24/09/2026
Wer zuletzt im Supermarkt war, dem ist es vermutlich schon aufgefallen: Etliche Verpackungen, insbesondere von verarbeiteten Lebensmitteln, oder auch die Beipackzettel zu Produkten wie Bekleidung wirken plötzlich leerer und aufgeräumter. 𝗗𝗲𝗿 𝗛𝗶𝗻𝘁𝗲𝗿𝗴𝗿𝘂𝗻𝗱: Werbe-Claims wie „klimaneutral“ oder „nachhaltig“ wurden entfernt. Verantwortlich dafür ist eine EU-Richtlinie, die in Deutschland am 27. September 2026 in Kraft tritt. Ihr Titel lautet „𝗘𝗺𝗽𝗼𝘄𝗲𝗿𝗶𝗻𝗴 𝗖𝗼𝗻𝘀𝘂𝗺𝗲𝗿𝘀 𝗗𝗶𝗿𝗲𝗰𝘁𝗶𝘃𝗲“, abgekürzt EmpCo-Richtlinie. Die Vorgaben wurden in das deutsche Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb eingearbeitet.
Kurz zusammengefasst schreibt die Richtlinie vor, dass Unternehmen nur noch mit belegbaren Nachhaltigkeitsaussagen werben dürfen. Damit will die EU Verbraucher*innen vor irreführenden Aussagen schützen.
Das ändert einiges. Bislang genossen Unternehmen große Freiräume, denn Begriffe wie „𝗸𝗹𝗶𝗺𝗮𝗻𝗲𝘂𝘁𝗿𝗮𝗹“, „𝗸𝗹𝗶𝗺𝗮𝗳𝗿𝗲𝘂𝗻𝗱𝗹𝗶𝗰𝗵“, „𝗴𝗿𝘂̈𝗻“, „𝗻𝗮𝘁𝘂̈𝗿𝗹𝗶𝗰𝗵“, „𝗻𝗮𝗰𝗵𝗵𝗮𝗹𝘁𝗶𝗴“ 𝗼𝗱𝗲𝗿 „𝘂𝗺𝘄𝗲𝗹𝘁𝘀𝗰𝗵𝗼𝗻𝗲𝗻𝗱“ sind nicht geschützt. Gleiches gilt für Zukunftsversprechen wie „klimaneutral bis 2035“. Solche Aussagen sind nun verboten – es sei denn, das Unternehmen kann belegen, dass es sie erfüllt.
Das Fehlen solcher Vorgaben öffnete irreführenden Aussagen Tür und Tor. Ein Beispiel sind blumige Versprechen auf Schokoladenprodukten. Nicht wenige Konzerne versprachen damit nachhaltigen Genuss.
Bei einem bekannten Schokoladenhersteller prangte bis vor kurzem die Aussage „NACHHALTIG ANGEBAUTER KAKAO“ auf der Tafel. Außerdem wurde auf Unterstützungsangebote für Bäuerinnen und Bauern verwiesen.
Die meisten Verbraucher*innen verbinden mit „nachhaltig“ eine umfassende Aussage, inklusive existenzsichernder Einkommen für Bäuerinnen und Bauern. Die Realität vor Ort sieht anders aus, da das Programm des Unternehmens keine Mindestpreise oder signifikante Prämien enthält. Bei niedrigen Weltmarktpreisen leiden kakaoanbauende Familien häufig unter großer Armut, als Folge davon ist Kinderarbeit weiterhin verbreitet. Ist das nachhaltig?
SÜDWIND hatte überlegt, gegen solche Aussagen im Kakaosektor zu klagen. Doch uns haben die hohen Kosten von Gerichtsprozessen und die unklare Gesetzeslage abgeschreckt. Die EmpCo-Richtlinie bringt nun Klarheit. Viele Unternehmen haben deshalb bereits umstrittene Aussagen von ihren Verpackungen entfernt.
𝗜𝘀𝘁 𝗱𝗮𝗺𝗶𝘁 𝗮𝗹𝗹𝗲𝘀 𝗴𝘂𝘁? 𝗡𝗲𝗶𝗻. Es muss darum gehen, nachweislich nachhaltige Wertschöpfungsketten aufzubauen. Ein Ende der Lügen bedeutet nicht das Ende von Ausbeutung und Umweltzerstörung. Offen ist zudem der Umgang mit Aussagen von Organisationen, die Siegel vergeben. Selbst wenn diese alle formalen Vorgaben der EmpCo erfüllen, darunter Transparenz und unabhängige Kontrollmechanismen, ist strittig, was sie kommunizieren dürfen.