24/12/2025
Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, sie zu verfolgen
Als ihr Vater im März 1945 in Kriegsgefangenschaft in Dillingen a.d. Saar gefallen ist, war Erna K. gerade mal 6 Jahre alt. Doch sie hat noch viele Erinnerungen an ihren Papa, vor allem weiß sie noch genau, dass er ihr bei seiner letzten Abreise ein besonderes Geschenk versprochen hatte. Leider ist er nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt, die Familie konnte nicht Abschied nehmen.
So oft hat sie sich vorgenommen, das Grab ihres Vaters, der im Ehrenfriedhof Perl an der französischen Grenze seine letzte Ruhestätte gefunden hat, zu besuchen. Es ist ihr größter Wunsch.
Aber, wie das Leben so spielt, kam immer wieder etwas dazwischen. 2015 war sie ihrem Ziel schon so nahe, aber dann erkrankte sie und ihre Tochter Erna G., damals 55 Jahre alt, hatte einen schweren Verkehrsunfall. Beide haben sich von den Folgen nicht mehr erholt, eine derartig weite Reise war auf normalen Weg nicht mehr möglich.
Ihr Traum schien in weite Ferne zu rücken.
Bis ihr Enkel Stefan auf das Herzenswunsch Hospizmobil aufmerksam wurde. Er ist zusammen mit seiner Lebensgefährtin Anja selbst begeisterter Rotkreuzler und gemeinsam haben sie sich sofort als ehrenamtliche Helfer gemeldet.
So kam es, dass sich das Herzenswunschmobil Ende November, mit den zwei Ernas, und deshalb auch mit zwei Fahrzeugen, auf den langen Weg von Regen nach Dillingen/Saar machten. Die lange Anreise forderte natürlich ihren Tribut, sodass sich die Gruppe nach dem Abendessen müde in ihre Zimmer zurückzog. Galt es doch, Kraft für den nächsten Tag zu tanken.
Der 2. Tag begrüßte unsere zwei Fahrgäste mit strahlendem Sonnenschein. Nach dem Frühstück ging es sofort zum Ehrenfriedhof. Die Grabstelle war schnell gefunden und unsere beiden Ernas konnten endlich Abschied nehmen. In stiller Meditation zündeten sie eine Kerze an und legten Blumen auf dem Grab nieder. Ein friedvoller, äußerst emotionaler Moment, bei dem das Team die Beiden alleine verweilen ließ.
Zum Abschluss des Tages wurde noch ein weiterer Wunsch des Duos erfüllt, nämlich Kaffee trinken in Frankreich. Dies erwies sich zunächst nicht als ganz so einfach wie gedacht. Ein herkömmliches Café, wie wir es in Deutschland kennen, gibt es dort nicht. Kaffee gibt es im Lokal, den Kuchen müssen sie mitbringen, so die Erklärung. Aber auch dieses kleine Hindernis war rasch behoben, eine Konditorei schnell gefunden.
Auf der Rückfahrt zum Hotel machten sie noch einen kleinen Schlenker zur Saarschleife, bevor sie den Tag beim Abendessen R***e passieren ließen.
Leider meinte es der Wettergott bei der Rückfahrt nicht mehr ganz so gut. Trotzdem gab es noch einen Abstecher zum Dom in Speyer und auch ein Kirchenbesuch durfte nicht fehlen.
Bei Kälte und Schneegestöber erreichte die Gruppe nach Stunden endlich wieder heimatliche Gefilde.
Sichtlich erschöpft wurde unser Team noch einmal liebevoll von den beiden Ernas in die Arme geschlossen, bevor es hieß, Abschied zu nehmen. Beide Fahrgäste waren sich einig, dass die vergangenen drei Tage zu den schönsten ihres Leben gehören. Wir können gar nicht genug dafür danken.
Auch bei dieser Wunscherfüllung hat uns Letzter Wunsch Bayern e.V. finanzkräftig unter die Arme gegriffen.