchholz darauf hin, dass die Zentrifugentechnik, die in der Urananreicherungsanlage zum Einsatz kommt, auch zur Herstellung von Uran für Atomwaffen genutzt werden könnte. Anti-Atomkraft-Initiativen und Friedensorganisationen fordern daher von der zuständigen NRW-Atomaufsicht die sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage, zumal neben der Anlage unter freiem Himmel Fässer mit Uranmüll gelagert werden, für den es weit und breit kein Endlager gibt. „In Gronau darf kein weiterer Atommüll produziert werden“, fordert Buchholz.
Traditionell treffen sich seit fast 40 Jahren immer Mitglieder verschiedener Anti-Atomkraft- und Friedensinitiativen jeweils am ersten Sonntag im Monat zum Sonntagsspaziergang an der Urananreicherungsanlage (14 Uhr, Röntgenstraße 4, Gronau). Seit dem Herbst 1986 ist dabei noch kein Spaziergang ausgefallen. Nächster Termin: Sonntag, 7. Juni 2026.
Weitere Informationen zur Gronauer Urananreicherungsanlage und zu den damit verbundenen Urantransporten: https://www.bbu-online.de/Presse.htm
Engagement unterstützen
Zur Finanzierung seines vielfältigen Engagements bittet der BBU um Spenden aus den Reihen der Bevölkerung. Spendenkonto: BBU, Sparkasse Bonn, IBAN: DE62370501980019002666, SWIFT-BIC: COLSDE33.
Informationen über den BBU und seine Aktivitäten gibt es im Internet unter http://www.bbu-online.de und telefonisch unter 0228-214032. Die Facebook-Adresse lautet www.facebook.com/BBU72. Postanschrift: BBU, Prinz-Albert-Str. 55, 53113 Bonn.
Der BBU ist der Dachverband zahlreicher Bürgerinitiativen, Umweltverbände und Einzelmitglieder. Er wurde 1972 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn. Weitere Umweltgruppen, Aktionsbündnisse und engagierte Privatpersonen sind aufgerufen, dem BBU beizutreten um die themenübergreifende Vernetzung der Umweltschutzbewegung zu verstärken. Der BBU engagiert sich u. a. für menschen- und umweltfreundliche Verkehrskonzepte, für den sofortigen und weltweiten Atomausstieg, gegen die gefährliche CO2-Endlagerung, gegen Fracking und für umweltfreundliche Energiequellen.
BBU-Pressemitteilung vom 02.06.2026
Foto: Urananreicherungsanlage Gronau, Teilansicht