06/10/2025
Bochumer Alzheimertag 2025 – Netzwerk Demenz Bochum
Selbstbestimmung mit Demenz- Mensch sein und bleiben
Am 17. September 2025 lud das Netzwerk Demenz Bochum in die KoFabrik ein, um den diesjährigen Alzheimer-Tag gemeinsam zu gestalten. Mit rund 80 Teilnehmenden war die Veranstaltung gut besucht und viele nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren, auszutauschen und neue Impulse für den Alltag mitzunehmen.
Nach dem Grußwort von Bürgermeisterin Gaby Schäfer (ihr letztes Grußwort als Bürgermeisterin) eröffnete Prof.in Dr.in habil. Renate Schramek den Nachmittag mit einem bewegenden Vortrag zum Thema „Selbstbestimmung und Fürsorge – Mensch sein und bleiben mit Demenz“. Sie machte deutlich, dass Menschen mit Demenz weit mehr sind als ihre Erkrankung: Sie bleiben fühlende, wünschende und liebende Menschen mit Biografie und Würde. Gleichzeitig betonte sie das Spannungsfeld zwischen der „Selbstbestimmung“ von Menschen mit Demenz und der „Fürsorge“ durch pflegende An- und Zugehörige.
Gerade bei technischen Assistenzsystemen oder Robotik zeigt sich dieses Spannungsverhältnis deutlich: Diese können die Selbstbestimmung und Teilhabe fördern, bergen aber gleichzeitig Risiken bei der Kontrolle und Einschränkung von Freiheit. Unterstützend kann hier das vorgestellte „MEESTAR-Modell“ angewandt werden. Dieses berücksichtigt ethische, soziale, technische und persönliche Aspekte und zielt darauf ab, technische Assistenzsysteme und Robotik so zu gestalten, dass die Lebensqualität und Selbstbestimmung gewahrt bleibt und die Fürsorge zugleich Sicherheit und Geborgenheit ermöglicht.
Nach einer gemütlichen Pause mit Kaffee und Kuchen folgte eine, durch Barbara Crombach (Alzheimer Gesellschaft Bochum e.V.) angeleitet, lebhafte Podiumsdiskussion mit einem ehemals pflegenden Angehörigen Herrn Bengs, Frau Prof.in Dr.in habil. Schramek sowie Frau Hüther vom Amt für Soziales der Stadt Bochum. Diskutiert wurden unter anderem die Chancen und Risiken technischer Hilfsmittel und die Wichtigkeit, die Wünsche von Betroffenen bezüglich der Pflege und Betreuung im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz frühzeitig schriftlich zu fixieren. So können Unsicherheiten und rechtlich schwierige Situationen im Vorfeld geklärt werden.
Besonders bereichernd war der „Markt der Möglichkeiten“, bei dem zahlreiche Netzwerkpartner*innen wie die Alzheimer Gesellschaft Bochum e.V., die Diakonie, das DRK, die Tagespflegen Rombacher Tor und Tagespflege Bochum und die Stadt Bochum mit Beratungsständen präsent waren. Sie boten wertvolle Informationen und persönliche Gespräche für Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen. Mit vielfältigen Beratungs- und Entlastungsangeboten tragen sie dazu Menschen mit Demenz und deren An- und Zugehörigen zu stärken.
Durch die Veranstaltung führe Jutta Meder (Alzheimer Gesellschaft Bochum e.V.).
Für alle Teilnehmenden war es ein gelungener, anregender Nachmittag, der Mut macht und wertvolle Impulse für die Zukunft gibt.
Der Nachbericht ist von Indra Wienand.