07/05/2026
Kinder dürfen auch fallen – eine psychomotorische Perspektive
Fallen gehört zum Großwerden dazu. In der psychomotorischen Entwicklung ist es kein Zeichen von Scheitern, sondern ein wertvoller Lernmoment.
Kinder entdecken ihren Körper, ihre Grenzen und ihre Fähigkeiten nicht nur durch sichere Bewegungen, sondern gerade auch durch kleine Unsicherheiten, Stolpern und Wiederaufstehen.
Psychomotorik betrachtet Bewegung immer im Zusammenspiel von Körper, Wahrnehmung, Emotion und sozialem Erleben.
Wenn Kinder klettern, balancieren, rennen oder springen, sammeln sie zentrale Erfahrungen: Sie spüren Schwerkraft, Gleichgewicht, Kraftdosierung und Körperspannung.
Ein Sturz – im geschützten Rahmen – schärft diese Wahrnehmung und unterstützt die Entwicklung von Koordination, Reaktionsfähigkeit und Körperbewusstsein.
Gleichzeitig stärkt das Fallen auch die emotionale Entwicklung.
Kinder erleben: Ich bin gefallen – und ich kann wieder aufstehen.
Das fördert Selbstvertrauen, Resilienz und den Mut, Neues auszuprobieren.
Wer immer vor dem Fallen bewahrt wird, lernt oft weniger, mit Unsicherheit umzugehen oder eigene Grenzen einzuschätzen.
Eine positive psychomotorische Haltung bedeutet daher nicht, Kinder ungeschützt Risiken auszusetzen, sondern ihnen entwicklungsangemessene Bewegungsräume zu eröffnen.
Erwachsene begleiten aufmerksam, geben Halt, wenn nötig, greifen aber nicht ständig ein. So entsteht ein sicherer Rahmen, in dem Kinder ihre Kompetenzen selbstständig erweitern können.
„Kinder dürfen auch fallen“ heißt letztlich:
Wir trauen ihnen etwas zu.
Wir sehen Fehler als Lernchancen.
Und wir erkennen Bewegung als einen Weg, auf dem Kinder nicht nur körperlich, sondern auch emotional und sozial wachsen.