1948 lag Deutschland zu weiten Teilen noch in Schutt und Asche – an eine Bundesrepublik war noch nicht zu denken. So auch in Bad Godesberg, das damals noch eine eigenständige Stadt war und erst 1969 Bonn zugeordnet wurde. In Bad Godesberg, genauer gesagt in der Pfarrei St. Marien, gründete Werner Henk, der am 28. August des Jahres 1948 in die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) eingetreten
war, den Stamm Kreuzritter. Das hieß aber nicht, dass man umgehend auch Teil der großen Pfadfinderfamilie wurde. Erst galt es, die harten Anfangswochen zu überstehen, Aufbauarbeit zu leisten und die höhere Ebene davon zu überzeugen, dass man es ernst meine. Gut ein halbes Jahr später war es dann soweit: Am 1. Mai 1949 wurde der Stamm offiziell in die DPSG aufgenommen. Damit, so könnte man meinen, stand einer goldenen Zukunft der Bad Godesberger Pfadfinder nichts mehr im Wege. Doch leider wehrte sie nicht lange. Keine 20 Jahre später war vom Stamm Kreuzritter nur eine kleine Roverrunde übrig geblieben, die den Namen Graf Galen trug. Um ihr Überleben zu sichern, fusionierte sie 1965 mit dem in der Pfarrei St. Servatius im Bad Godesberger Stadtteil Friesdorf ansässigen Stamm Störtebeker. Pfadfinder in Friesdorf hatte seit 1955 unter dem Stammesfeldmeister – so hießen die Vorstandsmitglieder damals noch – Hans Adams gegeben. Nach der Fusion mit St. Marien übernahm man den Namen der dortigen Roverrunde und nannte sich fortan Stamm Graf Galen. Nun stand der Erfolgsgeschichte aber nichts mehr im Wege. Gruppenstunden, Zeltlager, Stammesaktionen, Gemeindearbeit und vieles mehr: Seit Jahrzehnten wird in Friesdorf erfolgreich Pfadfinder- und Jugendarbeit geleistet. Von den ehemals fünf in Bad Godesberg vorhandenen DPSG-Stämmen ist der Friesdorfer als einziger geblieben. Übrigens! Das Stammesbanner, das Werner Henk vor 60 Jahren anfertigte, wird heute immer noch benutzt – und in Ehren gehalten.